WER ICH BIN


IN STICHWORTEN

 

Journalist, Politikwissenschaftler, Volkswirt. Studium in München und Chapel Hill (USA). Redakteursausbildung an der Deutschen Journalistenschule. 2016 Dissertation an der Humboldt-UniversitätAutor für die Süddeutsche Zeitung, die Financial Times Deutschland,
Tagesspiegel, Stern und andere.  

Acht Jahre Redakteur in Hamburg bei der ZEIT im Bildungsressort "Chancen". Knapp drei Jahre Kommunikationschef der Helmholtz-Gemeinschaft. Ab August 2015 freier Journalist, Autor, Moderator.

 

 

WENN SIE ETWAS MEHR ZEIT HABEN...

 

Die erste Schreibmaschine habe ich 1984 von meiner Großtante Lotte geerbt. So ein grünlich-graues Gerät, das in den Sechzigern bestimmt eine richtige Investition gewesen ist. Ich war sieben und begann voller Tatendrang, meine Lieblingskinderbücher abzutippen. Warum? Ich weiß es nicht mehr.

 

Heute habe ich immerhin eine Ahnung. Schreiben heißt für mich Einordnen. Ich möchte die Welt um mich herum beschreiben, und damit mir das gelingt, muss ich bereit sein, etwas von mir selbst preiszugeben. Journalist und Moderator sein heißt noch etwas mehr. Es bedeutet nicht nur, Fragen an die Welt da draußen zu haben, sondern auch, es sich mit den Antworten nicht zu leicht zu machen.

 

Auf die Reiseschreibmaschine von Tante Lotte folgte die elektrische von Brother, gekauft vom Konfirmationsgeld. Danach der erste Computer, ein 486er, und immer noch die gleiche Faszination mit dem Schreiben. Kurzgeschichten, Gedichte, ein Roman. Das übliche Zeug, wenn man 16 ist, schlimm pubertiert und gern schreibt. 

 

Irgendwann, genauer gesagt: 1996, war die Schule vorbei, ein Jahr Zivildienst im Altenheim, und dann das langgeplante Germanistikstudium. Lehrer wollte ich werden. Alles schön geradlinig. Bis zum Bruch. Das fühlte sich nicht mehr richtig an, das war nicht über die Welt da draußen, das waren mittelalterlicher Minnegesang und postalveolare Frikative im Linguistikkurs. Zum Glück stand ein Unistreik an, ich machte mit und hörte nicht mehr auf mit dem Streiken. Bis ich von der Deutschen Journalistenschule in München hörte und deren legendären Auswahltest. Versuche ich mal, dachte ich – und bis es soweit war, las ich ein halbes Jahr drei Stunden am Tag Zeitung, merkte mir die sonderbarsten Gesichter auf den Pressefotos und die Funktionsweisen von UNO und Wechselkurssystemen.

 

Ich hatte Glück, ich wurde angenommen, und das hieß auch: Diplom-Journalistik studieren an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Schwerpunktfächer: Politik, Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaft. Und plötzlich war ich wieder deutlich näher dran an der Welt da draußen.

 

Von meiner Tante Lotte habe ich erzählt. Es gibt einen zweiten Menschen, der mit verantwortlich ist für das, was ich heute tue. Sein Name: Wulf. Er stand in der Mensaschlange hinter mir, 58 Jahre alt, grauer Vollbart, graue Haare und eine Plastiktüte voller Essenchips. Und erzählte mir von 50 Semestern Studium, Anglistik, Medizin, Philosophie, BWL. Über diesen Mann musst Du schreiben, dachte ich. Meinen ersten Artikel in der Süddeutschen Zeitung, und ich hatte mein Thema entdeckt: Bildung und Wissenschaft. Ich schrieb über Rechnungshofbesuche an bayerischen Hochschulen, Forscher im Kampf gegen BSE und, während meines Studiums in den USA, über Footballspieler an amerikanischen Colleges.

 

An der University of North Carolina at Chapel Hill machte ich meinen Master und entging, wenn ich meinen Münchner Kommilitonen glauben darf, geschätzten 50 Diplomprüfungen. Wobei ich heute sagen würde, dass ich nie so viel gelernt habe wie in meinen zwei Jahren dort drüben. 

 

Und dann – 2003 – der große Aufbruch? Nun ja. Medienkrise und freie Mitarbeit. Beim Tagesspiegel, bei der Süddeutschen Zeitung, bei der DUZ. Ganz okay, aber wenig lukrativ. Und irgendwie außen vor. Bis der Anruf von der ZEIT kam. Und plötzlich war ich mitten dabei: Ressort Chancen, Bildungsthemen, Wissenschaft und Politik. Wundervolle Jahre. Tolle Kollegen. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Wurde stellvertretender Ressortleiter und lernte nebenher das Moderieren.

 

Gar nicht mal freiwillig. Es gehört sich eben für ZEIT-Redakteure, sowas auch ab und zu zu machen. Aber dann merkte ich ziemlich schnell, dass mir das liegt, das öffentliche Diskutieren, das Argumentieren, vor allem aber, all das anderen zu überlassen, dazwischen zu sitzen und die Fragen zu stellen, zu piksen, anzuregen und im Zweifel nicht locker zu lassen. Andere merkten das offenbar auch. Denn plötzlich bekam ich Anfragen, ob ich nicht dieses Streitgespräch über die Bologna-Reform moderieren möchte und jene Diskussionsrunde über die Exzellenzinitiative. Ich tat's und hatte großen Spaß dabei. 

 

Bei einer dieser Podiumsdiskussionen traf ich Jürgen Mlynek. Wir mochten uns. Später interviewte ich ihn für die ZEIT, es ging um Helmholtz und die Frage, ob so eine große Forschungsorganisation eigentlich nur schwerfällig ist oder am Ende doch etwas kann, was die anderen nicht können. Ein nettes Gespräch. Dann lange nichts. Bis er mich eines Tages im Jahr 2012 anrief und fragte, ob ich Kommunikationschef bei Helmholtz werden wollte. Ich wollte.

 

"Moment", werden jetzt manche sagen. Wie kann das sein: Da schwärmt einer davon, Journalist und Moderator zu sein, sich die Welt anzuschauen, und plötzlich landet er bei der Helmholtz-Gemeinschaft? In der PR? Genau. Ich wollte wieder etwas lernen über die Welt da draußen, und diesmal hatte ich das Gefühl, das kann ich nur von innen. Schauen, wie funktioniert so eine große Organisation, warum laufen die Dinge manchmal so kompliziert und warum können sie gar nicht anders laufen? Vor allem aber: Kann eine Forschungsorganisation wie Helmholtz auch eine Öffentlichkeitsarbeit machen, die nicht die eigene Institution über andere stellt, die nicht an ihren eigenen Grenzen aufhört, sondern von den Menschen und ihrer Neugier erzählt und nicht sich selbst genug ist? Kann so eine Organisation mit der Gesellschaft ins Gespräch kommen, zu Kritik einladen und dann an ihr – zumindest gelegentlich – auch wachsen? Ob mir das gelungen ist, müssen andere beurteilen. Ich hatte auf jeden Fall große Freiheiten und viel Spaß mit meinem Team. Wir haben viel Neues ausprobiert und öfter auch mal Neuland betreten.

 

"Moment", werden jetzt wieder andere sagen. "Wenn das so toll war, warum hast du da dann wieder aufgehört?" Weil ich jetzt wieder zum Anfang komme. Alles hat für mich mit dem Schreiben angefangen. Dem Schreiben auf einer alten grünlich-grauen Reiseschreibmaschine. Zum Schreiben zieht es mich zurück. Ich will etwas von mir preisgeben, indem ich über die Welt um mich herum nachdenke. Ich will Fragen an die Welt da draußen stellen und es mir nicht zu leicht mit den Antworten machen. Ob ich eine Reportage schreibe, ein Interview führe oder auch eine Podiumsdiskussion moderiere: Meine Welt, das ist Bildung und Wissenschaft und Forschung, das sind die Menschen, die sie machen, und sie stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit. 

 

Ich bin Autor und Journalist und Moderator, und ich freue mich, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.