Wie der Drittmittelwahn die Lehre kaputt macht
Zugegeben, es ist ein ziemlich kompliziertes Konstrukt. Was zugleich der einzige Grund ist, warum die Politik überhaupt noch damit durchkommt. Schon das Wort: Overhead. Was soll man sich denn darunter vorstellen? Wer glaubt, dass da jemandem etwas über den Kopf wächst, liegt in der Tat nicht ganz falsch.
Aber der Reihe nach. Wenn man die wissenschaftspolitischen Debatten verfolgt, weiß man, dass seit geraumer Zeit etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist in den Finanzierungsströmungen, die unser Wissenschaftssystem am Leben halten. Da ist zum einen die Grundfinanzierung. Also das, was die staatlichen Hochschulen für ihre Daueraufgaben regelmäßig von den für sie zuständigen Bundesländern überwiesen bekommen. In den vergangenen Jahren hat es da nur selten mal einen Aufschlag gegeben, teilweise sogar empfindliche Kürzungen. An dem Gesamtbild ändert auch nichts, dass sich zuletzt etliche Bundesländer etwas großzügiger zeigten. Das war ein Einmal-Effekt, da der Bund die Bafög-Kosten seit Anfang diesen Jahres allein schultert und enormen Druck auf die Länder ausgeübt hat, das eingesparte Geld an die Hochschulen weiterzugeben. Dahinter einen wirklichen Gestaltungswillen bei den Ländern zu vermuten, fällt schwer.
Kein Wunder also, dass sich gerade die Universitäten in den vergangenen 10, 15 Jahren neben der Grundfinanzierung mehr und mehr auf eine zweite Finanzierungsquelle stützen mussten. Die so genannten Drittmittel, wieder so ein missverständlicher Begriff. Weder ...
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Kommentare
#1 - Lieber Herr Wiarda,vielen Dank für diesen Blog-Eintrag,…
vielen Dank für diesen Blog-Eintrag, der an vielen Fronten gleichzeitig angreift. Die vielfältigen Apsekte der Drittmittel haben Sie sehr übersichtlich zusammengefasst. Dafür mein Dank. Die Drittmittel haben neben der profanen Funktion, dass sie Geldmittel sind noch eine ganz andere Wirkung, die erhebliche Tiefenwirkung in den Universitäten entwickelt und die natürlich auch zu Lasten der Lehre geht. Die Menge an Drittmittel, die ein Wissenschaftler einwirbt dient als Messgröße für die wissenschaftliche Qualität und Produktivität der Person. Das ist für die Laufbahn als Akademiker von entscheidender Bedeutung. Die Qualität des Wissenschaftlers/der Wissenschaftlerin wird also nicht mehr nur an den ...
#2 - Lieber Herr Wiarda,a la bonheur! Auch ich danke Ihnen für…
a la bonheur! Auch ich danke Ihnen für diesen ausführlichen und klaren Beitrag zur Drittmitteldebatte. Hinzufügen möchte ich, dass es ein "offenes Geheimnis" der Hochschulen zu Drittmittel und Lehre gibt: Die wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen, die aus Drittmitteln für die Forschung bezahlt werden, sind selbstverständlich auch in der Lehre eingesetzt, wodurch seit Jahren im Grunde die Hochschulen für die Forschung eingeworbene Drittmittel letztlich für die Lehre "zweckentfremden". Das ist zwar nicht im Sinne des Erfinders, aber ein notwendiges Übel, das dann zur Folge hat, dass manche Nachwuchswissenschaftler in Zeitverzug mit ihrer eigenen Forschung geraten.
Nur noch eine Bemerkung am ...
#3 - Lieber Herr König,vielen Dank für das Kompliment und die…
vielen Dank für das Kompliment und die wichtigen Ergänzungen. Gerade was die Entfremdung der Drittmittel zugunsten der Lehre angeht, stimme ich Ihnen zu, dass es ohne diesen Missstand gar nicht ginge. Insgesamt aber glaube ich, dass die Lehre in Sachen Drittmittel wegen des fehlenden Oberheads immer noch einen sehr schlechten Deal macht, denn keine Zweckentfremdung gleicht all die fehlenden Millionen aus.
Viele Grüße,
Ihr J-M Wiarda
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