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Zerrbild USA

Heute werde ich zur Abwechslung mal ein wenig emotionaler. Wer möchte, kann das gern auf meine eigene sehr positiven Erfahrungen an einer US-Universität schieben.

Seit einer Weile schon verfolge ich mit zunehmenden Unbehagen, wie der „angloamerikanische Bereich“ (Dieter Lenzen) und speziell die USA herhalten müssen, wenn die deutsche Hochschullandschaft mal wieder einen ihrer nicht zu seltenen Momente der Selbstvergewisserung durchmacht. So konnte man zum Beispiel vor einigen Tagen in einem Leserbrief in der FAZ folgende Philippika eines Dresdner Professors lesen: „Die angelsächsische Tradition ganz weniger Elite-Universitäten neben oft mediokren Anstalten ist uns fremd und bedarf im Interesse einer insgesamt guten Forschung und Lehre keiner späten Nachahmung.“

Mein Eindruck ist, dass viele, die da Amerikas Hochschulen als Gegenentwurf der deutschen Landschaft konstruieren, nicht allzu viel über erstere wissen. Das fängt mit dem Gerücht an, es gebe in den USA nur eine Handvoll herausragender Unis a la Harvard, Stanford und Yale – und der Rest sei im Grunde nicht mit der Qualität deutscher Bildungseinrichtungen zu vergleichen, die zwar weniger Spitzen hätten, dafür aber in der Breite Spitze seien. Man vergleiche hierzu die auch die aktuelle Debatte um die Zukunft der Exzellenzinitiative.

Ich weiß nicht, woher dieses Narrativ kommt, aber es ...

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Kommentare

#1 -

Josef König | Mo., 15.02.2016 - 11:49
Gut gebrüllt, Löwe, möchte ich Dir, liebe Jan-Martin, gern zurufen - und tue es auch! Dennoch sind einige Hinweise zur Relativierung notwendig.



Zurecht sagst Du, dass Rankings ihre Probleme haben, aber immerhin spendest Du die Hälfte des Beitrags dem THE, ohne zu schreiben, was und wie dieses Ranking misst: Nämlich zu 30 Prozent Lehre (davon immerhin die Hälfte aufgrund von Befragungen von Meinungen anderer über die Qualität der Lehre - "perceived prestige of institutions in teaching"), 30 Prozent Forschung (davon mehr als die Hälfte basierend ebenfalls auf der Meinung von Experten "this category looks at a university’s reputation for research ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 17.02.2016 - 18:48
Lieber Josef,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich teile Deine Kritik an den Rankings und speziell dem THE, wie Du weißt, im Grunde. Allerdings ging es mir ja um einen anderen Punkt: zu zeigen, wie schief die deutsche Wahrnehmung in Sachen Eigen- und Fremdexzellenz in de Breite ist. Dem stimmst Du ja auch im Kern zu.



In den USA gibt es übrigens über 4000 Hochschulen, im Vergleich zu über 400 in Deutschland – also nahezu Faktor 10. Allerdings ist hohe US-Zahl irreführend, weil dort genau all die zum Teil sehr kleinen Community Colleges hineinzählen, die es in Deutschland so gar ...

#3 -

Klaus Diepold | Do., 18.02.2016 - 15:13
Lieber Herr Wiarda,



wenn die deutschen Universitäten das Gefühl haben, dass ihre ausserordentlichen Leistungen in Forschung und Lehre nicht hinreichend in den existierenden Rankings Berücksichtigung finden, dann wäre es vielleicht an der Zeit sich Kriterien und Kennzahlen zu überlegen, die diese speziellen Ausprägungen reflektieren, und an denen man sich selbst messen lassen kann. Aber dazu ist das Ranking-Spiel an Hochschulen in Deutschland noch zu neu, ebenso wie der Wettbewerbsgedanke.



Das "Employability Ranking" von THE (https://www.timeshighereducation.com/carousels/global-employability-university-ranking-2015-results) oder eine entsprechend angepasste Version davon präsentiert ein komplementäres BIld zu Shanghai etc. Allerdings tauchen dort auch in den Spitzenpositionen "the usual suspects" auf. Also, ...

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