Reflexartige Ablehnung
Warum die Hochschulrektoren falsch liegen mit ihrer Kritik an einer Deutschen Lehrgemeinschaft.
NORMALERWEISE GILT DIE Hochschulrektorenkonferenz (HRK) als eher schwerfällig in der internen Meinungsbildung. Umso erstaunlicher, wie schnell die 268 Mitglieder öffentlich Kante zeigen können, wenn sie sich einig sind. So geschehen gestern bei ihrer Vollversammlung in Bielefeld, als die Hochschulchefs dem Wissenschaftsrat eine unmissverständliche Botschaft übermittelten: Eine Deutsche Lehrgemeinschaft? Nein, danke! Oder, wie HRK-Präsident Horst Hippler es formulierte: "Wir brauchen jetzt und auch nach 2020 keine neuen Institutionen, sondern vor allem eine klar konzipierte, verlässliche Hochschulfinanzierung in gemeinsamer Verantwortung von Ländern und Bund."
Damit spielt Hippler auf die Diskussionen um die Nachfolge des 2020 auslaufenden Hochschulpakts an, für die im Wesentlichen zwei Finanzierungslogiken im Raum stehen. Erstens: Der Bund übernimmt einen Teil der Grundfinanzierung der Hochschulen, die Mittel werden nach einem vorher festgelegten Mechanismus verteilt (das ist die Variante, die die Hochschulen favorisieren). Zweitens: Bund und Länder einigen sich auf politische Handlungsfelder und investieren in dazu passende Programme und Einrichtungen, zum Beispiel zur Stärkung der Fachhochschulen, einer weiteren Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte – oder aber zur gezielten Förderung von Innovationen in der Hochschullehre.
Zu zweitens würde natürlich auch die Einrichtung einer "bundesweit eigenständigen Organisation" zählen, ...
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Kommentare
#1 - Nach meinem Empfinden vor Ort ist die Lehre und deren…
Schon über den Begriff der Lehre scheint ein Dissens zu liegen. Man sollte bei jeder Äußerung genau hinsehen, ob damit nur die freie Äußerung wissenschaftlicher Erkenntnisse oder aber die gesetzliche Aufgabe der Hochschulen, Akademiker für den allgemeinen Arbeitsmarkt auszubilden, gemeint ist. Letzteres wird an den Hochschulen doch eher stiefmütterlich behandelt. Die letztgenannte Daueraufgabe kann in der Tat nicht einer dauerhaften Projektfinanzierung unterworfen sein. Der blinde Schrei nach Bundesgeld hilft hier aber m.E. auch nicht weiter, da damit keinesfalls ausgeschlossen ...
#2 - Lieber Jan-Martin,spannend - und dennoch fragwürdig. Ich…
spannend - und dennoch fragwürdig. Ich bin bei weitem kein Spezialist für die Lehre, aber ich bekomme mit, dass seit mehr 20 Jahren die Lehre nun wirklich in der Diskussion ist - angefangen mit den BA-/MA-Reformen der Lehre, der Neuorganisation des Studiums und der Veränderungen auch des Bewusstseins von Lehrenden in den Universitäten bin hin zu den Pakten für Lehre. Es gibt auch reichlich Programme, die die "Qualität der Lehre" fördern (übrigens ein Begriff noch aus der Zeit von Anke Brunn als Wissenschaftsministerin in NRW in den 90ern).
Eine kurze Recherche über Google über "Gute Lehre aus Studierenden ...
#3 - Lieber Herr König,vielen Dank für den wunderbaren…
vielen Dank für den wunderbaren Kommentar. Ich habe nur erhebliche Zweifel, ob Universitäten dazu in der Lage sind. Meine eigenen Erfahrungen als MItglied einer Studienkommission einer sehr großen Universität ist da leider ernüchternd. Dort wird eher im klein-klein versucht vermeintliche Probleme zu lösen. Eine grundlegende Diskussion zur Qualität akademischer Studienbedingungen findet da nicht statt oder artet in einem wenig reflektierten Bologna-Bashing aus.... Ich zweifel mittlerweile an dem Konzept der autonomen Hochschule. In der Forschung mag so etwas vielleicht eher funktionieren. Bei der Gestaltung von Studienbedingungen braucht es m.E. aber klare staatliche Rahmenbedingungen und keine weitere wissenschaftsgeleitete Organisation, ...
#4 - Lieber Herr König, liebe Frau Schreiber,welche anderen…
welche anderen Ergebnisse zeitigt eine hochschulinterne Selbstvergewisserung über die Lehre außer bloße Appelle, diese individuell zu verbessern? Inwiefern kann es der Qualität helfen, wenn der Staat (tendenziell verfassungswidrige) Vorschriften macht, wie die Lehre durchzuführen sei? Davon müssen Sie mich noch überzeugen.
Bis dahin bleibe ich bei Herrn Wiarda. Die Aufwertung der Lehre kann nur gelingen, wenn Ressourcenflüsse und vor allem Reputation an die Lehrqualität geknüpft werden. Die DFG-Förderung bietet dafür ein bekanntes und erprobtes Handlungsmuster, das sich für Wissenschaftler/innen schon deswegen leicht erschließt und gut auf die Lehre übertragbar ist.
Wie J.M. Wiarda bereits ...
#5 - Lieber Herr Bernstorff,ich bin weit davon entfernt, den…
ich bin weit davon entfernt, den Staat um weitere Vorschriften zu bitten, eher welche weiter abzuschaffen - wie etwa die KapVO (Kapazitätsverordnung, die jede Erweiterung des Personals mit der Erhöhung der Studierendenzahl verbindet). Ich empfehle Ihnen wirklich mal, einen Blick in diese 100en von Pakte, Absichtserklärungen, Vereinbarungen etc. Er ist aufschlussreich, um zu erkennen, welches Bild von Universitäten inzwischen in den Köpfen vieler Studierender und (notgedrungen) Lehrender geistert.
Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein, dass gute Lehre mit Reputation und Ressourcen verbessert werden sollte, insbesondere mit der Reputation. Allerdings frage ich mich - und JM -, ob ...
#6 - Lieber Herr König,auch wenn ich glaube, dass über…
auch wenn ich glaube, dass über Methodologie noch gestritten wird und man heutzutage fundierte Kriterien guter Lehre aufstellen kann, finde ich Ihre letzte Anmerkung stichhaltig: Denn eine DFG muss sich eigentlich "nur" über Kriterien guter Forschung einigen, eine DLG muss eigentlich zweierlei tun: Zunächst festlegen, was gute Lehrforschung ist, um danach auf dieser Grundlage Kriterien guter Lehre festzulegen. Beides hochkomplex und Futter nächtelanger Debatten an Lehrforscherstammtischen (stelle ich mir so vor...). Eine DLG hätte also ziemlich viel zu tun, das gebe ich zu.
Mit freundlichen Grüßen
Florian Bernstorff
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