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Algorithmus-Enthusiasmus?

Warum der Einsatz von Algorithmen sehr wohl hilfreiche Werkzeuge sein können, um die Studienabbrecherquote zu verringern. Eine Gegenrede von Aloys Krieg und Heribert Nacken.

Das war eine interessante Erfahrung für mich: Normalerweise bin ich in Debatten meist derjenige, der für den Einsatz von Statistik, empirischer Sozialforschung und datengestützter Verfahren auch in der Bildung plädiert. Doch vergangene Woche schrieb ich in einem Kommentar im ZEITChancen Brief und hier im Blog , an welcher Stelle mir der Algorithmus-Enthusiasmus zu weit geht. Und erntete eine Menge Widerspruch. Was mich zu einer zweifachen Reaktion veranlasste. Erstens zu dem

Ausruf: "Ich finde Studierenden-Monitoring doch auch gut! Aber..." (siehe dazu meine Replik auf Kommentare unter meinem Artikel). Und zweitens habe ich mich einfach gefreut: über all die Leute, die sich an den Hochschulen dafür engagieren, dass die Abbrecherquoten zurückgehen. Die dafür nach den geeigneten Instrumenten suchen. Und die bereit sind, diese auch öffentlich zu verteidigen. Stellvertretend für andere Zuschriften veröffentliche ich deshalb heute einen Gastbeitrag aus Aachen.




Den Studierenden mit Fakten ins Gewissen reden

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Artikelbild: Algorithmus-Enthusiasmus?
Abbildung: Pixabay/250029

IN SEINEM BEITRAG "Algorithmus-Enthusiasmus" hat Jan-Martin Wiarda vergangene Woche zugespitzte Schlussfolgerunge n gezogen, bei denen wir nicht mitgehen können. Er schrieb: "Mehr Betreuung, mehr Beratung? Unbedingt. Ein statistischer ...

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Kommentare

#1 -

Jörg Härterich | Mi., 27.06.2018 - 10:56
Sehr geehrter Herr Krieg, sehr geehrter Herr Nacken,



ein wesentlicher Punkt scheint mir zu sein, dass es sich um ein "verpflichtendes Gespräch" handelt. Anekdotischen Berichten von Kolleginnen und Kollegen entnehme ich, dass bei freiwilligen Beratungsgesprächen nur ein Bruchteil der kontaktierten Studierenden überhaupt erscheint.

Es wäre also interessant zu erfahren, welche Konsequenzen ein Fernbleiben der Studierenden bei Ihrem Modell hat.



Was mir daran Sorgen macht, ist das Problem vieler algorithmischer, auf maschinellem Lernen basierender Methoden, dass sich am Ende nämlich nicht wirklich überzeugend darstellen lässt, welche Kriterien zu einer schlechten Prognose führen. Wenn womöglich die Exmatrikulation droht, weil ein statistisches Optimierungsverfahren ...

#2 -

tmg | Mi., 27.06.2018 - 17:08
Lieber Herr Härterich,



Sie schreiben in Ihrem Kommentar:



''Wenn womöglich die Exmatrikulation droht, weil ein statistisches Optimierungsverfahren ergeben hat, dass manche Kombinationen aus biographischen Daten, Studienaktivitäten und Klausurnoten als hohes Risiko gelten, andere nur unwesentlich verschiedene aber nicht, hinterlässt das zumindest bei mir ein ungutes Gefühl. ''



Hier scheint mir ein Missverständnis vorzuliegen. Von Exmatrikulation als mögliche Folge der diskutierten algorithmischen Risikoeinschätzung ist doch in dem Beitrag von Herrn Krieg und Herrn Nacken nirgends die Rede. Es geht lediglich darum, die berechneten Riskowerte als Auslöser für eine Einladung zu einem (verpflichtenden) Gespräch zu nutzen. Das halte ich für eine äußerst ...

#3 -

Student | Mi., 27.06.2018 - 18:10
Am Konzept eines "datengetriebenen Algorithmus" gibt es mindestens vier grundsätzliche problematische Eigenschaften.



1) Menschen fühlen sich unwohl wenn sie von einem unbekannten Algorithmus auf eine "Informationseinheit" reduziert zu werden. Dies ist ein soziologisches Problem und lässt sich mit den besten Algorithmen (vermutlich) nicht lösen. Die Schufa Holding ist das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen. Letztendlich macht die Hochschule in diesem Falle nichts anderes: möglichst viele Daten zu sammeln um eine positive oder negative Prognose abzugeben.



2) Ein Algorithmus bzw. eine Prognose anhand vergangenen Daten festigt ein vorhandenes Werte- und Entscheidungsmodell. Es könnte sein, dass eine Person mit einem Abiturschnitt von ...

#4 -

Jörg Härterich | Do., 28.06.2018 - 10:11
Sehr geehrter tmg,

ich hatte nur darauf hingewiesen, dass "nicht verpflichtende" Gespräche erfahrungsgemäß nur wenig angenommen werden und hätte gerne erfahren, was im konkreten Fall "verpflichtend" bedeutet. Ein "verpflichtendes Gespräch", das man ohne Konsequenzen schwänzen kann, ist in meinen Augen kein verpflichtendes Gespräch.

#6 -

Jörg Härterich | Fr., 29.06.2018 - 09:39
Sehr geehrter Theo,

im obigen Artikel von Prof. Krieg (Prorektor für Lehre der RWTH Aachen) und Prof.Nacken (RWTH-Rektoratsbeauftragter für Blended Learning) steht wörtlich "Dazu laden wir die Studierenden zu einem verpflichtenden Gespräch ein,[...].", zumindest zwei nicht unwesentliche Mitglieder der RWTH scheinen also etwas davon zu wissen.

Über die Modalitäten dieser Gespräche wollte ich gerne Näheres erfahren, weil dies m.E. ein ganz entscheidender Punkt bei dem beschriebenen Ansatz ist.

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