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Zehn Jahre lang aufs falsche Pferd gesetzt

Die 2009 gestartete Software hinter der Online-Studienplatzvergabe DoSV ist nicht mehr zu retten, bescheinigen Experten der zuständigen Stiftung für Hochschulzulassung. Und sie prophezeien: Das Provisorium für Medizin-Bewerbungen wird nicht zwei Jahre dauern, sondern fünf. Ein Offenbarungseid für Wissenschaftsminister und Hochschulen.

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Artikelbild: Zehn Jahre lang aufs falsche Pferd gesetzt

Screenshot der Startseite von Hochschulstart.de .

DAS BUNDESVERFASSUNGSGERICHT HAT den Ländern verordnet, die Medizin-Studienplatzvergabe von 2020 neu aufzustellen, doch jetzt ist klar: Das dafür nötige Provisorium bei den Online-Zulassungsverfahren wird deutlich länger dauern als bislang politisch versprochen.

Der IT-Beirat der zuständigen Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) kommt in einem internen Bericht an den SfH-Stiftungsrat zu dem Ergebnis, dass selbst im günstigen Falle die Fertigstellung der endgültigen Software bis zum Sommersemester 2025 dauern wird. Noch im September hatte der KMK-Hochschulausschuss das politische Versprechen bekräftigt, die Übergangsregelung auf dem Online-Portal " Hochschulstart.de " nach zwei Jahren auslaufen zu lassen. Das Provisorium beschränkt die Hochschulen in ihren Auswahlmöglichkeiten, vor allem aber sahen die Ministerien darin ein unschönes Symbol für den vom Verfassungsgericht verordneten Neustart.

Mit ihrem Beschluss im September hatten sich die Ministerialbeamten über Warnungen der SfH hinweggesetzt. Schon damals hatte die Stiftung nämlich mitgeteilt, den ihr gesteckten Zeitplan voraussichtlich nicht halten zu können. Allerdings hatte sie nur von einem weiteren Jahr Entwicklungszeit gesprochen – nun sollen es drei Jahre mehr werden. Als verantwortlich sah die Stiftung nicht sich selbst, sondern die Politik: Bedingung für das Einhalten der Zwei-Jahres-Frist wären rechtzeitige politische Entscheidungen und eine Vereinfachung des Zulassungssystems gewesen – beides hätten die Wissenschaftsministerien nicht geliefert.

Die Stiftung für Hochschulzulassung ist endlich dabei, sich ehrlich zu machen

Hat sich die Situation seit September nochmal so deutlich verschlechtert, oder wie ist die niederschmetternde Prognose des IT-Beirates zu erklären? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Zum ersten Mal in der seit über zehn Jahren andauernden, von Pleiten geprägten Geschichte des sogenannten "Dialogorientierten Serviceverfahrens" (DoSV) ist die Stiftung dabei, sich mithilfe des erst vor kurzem eingerichteten IT-Beirats ehrlich zu machen.

Und diese Ehrlichkeit tut weh, wie der Bericht der im Beirat vertretenen unabhängigen Experten zeigt. Dieser enthält nämlich noch eine ...

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Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Di., 19.11.2019 - 11:28
Der Geburtsfehler der ganzen Misere war, dass man sich damals nicht getraut hat, die alte ZVS abzuwickeln und eine neue Organisation aufzubauen. NRW hat damals heftig Lobbyarbeit betrieben, damit es die mit bekannt schwierigem Personal besetzte ZVS machen durfte. Entsprechend wurde es dann auch, da braucht sich niemand wundern. Die Zeichen standen an der Wand, aber die KMK hat sie nicht sehen wollen.

#2 -

Edith Riedel | Di., 19.11.2019 - 17:49
Es stellt sich doch die Frage, ob es überhaupt möglich ist, eine effiziente, benutzerfreundliche Software zu programmieren, wenn am Ende des Tages für jede einzelne Universität eine maßgeschneiderte Schnittstelle zur jeweils hausgestrickten Lösung bezüglich der Studienplatzvergabe erarbeitet werden muss. Da kann am Ende nur Chaos entstehen.

#3 -

Egal | Di., 19.11.2019 - 19:47
Die SfH segelt mittlerweile wieder im Fahrwasser der ZVS. Die Wünsche der Hochschulen sind egal, die Wünsche der Bewerber/innen ohnehin.



Und die Software ist mittlerweile ein Flickenteppich Berliner Prägung. Fragen nach Standardisierung sind eigentlich überflüssig, wenn die Berliner Entwicklungsleitung es nicht hinbekommt, Schnittstellen für die Hersteller verbindlich zu definieren.



Was jedoch im Text sehr schön gezeigt wird: das Versagen der Aufsichtsorgane. Die internen Probleme in Dortmund und Berlin wurde jahrelang ignoriert, die fragwürdige Verquickung des externen Berliner Partners mit einzelnen Personen in Dortmund wurden ignoriert, die üble Vetternwirtschaft bei Stellenbesetzungen in der SfH wurde ignoriert und letztlich auch die technischen ...

#4 -

Berliner Flughafen | Di., 19.11.2019 - 21:54
Es ist schon unglaublich: Den Hochschulen wird aufgenötigt, wirklich jede Kleinigkeit auszuschreiben und Vergaberecht einzuhalten - und eine staatliche Einrichtung (!) vergibt einfach - mir nichts Dir nichts - einen Auftrag für Software an eine solche Firma! Da frage ich mich doch, wer hat das veranlasst!?
Gab es keine Qualitätskontrolle? Wer ist das Projektmanagement? Wenn es wirklich kracht, werden sich unangenehme Fragen stellen...

#5 -

Steffen Prowe | Di., 19.11.2019 - 22:58
Das Schlimme daran ist, dass neben den Studierenden auch die Hochschulen dieses Chaos ausbaden dürfen. Und jedes Semester mit z.T. unterdimensionierter Verwaltung das ganze auffangen sollen. Was zu Verzug und Ärger führen wird, der natürlich nicht beim Verursacher (Wiss.minister + KMK) landet, sondern am Tresen der Studienverwaltungen. Gleichzeitig wurden die Hochschule genötigt das System zu nutzen, obgleich längst nicht alle Standorte als auch (Konkurrenz)Studiengänge teilnahmen. Was deswegen eben auch zu Dopplungen der DoSV- und Direktbewerbungen führte. Und damit das eigentliche Ziel, eine alte ZVS aufzubauen um Studienplätze möglichst weitgehend zu besetzen, ad absurdum führte.

Es ist schon äußerst ärgerlich wie ...

#6 -

Jan-Martin Wiarda | Fr., 22.11.2019 - 09:16
Ich erinnere an meine Bitte, die Netiquette einzuhalten. Kritik zur Sache ist erwünscht, aber bitte nicht in persönlich verletzender Form gegen einzelne Akteure. Ich behalte es mir insofern vor, einzelne Sätze aus Kommentaren zu entfernen. Den Betreffenden steht es natürlich frei, mich direkt zu kontaktieren, um geeignete Lösungen zu finden. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

#7 -

Its so easy | Fr., 22.11.2019 - 10:28
Spannend ist, warum erst jetzt die Rolle der Itso thematisiert wird. Die hier erwähnte „Ausschreibung“ ist ja nicht die einzige. Im Gegenteil: fast acht Jahre hat dieses Unternehmen Zugriff auf Ressourcen, Informationen und letztlich auch das Geld der SfH.

#9 -

Vetternwirtschaft | Sa., 23.11.2019 - 08:21
Die Itso ist tiefer in der Sfh verwurzelt weil sie das Dosv konzipiert hat und der aktuelle Leiter der Sfh Entwicklung von der Itso stammt und die QS die Itso inne hat. Vetternwirtschaft die seines gleichen sucht. Wir aus Dortmund werden bei Anforderungen übergangen und die Entwickler machen was sie wollen. Wir wissen bei Änderungen im Dosv so wenig wie unsere Hochschulen und könne Fragen der Hochschulen nicht beantworten. Das sollten sie Herr Wiarda mal nachforschen!

#10 -

Besorgte Hochschule | Sa., 23.11.2019 - 11:06
Was ich hier lese öffnet mir als besorgte Hochschule die Augen. Ungeheuerlich wie abhängig sich die Sfh von dieser Firma Itso gemacht hat. Hinzukommend prahlt diese Itso auch noch damit

https://www.itso-berlin.de/index.php?id=13

Wie konnte es nur soweit kommen? Was sagen die Verantwortlichen hierzu? Wer haftet dafür wenn das Dosv im SS20 scheitert und die Studierenden keine Zulassungsanträge erhalten?

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