Bestechend: Die Vorschläge der Imboden-Kommission

Wer in den vergangenen Tagen mit Bildungspolitikern sprach, konnte den Eindruck bekommen: Alles schon klar mit der Fortsetzung der Exzellenzinitiative. Warten wir noch kurz das Votum der Imboden-Kommission ab, da wird es keine großen Überraschungen geben. Und dann geht es Schlag auf Schlag mit den Beschlüssen.

Von wegen. Selbstbewusst liefert der Bericht, über die Evaluation hinaus, ziemlich detaillierte Vorschläge, wie es denn nun weitergehen soll. Imboden kam, sprach – und die Politik muss neu denken. Zwar schlagen auch die internationalen Experten vor, die erste Förderlinie (Graduiertenschulen) mit der zweiten (Exzellenzcluster) verschmelzen zu lassen. Und sie wollen längere Laufzeiten. Ganz auf einer Linie mit Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG), Wissenschaftsrat und anderen. Aber der große Aha-Effekt folgt bei der dritten Förderlinie, den bisherigen Zukunftskonzepten. Imboden will komplett raus aus der kurzatmigen Antragslogik und schlägt eine Exzellenzprämie vor.

Die Idee klingt bestechend einfach: Statt ständig neue Konzepte für die Galerie zu schreiben und der Politik den Himmel zu versprechen, sollen die Hochschulen sich an dem messen lassen, was sie bereits geleistet habe. Wieviele DFG-Drittmittel pro Professor haben sie eingeworben? Wieviele ihrer Forscher haben ERC-Grants? Zwei mögliche Beispiele unter vielen. Über die richtigen Kriterien, sagen die Experten, müsse man noch reden. Solange bereits gezeigte Forschungsstärke belohnt werde. Die besten (vielleicht) zehn Universitäten sollen dann für sieben oder acht Jahre eine Extraförderung kommen. Sie wären die neuen Exzellenzuniversitäten.

Fast exakt dasselbe Modell hatte im Oktober Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in die Diskussion gebracht. Dass die Idee besonders den Ländern nicht schmeckt, deren Unis schon beim bisherigen Wettbewerb das Nachsehen hatten, liegt auf der Hand: Ein solcher Prämienautomatismus würde den Einfluss der Politik auf Null runterregeln. Ganz im Gegensatz zu den „Spitzenstandorten“, Verbünde mehrerer Universitäten als Exzellenzuni-Ersatz, mit denen Bund und Ländern zuletzt immer stärker liebäugelten.

Genau das macht den Vorschlag möglicherweise komplizierter und weniger politikfern, als man zunächst denkt. Man kann sich das Geschacher vorstellen, mit dem jedes Land versuchen wird, die für seine Standorte und Unis jeweils günstigsten Kriterien herauszuholen. 

 

Fest steht: Im Oktober hatten die meisten von Bauers Ministerkollegen den Vorschlag noch geflissentlich ignoriert. Das können sie jetzt nicht mehr. Aber sind sie auch so flexibel, all das, was sie schon für gesetzt hielten, noch einmal neu zu denken? Mehr Zeit dafür immerhin hätten sie: Die Imboden-Kommission will den Neustart um zwei Jahre auf 2020 verschieben und bis dahin die bisherigen Formate weiterlaufen lassen. Zumindest dafür ist ihr der Beifall aus der Wissenschaft schon mal sicher.

 

Dieser Kommentar erschien heute auch im ZEIT Chancen Brief und bei ZEIT Online. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Klaus Diepold (Sonntag, 31 Januar 2016 12:27)

    Die Lektüre des Berichts der Imboden-Kommission ist in der Tat an vielen Stellen erfreulich. Die Anregungen und Vorschläge sind klug und es ist jetzt an der Politik daraus die richtigen Schritte abzuleiten. Allerdings irritiert mich der Vorschlag zu den Kriterien für die Vergabe der Exzellenzprämie. Der Bericht nennt da die Menge an DFG-Drittmitteln und die Anzahl der ERC Grants sowie die einschlägigen Preise. Das kann man alles machen und diese Maßzahlen sind auch relativ einfach zu erheben. Allerdings ist mir nicht klar, in wie weit z.B. die Menge an DFG-Drittmitteln als Gradmesser für die Qualität der Forschung dient. Die DFG vergibt Gelder auf Grund von Anträgen - genau das was Inboden bei der Exzellenzprämie vermeiden will - Vergabe von Prämien basierend auf Antragsprosa. Zudem sind die vorgeschlagenen Kriterien sehr einseitig in Richtung akademisierter Forschung. Da sollte es auch Kriterien geben, in denen sich der gesellschaftliche Beitrag der Forschung niederschlägt, z.B. Innovationen (H2020), Erfindungen, etc.. Offensichtlich hat privates Geld eine geringe Aussagekraft über die Qualität der Forschung.

    Vielleicht brauchen wir dann doch noch Exzellenzkriterien für die Universitäten in denen sich das Engagement für die Hochschullehre widerspiegelt. Die Universitäten und die dort aktiven Protagonisten werden ihre Aktivitäten sonst komplett auf die DFG-Kriterien (Forschung) hin ausrichten und optimieren. Die Qualität der Lehre kommt dabei noch mehr unter die Räder, auch weil die Inboden-Kommission eine Reduzierung der Lehrbelastung für die Profs. fordert (allerdings auch mehr Zeit für die Betreuung ?).

    Also über ein paar Punkte können wir noch diskutieren.