Redet diese Idee nicht zu schnell klein!

Könnte der "Ein-Fach-Lehrer" den Lehrermangel lindern? Möglich. Vor allem aber wäre er Teil einer überfälligen Reform des Lehramtsstudiums. Wie sie aussehen könnte, hat der Bildungsforscher Manfred Prenzel schon vor Monaten beschrieben.

LEHRERMANGEL MACHT ERFINDERISCH. Und manchmal führt die Not sogar dazu, dass endlich längst überfällige Debatten geführt werden. "Berlin, Hamburg und Bremen diskutieren Ein-Fach-Lehrer", berichtete Spiegel Online am Freitag. Denkbar wäre dem Vorstoß der drei SPD-Schulsenatoren Sandra Scheeres (Berlin), Ties Rabe (Hamburg) und Claudia Bogedan (Bremen) zufolge, dass etwa Absolventen von Kunst- und Musikhochschulen kein zweites Studienfach mehr bräuchten, sondern nur die zusätzliche pädagogische Qualifikation erwerben müssten, um als Lehrer eingestellt zu werden. Zunächst müssten noch die Vor- und Nachteile abgewogen werden, betont Scheeres, doch könnten sich durch das Modell die Studienzeiten verkürzen, der Lehrerberuf auch für Universitätsabsolventen interessant werden, die bislang nicht auf Lehramt studiert hatten.  

 

Erwartungsgemäß ließ der reflexartige Widerspruch nicht lange auf sich warten. "Die Anforderungen zu senken, um den Lehrkräftebedarf zu decken, ist nicht der richtige Weg", zitiert die Berliner Morgenpost den Berliner Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann. Gerade erst seien die Anforderungen für die Grundschullehrer in Berlin erhöht worden, die Einführung von Ein-Fach-Lehrern hätte Auswirkungen auf die Ausbildungszeit und somit auf die Bezahlung.

 

Tatsächlich wäre es grob fahrlässig, die Idee der drei Senatoren unter der Überschrift "Sparpolitik" zu diskutieren. Richtig umgesetzt wäre sie vielmehr ein Weg, den Zugang zum Lehramtsstudium flexibler zu machen und das Studium insgesamt zu modernisieren. Wie das funktionieren könnte, hat im Mai hier im Blog bereits der Bildungsforscher und ehemalige Wissenschaftsratsvorsitzende Manfred Prenzel  umrissen. Das Lehramtsstudium brauche einen Masterplan, forderte Prenzel, dafür müsse sich die Politik, "und vielleicht auch die Profession vom liebgewordenen, aber nur mit enormen Streuverlusten zu realisierendem Ideal des Mehrfachstudiums verabschieden" – zumindest für das Lehramt auf der Sekundarstufe.

 

Ein zukunftsträchtiges Modell, so Prenzel, würde an dessen Stelle zwei Stufen setzen. Stufe eins: Die Studierenden könnten sich für ein beliebiges Bachelor-Fach entscheiden und es zu Ende studieren, noch ohne pädagogische Anteile. Über Praktika und universitäre Orientierungsangebote würden sie sich an den Lehrerberuf herantasten und sich bei Interesse nach dem Bachelor für ein zwei Jahre dauerndes Masterstudium (Stufen zwei) an einer School of Education bewerben. Dieser Master würde sie mit der fachdidaktischen, pädagogischen und organisatorischen Kompetenz versorgen.  

 

Der Vorschlag Prenzels klingt wie die durchdachte und fundierte Weiterführung des Vorstoßes der drei Schulpolitiker. Wer ernsthaft an einer Debatte über die Modernisierung des Lehramtsstudiums interessiert ist, sollte sich Prenzels Szenario erst einmal sehr genau durchlesen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0