Unterschriftenaktion gegen die Exzellenzinitiative gestartet

Heute berichtet meine Kollegin Anna-Lena Scholz im ZEITChancen Brief von einer Unterschriftenaktion von mehr als 100 Wissenschaftlern gegen die Exzellenzinitiative. Die wissenschaftspolitisch geleitete ExIni befördere den „Trend zu Pseudo-Märkten im Hochschulsektor“, sorge für „Dauerkonkurrenz um staatliche Mittel“ und verstärke „eine Fassadenkultur der Antragstellung, die Orientierung am Mainstream und prekäre Projekt-Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft.“ Gegen den Wettbewerb spreche auch, dass die „Hierarchisierung der Hochschulen“ soziale Ungleichheit verschärfe: „Internationale Vergleiche zeigen, dass Spitzenhochschulen gewöhnlich der Oberschicht zur Reproduktion dienen." Zu den Erst-Unterzeichnern, die Anna-Lena Scholz zitiert, gehört der Eliteforscher Michael Hartmann, einer der klügsten Zweifler am Mainstream der heutigen Wissenschaftsförderung.


Sie erinnern sich vielleicht: In meiner Bilanz der Verhandlungen hatte ich mich gefragt, wo denn der Widerspruch bleibt, warum kaum noch einer aufsteht und sagt, er sei grundsätzlich gegen die Logik eines Wettbewerbs. Jetzt sind doch noch Leute aufgestanden, und davon nicht zu wenige. Allerdings darf die Frage erlaubt sein: Warum erst jetzt, nachdem die Entscheidung gefallen ist?

Ansonsten finde ich die Aktion hervorragend. Wenn Sie meinen Blog regelmäßig lesen, wissen Sie, dass ich ein großer Unterstützer der Exzellenzinitiative bin. Aber man sollte immer misstrauisch werden, wenn keine Debatte mehr über Grundsätzliches stattfindet. Hier ist sie, endlich! Danke den Initiatoren. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Björn Brembs (Donnerstag, 28 April 2016 09:36)

    Ein wichtiger Ansatzpunkt für eine solche Debatte sollten vielleicht die Daten zum "Erfolg" der Exzellenzinitiative sein:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/verbesserung-der-arbeitsbedingungen-an-unis-13354907.html
    Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitszustände an den Unis ist die Exzellenzinitiative grandios gescheitert: ausser für die Verwaltungen wurden die Bedingungen für alle Gruppen schlechter.
    Was die Forschung alleine angeht, ist überhaupt kein Effekt zu sehen:
    http://www.nature.com/news/germany-claims-success-for-elite-universities-drive-1.18312
    Unter dem Strich war die EI also eine gigantische Geldverschwendung, nach der wir schlechter dastehen als vorher.

    Es sei denn, man glaubt den Feudalherren in den Präsidien, die sich mit der Geldschwemme einen Hofstaat von unkündbaren Verwaltungsangestellten gegönnt haben, der die niederen Chargen, die sich allen ernstes noch mit Forschung und Lehre herumschlagen, mit Formularfluten hinweg schwemmen - für die Herren ist natürlich alles bestens.

  • #2

    Klaus Diepold (Freitag, 29 April 2016 11:55)

    ‎"When all think alike, then no one is thinking.”
    ― Walter Lippmann

    in diesem Sinne danke ich für den Hinweis.