Das hat uns enttäuscht
Der Aachener FH-Rektor Marcus Baumann sagt, warum sich die Fachhochschulen über den Kommunikationsstil der NRW-Universitäten ärgern – und warum er findet, dass die Debatte über das FH-Promotionsrecht an der Realität vorbeigeht.

Marcus Baumann ist Rektor der FH Aachen und Professor Biotechnologie . Foto: privat.
Herr Baumann, die schwarz-gelbe Landesregierung von Nordrhein-Westfalen will den Fachhochschulen das Promotionsrecht einräumen – über ein "Promotionskolleg für angewandte Forschung der Fachhochschulen". In den Zeitungen las man allerdings recht wenig über die Gründe, warum das eine gute Idee sein soll. Und dafür umso mehr über die Warnungen der NRW-Unirektoren, dass ein "Low-Quality"-Doktor drohe.
Ist das nicht häufig so: Vom Gegenwind nimmt man mehr wahr als von der Sache selbst? Wir haben uns als Fachhochschulen in den vergangenen Monaten sehr intensiv und konstruktiv in einen Diskussionsprozess mit Ministerium, Politik und auch mit den Kolleginnen und Kollegen der Universitäten eingebracht. Aus unserer Sicht gehört die Diskussion genau dorthin. Wir sind mit dem nun vorliegenden Vorschlag der Regierungsfraktionen zufrieden und stellen uns zum Beispiel in Anhörungen des Landtags weiter der Diskussion über Pro und Contra.
Vielleicht haben die Unirektoren auch einfach nur die professionellere Pressearbeit gemacht.
Fest steht, dass die Universitäten laut geklappert haben. Und dass wir Fachhochschulen erst spät verstanden haben, dass die Unis offenbar wirklich auf die öffentliche Auseinandersetzung aus sind. Das hat uns enttäuscht, weil wir der Meinung waren, wir sollten Meinungsverschiedenheiten zunächst unter uns austragen. Wir hatten gehofft, miteinander reden zu können und nicht übereinander. Die Gelegenheit dazu gab es unter anderem in einer Arbeitsgruppe des Ministeriums mit Beteiligung von Universitäten und Fachhochschulen. Doch so laut sich ...
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Kommentare
#1 - Alles gut und schön, aber ich habe den Eindruck, dass in…
Die angeführten Gründe für das Promotionsrecht an FHs würden ...
#2 - Es ist hilfreich, sich die Publikationslisten der Kollegen…
ein Geschäft der Universitäten bleiben sollten.
#3 - zu #2 tmg:Genau das ist es, was das Problem ist. Dass…
Genau das ist es, was das Problem ist. Dass infrage gestellt wird, dass es überhaupt "ausreichend qualifizierte" Prof. "dort" (an FH) geben könne. Nach unseren HAW-Berufungsordnungen haben diese Prof andere Profile, zT eben weniger Nature-Paper, aber hochrangige Patente, nur als Beispiel. Und auf Kunsthochschulen: wer ist denn dort wirklich "würdig" wenn nicht promoviert mit pi-pa-po-Peer-Review?? Das sind doch auch ohne Promotion teilweise fantastische Persönlichkeiten.
Allgemein kann ich nur betonen, dass wir an den HAW mittlerweile einige Prof. haben, die "auf Augenhöhe" arbeiten. Die hervorragende Projekte (mit Anwendungen und direkter gesellschaftlicher Wirkung!) stemmen. Und wenn hier immer so ...
#4 - Zu #1:Hallo Klaus, FH-Profs, die an einer FH studiert…
Hallo Klaus, FH-Profs, die an einer FH studiert haben, gibt es schon längst.
Zu #2:
Bei Aufnahme in das Graduierteninstitut NRW wird die wissenschaftliche Qualifikation geprüft, also z.B. Publikationen, Patente, Drittmittel.
An den FHs hat sich in den letzten 10 Jahren viel getan. Vielleicht mal F5 drücken und aktualisieren. ;-)
#5 - @MarcoFH Profs mit FH Studium gibt es? Wunderbar. Bin…
@Marco
FH Profs mit FH Studium gibt es? Wunderbar. Bin bisher noch keinem begegnet, aber das muss nichts bedeuten.
An den Unis hat sich auch viel getan, auch da rentiert sich ein Update.
Es gibt immer Beispiele von FH-Profs die wunderbare Dinge tun und auch gut forschen können. Genauso gibt es Uni-Profs. die nichts tun und wissenschaftlich wenig können. Ich denke aber nicht, dass die Diskussion um grundsätzliche Prinzipien auf Beispielen einzelner Personen aufgebaut werden sollten. Die Frage ist vielmehr, welchen Auftrag die beiden Einrichtungen haben (FHs und Uni) und wie sie den jeweiligen Aufträgen am besten gerecht werden. Vielleicht ...
#6 - Als Präsident einer Hessischen HAW möchte ich einige…
Auch wenn wir uns einig sind, dass eine wissenschaftlich exakte Unterscheidung von "anwendungsbezogener" Forschung und Grundlagenforschung nicht ausbuchstabiert werden kann, bleibt es dabei, dass selbst der Wissenschaftsrat den Hochschulen und insbesondere den Universitäten und den HAWs unterschiedliche Profilierungen innerhalb der Leistungsdimensionen vorschlägt (http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/3228-13.pdf).
Über dieses Papier des WR kann und soll durchaus gestritten werden, aber genau diese Profilierung innerhalb der Leistungsdimensionen haben wir uns auf die Fahne geschrieben.
Und manche Ihrer Thesen werden auch durch permanente Wiederholung nicht richtiger.
So die, dass ...
#7 - Aus dem zuvor angesprochenen Text des…
"Universitäten sollten stärker als bislang zusammen mit Fachhochschulen sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen Kooperationsplattformen
für die Nachwuchsförderung etablieren, die auch einen längerfristigen institutionellen Rahmen für die einrichtungsübergreifende Betreuung von Promotionen bieten sollen. "
#8 - "Die Fachhochschulen betreiben angewandte Forschung, die…
Es gibt durchaus FH-Professoren, die auf hohem wissenschaftlichen Niveau forschen - das sind aber nur wenige Prozent. ...
#9 - Beim obigen Thema ( Promotionsrecht ) gibt es…
Bei unüberschaubarer Komplexität und steten Beschleunigungen können verschriftlichte Projektionen vom "ENTWEDER - ODER" zum nachdenklichen "SOWOHL ALS AUCH" ( Induktion ) werden.
Wie drückt dies eine Parabel aus? In mehreren Kulturkreisen gibt es die folgende Kurzgeschichte:
Im Dorf musste ein Richter bestimmt werden. Die Wahl fiel auf einen erfahrenen Einsiedler.
Eines Tages kam eine weinende Frau und bescherte sich über ihren Mann, der sie beschimpfe und hart anpacke. Der Richter hörte aufmerksam zu und gab der Frau recht: "Das gehört sich nicht"!
Zuhause stellte die Frau ihren Mann zur Rede. ...
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