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Göttingen: Jetzt erklärt auch der Stiftungsratsvorsitzende seinen sofortigen Rücktritt

Wilhelm Krull: Grund ist die "aus formelrechtlichen Gründen gescheiterte Berufung von Herrn Spoun".

AM TAG NACH dem Rückzug des designierten Präsidenten Sascha Spoun folgte am späten Donnerstagnachmittag der nächste Paukenschlag an der Universität Göttingen. Der langjährige Vorsitzende des Stiftungsrates, Wilhelm Krull, erklärte mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt. Er begründete den Schritt in einer kurzen Mitteilung mit der "aus formalrechtlichen Gründen gescheiterten Berufung von Herrn Spoun ".

Krull ist noch bis Jahresende Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung und fungierte seit 2003, seit die Universität Göttingen zur Stiftung wurde, sowohl als Vorsitzender des Stiftungsrates für Universität und Universitätsmedizin, als auch des Stiftungsausschusses, der nur für die Universität zuständig ist. Nun tritt er von beiden Ämtern zurück.

Krull sagte, er wünsche dem Senat und dem Stiftungsausschuss Universität "und damit den entscheidenden Gremien, dass es ihnen gelingen möge, in einem neuen Findungsprozess eine überzeugende Persönlichkeit für das Präsident(inn)enamt zu gewinnen und mit ihr zu neuen Erfolgen aufzubrechen."

Krull stand selbst zunehmend unter Druck

Krull stand selbst zunehmend unter Druck in den vergangenen Wochen. Wenige Stunden nach Spouns Rückzug hatten sich gestern vier Göttinger Professoren zu Wort gemeldet und sowohl den gesamten Stiftungsausschusses mit Krull an der Spitze ...

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Kommentare

#1 -

KeinStudent | Do., 22.08.2019 - 20:59
Die Protestwortführer haben ganze Arbeit geleistet. Mir fällt es schwer diesen vier Personen einen Glückwunsch auszusprechen. Die Rücktritte von Krull und Beisiegel waren sicherlich nicht die Absicht der Protestler gewesen, jedoch die richtige Signalwirkung für die Uni Göttingen. Der Rückzug von Spoun war leider unvermeidlich geworden und deshalb umso bedauerlicher.

#3 -

McFischer | Fr., 23.08.2019 - 13:40
Man steckt natürlich nicht im Detail drin in der Sache... aber irgendwie bleibt hier das ungute Gefühl, dass sich die Göttinger Professorenschaft (die Unterzeichner/-innen) primär gegen jemanden wehren wollten, der nicht den klassisch-professoralen Stallgeruch hatte. Gerade beim Argument 'fehlender Forschungserfahrung' gegen Spoun klingt m.E. die übliche Herablassung gegenüber Hochschulangehörigen an, die sich nicht nur über Forschung und Forschungsdrittmittel definieren, sondern auch für andere Aspekte einer Hochschule engagieren: Governance, Lehre, Weiterbildung, Third Mission...

Und by the way: Warum ist auf der Liste der Protestler eigentlich kein Mittelbau vertreten?

#4 -

KeinStudent | Fr., 23.08.2019 - 15:04
@McFischer in dem NDR Beitrag vom 15.08. "Mauschelei bei Wahl des Göttinger Uni-Präsidenten?" kommt die herablassende Art der "Protestwortführer" klar zum Ausdruck. Das sind keine Vorbilder für die Studentenschaft, wie sich auch aus den Äußerungen des Göttinger Asta Vertreters Robert Rathke in dem NDR Beitrag vom 22.08. "Göttinger Uni: Sascha Spoun kommt nicht" zu entehmen ist.

#5 -

Göttinger_Alumnus | Fr., 23.08.2019 - 17:45
Was die Theologen Kaufmann und Kratz fordern, ist nichts anderes als die Restitution der Ordinarien-Universität des 19. Jahrhunderts mit absolutistisch herrschenden Lehrstuhlinhabern, die bestenfalls einen Grüß-August als Präsidenten dulden - keine institutionelle Strategie, keine institutionelle Vernetzung, der endgültige Abschied vom Wettbewerb mit den führenden europäischen Forschungsuniversitäten. Die Georgia Augusta steht am Scheideweg.

#6 -

Salzkristall | Fr., 23.08.2019 - 17:54
@McFischer: Es ist jetzt aber auch nicht so, dass Herr Spoun andere Leistungen als solche in der Forschung sonderlich wertschätzt, für sich selbst begrüßt er sicher andere Kriterien, da er dort selber wenig vorweisen kann. Wertschätzung für Lehre kommt von ihm keinesfalls, an der Leuphana zählen für ihn Forschungsleistungen und Publikationen. Und mit guter Governance kann er nur zum Teil punkten (der Neuaufbau der Leuphana darf wohl als gelungen bewertet werden), wenn man sich aber die hohe Personalfluktuation der Stellen in seinem unmittelbaren Bereich (unbefristete (!) Referentenstellen) anschaut, dann sagt das m.E. viel über die Personalführungskompetenz aus. Sein Hauptargument bei ...

#7 -

KeinProf | Fr., 23.08.2019 - 18:34
"Und by the way: Warum ist auf der Liste der Protestler eigentlich kein Mittelbau vertreten?"



Oder Studierenden- oder MTV-Vertreter*in. Exakt. Vielleicht deshalb, weil man befürchtet es geht in Wirklichkeit um ...



1. Grabenkämpfe, Post-Exzellenz-Frust und offene Rechnungen innerhalb der Professorenschaft (warum würde man alle Interna an die Medien durchstecken bzw. auf jeden Interviewunsch des NDR anspringen - den Konflikt öffentlich inszenieren, wenn es wirklich um das Wohl der Uni ginge und nicht um eigene Interessen, auf deren Kosten man die Uni der öffentlichen Demontage überlässt?)



2. Eine neue Governance, in der die Machtbalance zuungunsten der Leitungsgremien und nicht-professoralen Statusgruppen verschoben ...

#8 -

M. Lenzki | Fr., 23.08.2019 - 19:34
Nein, es geht eben nicht um die (alte) Ordinarien-Uni. Bei heutigen Größenordnungen von Studenten etc. braucht man gewiß eine sehr straff funktionierende Verwaltung.
Aber: Verwaltung ist für die Wissenschaft da. Nicht umgekehrt !! Wenn heute jeder bürokratische Unfug, ob von EU oder Berlin, pedantisch umgesetzt wird, kriegt man ernsthafte Zweifel, z.B. Modifikation der Richtlinien bei Reisen in die EU etc. etc.

#9 -

Ostviertler | Sa., 24.08.2019 - 01:22
Das klingt alles ziemlich widersprüchlich:

Diejenigen, die erfolgreich den rechtmäßig gewählten Präsidenten wie den ebenfalls rechtmäßig gewählten Vorsitzenden des Stiftungsrates zum Rücktritt gedrängt haben, verlangen nun auch den Rücktritt des gesamten demokratisch gewählten Senats - im Namen der Demokratie, und das obwohl sie selbst über keinerlei demokratisches Mandat verfügen und von niemandem gewählt worden sind, für die Universität oder die Professorenschaft zu sprechen.

Dann sollen angeblich 49 Professoren (also gerade mal ein Achtel der 400 Professoren der Universität) das Papier unterschrieben haben, in welchem u.a. Transparenz beim Findungsverfahren angemahnt wird. Überprüfen lässt sich die Zahl freilich nicht, da die allermeisten ...

#10 -

Reinhard Kratz | So., 25.08.2019 - 19:27
Der in den Kommentaren zu diesem Blog geäußerten Krtik an dem Protest von Göttinger Professorinnen und Professoren gegen ein zweifelhaftes Wahlverfahren möchte ich Folgendes erwidern:

Nein, es geht nicht um die Restitution der "Ordinarienunversität", sondern um ein modernes Hochschulmanagement, das sich Forschung und Lehre verpflichtet sieht und nicht umgekehrt Forschung und Lehre in den Dienst des Managements stellt. Es geht um einen Führungsstil, der nicht selbstherrlich, um nicht zu sagen, selbstverliebt Entscheidungen in Hinterzimmern unter Beteiligung einiger weniger trifft, sondern die Regularien einer staatlichen Hochschule (so lästig sie in den Augen mancher Hochschulmanager auch sein mögen) beachtet und nicht mit ...

#11 -

AK | Di., 27.08.2019 - 21:01
Lieber Herr Kratz,

"Warum fehlen Vertreter der Studierendengruppe und des Mittelbaus bei dem Protest? Das haben wir uns auch gefragt."

Haben Sie denn mal nachgefragt? Es gibt ja zentrale Ansprechpartner*innen. Würde mich sehr wundern, wäre aber erfreut eines Gegenteiligen belehrt zu werden.

#12 -

KeinProf | Do., 29.08.2019 - 13:04
Sehr geehrter Herr Professor Kratz,



haben Sie besten Dank für Ihre erhellenden Ausführungen, die mir Ihr Anliegen wesentlich verständlicher und mich ja schon fast geneigt machen, zu Ihrem Standpunkt zu konvertieren. Erlauben Sie mir, dies kurz zu erläutern und mit einer Unsicherheit meinerseits zu beginnen.



Sie geißeln das Findungs- und Besetzungsverfahren als „nicht rechtmäßig“, ergo rechtswidrig – sprich, es wurde (Hochschul-)Recht gebrochen. Auf jeden Fall scheint das Findungsverfahren höchst ärgerlicherweise nicht gerichtsfest, aber fehlende Beweise von Rechtmäßigkeit implizieren nicht automatisch Rechtswidrigkeit. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass Sie – wenn Sie tatsächlich rechtswidrig meinen – diesen schweren Vorwurf dokumentiert unterfüttern können ...

#13 -

KeinProf | Do., 29.08.2019 - 13:05
... jedenfalls ist es natürlich nun an Ihnen und Ihrer Gruppe, mit gutem Beispiel voranzugehen und Transparenz zu leben. Und es geht ja in die richtige Richtung: während der erste Aufruf nur von vier Personen namentlich getragen wurde und eventuelle andere Unterstützer unsichtbar blieben, sind es beim zweiten schon über 40. Vielleicht laden Sie vor dem Verfassen eines dritten Aufrufs nun einfach hochschulöffentlich zur Diskussion ein, damit wir alle mitformulieren können (das würde auch helfen, die Gräben zu überwinden), mindestens natürlich alle 400+ Hochschullehrenden, aber die anderen 40.000+ gern auch.



Und schließlich, ganz wichtig: Ihre Überlegungen, wer vielleicht als Interimspräsident ...

#14 -

Reinhard Kratz | Do., 29.08.2019 - 15:55
Verehrter Kommentator unter dem Pseudonym "KeinProf", ich sprach in meinem Beitrag von einem "zweifelhaften Verfahren" und "Zweifeln an der Rechtmäßigkeit", die sich durch den Offenbarungseid nach Anfrage durch das Gericht ganz offenkundig als berechtigt erwiesen haben und im übrigen bis heute nicht ausgeräumt wurden.

Wären die Zweifel unberechtigt, hätte die Universität die Konkurrentenklage gelassen auf sich zukommen lassen können und Herr Dr. Spoun keinen Grund gehabt, mit Hinweis auf eben diese Zweifel seinen Rückzug zu erklären.

Selbst fünf Mitglieder des Senats, darunter ein Professor des öffentlichen Rechts, haben öffentlich eingestanden, dass sie die Beteuerung der Rechtmäßigkeit des Verfahrens, die sie ...

#15 -

M. Lenzki | Do., 29.08.2019 - 20:14
Herr Kratz hat sicher Recht mit seinen Äußerungen zur desaströsen Kommunikation und zur Dokumentation von Findungskommission, Stiftungsrat und Senat. Hier muß

der Sprecher des Senats für sich endlich Konsequenzen ziehen.

Zu denken sollte aber geben, daß offenbar die 6 Vertreter anderer Statusgruppen auf ihrem Standpunkt beharren. Vielleicht ging es ihnen ähnlich wie den eingeladenen Vertretern von Forschungsverbünden, die Dr. Spoun wohl sehr kritisch befragten und dann wohl nicht unzufrieden waren. Insofern ist die ziemlich unversöhnliche Haltung der "Protestanten" gegenüber den fünf "reumütigen" Professoren im Senat eher nicht sehr konstruktiv. Der Senat ist gerade fünf Monate im Amt. Irgendwie muß es ...

#16 -

Laubeiter | Mi., 04.09.2019 - 13:16
Ich kann trotz Berichten in der Presse und Diskussionen auf diesem Blog leider nicht genau erkennen, ob sich die Kritik gegen die Art und Weise der Durchführung des Verfahrens für die Wahl des Uni-Präsideten richtet oder einfach gegen die gewählte Person. Kann es sein, dass Prof. Kratz die Person nicht goutiert und nun aber, weil Angriffe ad hominem nicht akzeptiert werden, Verfahren und Gremien attackiert hat? Ich kann Zweifel an der Eignung des gewählten Kandidaten nachvollziehen. Als ich hörte, Göttingen bekäme Lüneburgs Präsident als nächsten, habe ich mich gefragt, welche Erfahrungen der Leitung Lüneburgs für die Leitung Göttingens nützlich sein ...

#17 -

Reinhard Kratz | Fr., 06.09.2019 - 02:00
Der Protest richtete sich gegen beides, das Verfahren und die Eignung des Kandidaten. Nachdem Herr Dr. Spoun abgesagt hat, muss man über ihn aber auch nicht weiter reden. Es bleiben die Fragen zum Verfahren, die der Klärung bedürften, um daraus Lehren für den Neuanfang und die Zukunft zu ziehen. Doch solange die Verantwortlichen keine Verantwortung übernehmen und die Universität aus der Krise herausführen möchten, die sie selbst verursacht haben, wird es dazu nicht kommen.

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