Rankings – nur was für Angeber?

Der Hamburger Wissenschaftsjournalist Marc Hasse brachte es vor wenigen Tagen in einem Tweet auf den Punkt. „2012 wollte die Universität Hamburg nicht mehr bei den Rankings mitmachen“, schrieb er vergangene Woche. „Nun bei einem anhaltenden Aufwärtstrend kein Problem mehr.“

 

Der Anlass: Uni-Präsident Dieter Lenzen hatte das erfolgreiche Abschneiden seiner Hochschule beim Fächerranking „QS World Ranking by Subject“ gefeiert, das kurz vor Ostern veröffentlicht wurde und bei dem Hamburg laut eigener Pressemitteilung „in 14 von 30 bewerteten Fächern im Bundesvergleich einen Top-10-Platz erzielen“ konnte. 



 

Moment. Hatte nicht derselbe Lenzen vor vier Jahren gemeint, Rankings seien „Unfug“, um dann medienwirksam anzukündigen, sich fortan nicht mehr an Listenvergleichen zu beteiligen? Und hatte nicht selbst Stanford-Präsident John Hennessy vor wenigen Tagen im Interview gesagt: „Natürlich sind Ranking etwas für Angeber“?

 

Deutsche Hochschulen haben dieser Tage wieder mal viel zum Angeben. Zahlreiche Universitäten haben Pressemitteilungen à la Uni Hamburg herausgeblasen, und alle klingen sie irgendwie gleich. Die Freie Universität Berlin nennt das QS-Ranking „renommiert“. Die Universität Heidelberg sieht durch die Ergebnisse ihr Prinzip der Volluniversität bestätigt, und die Universität Mannheim erklärt das Ranking zum Beleg „für die hervorragende Qualität unserer Forschung und Lehre“.

 

An dieser Stelle muss nicht auf Methodik und Aussagekraft des QS-Fächerrankings eingegangen werden. Dass man sie angreifen kann, wissen alle – und betonen es auch, solange sie darin nicht unter den Gewinnern auftauchen. Das Problem sind nicht die Rankings – sie können sogar heilsame Prozesse auslösen, wenn sie die Hochschulen stärker animieren, sich mit ihrer Außenwirkung und der Frage nach mehr Exzellenz zu beschäftigen.

 

Das eigentliche Problem ist, dass die deutschen Universitäten keinen konsistenten Umgang mit ihnen finden. Wie wäre es zum Beispiel, wenn sie statt Jubel-Pressemitteilungen einfach irgendwo auf ihren Websites ein Fenster mit den jeweils aktuellen Ranking-Ergebnissen platzierten? Dann kann jeder daraus machen, was er oder sie will.

 

Die gegenwärtige Mischung aus kritisch-distanzierter Ablehnung und – im Bedarfsfall – überschäumend-selbstgerechtem Stolz jedenfalls ist einfach nur peinlich.

 

Dieser Kommentar erschien heute auch im ZEITChancen Brief. 

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