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Es geht um Respekt

Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit jungen Wissenschaftlern an unseren Universitäten. Und dieser Wandel fängt bei der Vergabe der Promotionsstellen an. Ein Plädoyer von Ulrich Radtke.

Foto: Max Pixel, CCO.
Foto: Max Pixel, CCO.

AM ANFANG MÖCHTE ich Ihnen eine Frage stellen. Wie halten wir es eigentlich mit der Wertschätzung? Ist es ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft, wenn wir examinierte Akademiker/innen auf Teilzeitstellen promovieren lassen, nur weil das kostengünstiger ist und sich doch immer noch Interessierte gefunden haben?

 

Ich glaube: Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit den jungen Wissenschaftlern an unseren Universitäten. An meiner Universität möchte ich diesen gern anschieben. Wenn durch mein Plädoyer, und ein solches sollen diese Zeilen sein, eine über Duisburg-Essen hinausreichende Debatte über die Zukunft der Promotion in Gang käme, wäre das ein wunderbarer zusätzlicher Gewinn. 

 

Um es kurz zu machen: Nicht 50-, 66- oder 75-Prozent-Stellen für Doktorand/innen sollten die Regel sein, sondern 100 Prozent. Alles andere ist weder fair dem Nachwuchs gegenüber noch – im so gern bemühten Wettbewerb um die klügsten Köpfe – sinnvoll. 


Ulrich Radtke ist Geograph und seit 2008 Rektor der Universität Duisburg-Essen. Seit 2016 ist er Sprecher der Mitgliedergruppe der Universitäten in der HRK und Vizepräsident für Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft.


Mir ist bewusst, dass die 100 Prozent nicht für jede Promotionsstelle möglich sein werden, zumindest nicht von Anfang an. Darum lasse ich Stellen, die durch Forschungsförderorganisationen, Stiftungen oder durch die Wirtschaft bereitgestellt werden, in meiner Betrachtung erst einmal außen vor. Ich konzentriere mich mit meinem Plädoyer auf alle Promotionsstellen aus Haushaltsmitteln, die einer Fakultät, insbesondere aber den Professor/innen, zugeteilt sind oder die in Berufungsverhandlungen befristet zugesagt wurden. Und bei denen stehe ich ohne Ausnahme zu meiner 100-Prozent-Forderung.

 

Wenn man pauschale Verbesserungsvorschläge macht, ist klar, dass einem recht bald entgegengehalten wird, wie vielschichtig die gelebte Wirklichkeit ist. Tatsächlich ist die Ausgestaltung einer Promotionsstelle von den 


jeweiligen Rahmenbedingungen abhängig. Dazu zählen etwa Fachkultur oder die ökonomische Potenz der Einrichtung – insbesondere aber auch die Berufsaussichten außerhalb der Universität. Das Resultat sind sehr unterschiedliche Handhabungen: Während in der Informatik die Vollzeitstelle für den Nachwuchs zum Beispiel die Regel ist, stellt sie in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Ausnahme dar. Zwar gehört die Finanzierung über sogenannte Wissenschaftliche Hilfskraftstellen (WHK) oder aus Haushaltsmitteln gewährten Stipendien zunehmend der Vergangenheit an, vereinzelt soll sie aber noch praktiziert werden.

 

Unterschiedlich ist auch die Bezahlung: Eine WHK mit 19 Wochenstunden entspricht einem Bruttoverdienst von rund 20.000 Euro pro Jahr. Bei Stipendien liegt die Zahlung bei 15.000 bis 20.000 Euro, zumeist aber ohne Sozialabgaben. Mit einer halben TVL-13-Stelle für Doktorand/innen ist dagegen immerhin ein Bruttojahresgehalt von etwa 30.000 Euro verbunden. Zusätzlich zum Arbeitsumfang von 19 Stunden wird erwartet, dass die Promovierenden pro Semester im Umfang von zwei  Semesterwochenstunden lehren. Vielen werden weitere Aufgaben im Institut zugewiesen – etwa im Bereich Prüfung, Verwaltung oder im Labor.

 

Keine Logik von Angebot und Nachfrage

 

Nun könnte man darauf verweisen, dass sich die unterschiedlichen Vertragsgestaltungen aus Angebot und Nachfrage ergeben und es dabei bewenden lassen. Mein Ansatz ist aber ein anderer, und mit ihm bin ich in diesen Text eingestiegen. Es geht mir um die Wertschätzung der jungen Wissenschaftler/innen. Und überhaupt: Was ist mit denen, die man nicht "findet"? Diejenigen, die trotz Interesse an der Wissenschaft eine vollbezahlte Stelle außerhalb der Universität angenommen haben, etwa weil sie schon in jungen Jahren eine Familie gründen wollen und dafür einen auskömmlich ausgestatteten Arbeitsvertrag benötigen? Verliert Akademia nicht hier schon eine große Zahl unserer Besten einer Alterskohorte? 

 

Dass es immer extrem intrinsisch motivierte junge Leute geben wird, die allein für die Wissenschaft brennen und die ökonomische Zukunftssicherung oder die Familiengründung außen vor lassen – geschenkt. Aber reicht das? Ein Rückgang der Geburten von 1,3 Millionen pro Jahr in den 60ern auf unter 700.000 Geburten Anfang des neuen Jahrtausends bedeutet, dass in Kürze nur noch etwa halb so viele Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen werden wie vor 20 oder 30 Jahren. Es darf uns folglich nicht gleichgültig sein, welche Karrierewege die besten Absolvent/innen wählen. 

 

Akademia muss bereit sein zu kämpfen

 

Dass man "draußen" vielfach höhere Einstiegsgehälter hat, ist kein Geheimnis und kein Vorwurf. Und natürlich hat nicht jede/r Lust, sich dem anstrengenden Leben in der Wissenschaft zu widmen – einem Leben, in dem der Karriereerfolg nur sehr bedingt garantiert ist. Deshalb muss Akademia bereit und in der Lage sein dafür zu kämpfen, dass für diese begehrte Gruppe der weitere Berufsweg an der Universität attraktiv bleibt.

 

Und genau das ist auch der Grund, warum für jene, die diesen Weg wählen, die Vollzeitstelle die Regel sein sollte. Schließlich dienen die Promotionen nicht nur der Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Gegenteil: In den Promotionsvorhaben geschieht ein großer Teil der universitären Forschungsarbeit und -leistung. Und diese Arbeit gehört anständig entlohnt. Es wäre daher nur gerecht, dass die jungen Wissenschaftler/innen denselben Lohn erhalten wie ihre PostDoc-Kolleg/innen auch. 

 

Um aber an dieser Stelle keine Zweifel aufkommen zu lassen: Wenn Doktorand/innen eine 100-Prozent-Stelle erhalten, darf das nicht heißen, dass sie mehr als bislang schon für den Unibetrieb arbeiten müssen. Sie sollten mindestens dieselbe Zeit wie heute für ihr Promotionsprojekt haben – und diese Zeit bekommen sie gerechterweise bezahlt. Klar ist auch: Wer auf eigenen Wunsch eine Teilzeitstelle zum Promovieren möchte, sollte sie auch bekommen können. Nur sollte das Angebot zuerst die GANZE Stelle sein. 

 

Die häufigsten Einwände 

 

Die Einwände gegen meinen 100-Prozent-Vorschlag sind zahlreich, und ich kenne die meisten. Im Folgenden seien die am häufigsten genannten aufgeführt.

 

1. Die unzureichende Finanzsituation: Gerade die W2-Professuren der Geistes- und Sozialwissenschaften sind oft nicht mit einer ganzen Mitarbeiter/innen-Stelle ausgestattet. Mit zwei Doktorand/innen auf einer ganzen Stelle hat man zudem den fast doppelten "Output" – sei es bei den Publikationen oder auch bei der internen Mittelverteilung, die in manchen Bundesländern oder auch Universitäten an die Zahl der erfolgreichen Promotionen gekoppelt ist.

 

2. Drittmittelfinanzierte Stellen sind auch nicht zu 100 Prozent ausfinanziert: Selbst wenn die eingeworbene Stelle mit 75 Prozent finanziert ist, wird diese Stelle in Einzelfällen als halbe Stelle vergeben, um keine Besserstellung in der Arbeitsgruppe gegenüber den 50 Prozent-Haushaltsstellen zu erzielen. 

 

3. Je nach Fachkultur unterscheiden sich der zeitliche Aufwand für das Erarbeiten einer Doktorarbeit erheblich: Für den ingenieurwissenschaftlichen akademischen Nachwuchs muss es etwa eine ganze Stelle sein, bei den Geistes- und Sozialwissenschaften reicht auch weniger. Die Betriebswirtschaftslehre bevorzugt eine ganze Stelle, Doktoranden/innen der Volkswirtschaftslehre bekommt man für die Hälfte.

 

4. Sonderfall Chemie: In der Chemischen Industrie sei die Promotion quasi eine conditio sine qua non, weshalb deutlich mehr als 90 Prozent der Studierenden mit einer Promotion abschließen. Würde man die zugewiesenen Haushaltsmittel nicht auf 50 Prozent-Stellen aufteilen, gäbe es weniger Absolvent/innen.

 

5. Es handelt sich um "Lehrjahre" mit dem Charakter eines Initiationsritus: Nur die Motiviertesten schaffen es in dem gewollt kompetitiven Prozess.

 

6. Im Ausland gibt es auch keine ganzen Stellen. Zudem handelt es sich dort zumeist um den dritten Studienzyklus, der oft durch Stipendien finanziert wird.

 

Es gibt sicherlich zahlreiche weitere Argumente, die gegen 100-Prozent-Stellen sprechen. Doch: Wie zwingend sind sie wirklich? 

 

Viele Kolleg/innen befürworten,  je nach eigener Sozialisation mehr oder weniger, im Vieraugengespräch die Vergabe ganzer Stellen. Auch sind die meisten der Auffassung, dass alle Wissenschaften gleichwertig sind. Da sich die Grundgehälter für eine Professur über die Fachdisziplinen auch in der W-Besoldung nur wenig unterscheiden: Sollten Nachwuchswissenschaftler/innen in den verschiedenen Disziplinen nicht ebenfalls gleich vergütet werden?

 

Die Kritik derjenigen, die bei ihrer Berufung nicht mit einer vollen Stelle ausgestattet wurden, muss ernst genommen werden. Natürlich könnten sie ihre Doktorand/innen auf einer 75-Prozent-Stelle drei Jahre voll bezahlen und dann ein Jahr aussetzen. Die Reaktion darauf sind verhalten, da man dann ein Jahr Ausfall in der Lehre hätte – und überhaupt wäre dann niemand da, der im Lehrstuhl oder im Institut bei den anfallenden Aufgaben helfen könnte. 

 

Was wir Duisburg-Essen diskutieren

 

Bei allen realen oder gefühlten Problemen: Ich bin davon überzeugt, dass sich geeignete Lösungen finden lassen, um künftig 100-Prozent-Promotionsstellen flächendeckend zu etablieren. Den Diskussionsweg, den die Universität Duisburg-Essen gerade einschlägt, könnte ich mir generalisiert wie folgt vorstellen:

 

1. Sensibilisierung für das Thema innerhalb der Universitätsgremien: Es muss zunächst grundsätzlich geklärt werden, ob "die Universität" die ungleiche Bezahlung als ein gravierendes und gegebenenfalls zu lösendes Problem ansieht.

 

2. Situationsbeschreibung und –erhebung: Das Personaldezernat sollte untersuchen, wie viele haushaltsfinanzierte Promotionsstellen es an der Universität gibt und in welchem Umfang welche Formen von Teilzeitverträgen geschlossen wurden.

 

3. Fahrplan: Will man sich nach einer universitätsinternen Diskussion auf den Weg zur 100 Prozent-Promotionsstelle zu machen, gilt es eine "Road Map" festzulegen.

 

4. Ansatzpunkt Berufungsverhandlungen: Neuberufene müssten mit mindestens einer Vollzeitstelle ausgestattet werden. Selbstverständlich muss aber auch für die bereits Berufenen, die keine ganze Mitarbeiter/innen-Stelle zur Verfügung haben, eine Lösung gefunden werden.

 

5. Stellenumwandlung: Können Fakultäten oder Universitätsleitung keine ganzen Haushaltsstellen zuweisen, müsste man über die Umwandlung von Professuren in Mitarbeiter/innen-Stellen nachdenken. Das bringt jedoch nicht nur einen Verlust von Lehrdeputat mit sich, sondern reduziert Professor/innenstellen für den Nachwuchs. Es handelt sich also um eine in mehrfacher Hinsicht kontraproduktive Lösung. Eventuell könnte man wegfallende Lehrdeputate mit Lehrkräften für besondere Aufgaben (Dauerstellen) ausgleichen oder, sollte man dem Departmentgedanken der Jungen Akademie etwas Positives abgewinnen können, mehr Professuren schaffen. Diese wären dann aber ohne Mitarbeiter/innen und könnten ihre Nachwuchsausbildung nur über die Einwerbung von Drittmitteln finanzieren.

 

6. Mit den zuständigen Dezernaten der Verwaltung sind die Implikationen der verschiedenen Lösungsoptionen zu diskutieren. So wäre die Einrichtung von Pools in den Fakultäten und/oder in der Zentrale hilfreich, um stellenfreie Zwischenzeiten oder andere Eventualitäten im Verlauf einer Promotion (Krankheit, Familiengründung etc.) aufzufangen.

 

7. Die Dauer der Verträge spielt eine wichtige Rolle. Solange Projektstellen nur drei Jahre ausfinanziert sind, muss ein "Back-up" installiert werden, falls Promotionen länger dauern sollten. Hierzu muss die Diskussion über die angestrebte Regel-Promotionsdauer in den jeweiligen Disziplinen geführt werden.

 

8. Staffelung: Da eine sofortige flächenhafte Umsetzung ein zu großer Kraftakt wäre, muss über einen Stufenplan nachgedacht werden. In den Fächern ohne 100-Prozent-Stellen gälte es nachzudenken, ob und wie etwa im ersten Jahr 66 Prozent, im zweiten Jahr 75 Prozent und im dritten oder auch erst im vierten Jahr 100 Prozent zu realisieren wären. Viele drittmittelerfahrene Kolleg/innen stocken halbe Haushaltsstellen schon jetzt auf. Mit einem Mix aus unterschiedlichen Fördertöpfen und Haushaltsmitteln versuchen sie, in der eigenen Arbeitsgruppe eine gleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten zu erreichen. Vielleicht wäre dies eine gangbare Lösung?

 

Eine Bemerkung am Schluss


Es könnte der Einwand kommen, dass das Jammern über Teilzeitstellen für Promovierende auf hohem Niveau stattfinde, dass die alltägliche Arbeitswelt in der Republik an vielen Stellen noch viel schlimmer aussehe. Darauf würde ich antworten: Stimmt. Aber: Wollen wir, dass die Option Wissenschaft für die besten jungen Leute nach ihrem Studium auch als finanziell erstrebenswerte Perspektive erachtet wird? Oder vertrauen wir weiter auf ein euphemistisch durch "intrinsische Motivation" erklärtes Verhalten? Dann lassen Sie es uns auch ehrlich benennen: Selbstausbeutung. 

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Kommentare: 9
  • #1

    HansOhr (Mittwoch, 07 November 2018 12:39)

    Kleine Korrektur, TVL E13 50% entspricht eher 23.000 brutto als 30.000.

  • #2

    McFischer (Mittwoch, 07 November 2018 13:59)

    Herrvorragender Beitrag eines innovativen Rektors.
    Besonders bedenkenswert sind die genannten 'Einwände' sowie das positive Argument, dass die bisherige Sichtweise "50% finanzierte Arbeit für die Uni, 50% nicht finanziert für die Promotion" darüber hinwegtäuscht, dass auch die 50% Promotion einen (erheblichen) Mehrwehrt für die Hochschule darstellen. Schließlich bekommen Professoren/-innen in ihrem Gehalt ja auch nicht nur die Lehre bezahlt, sondern auch die Forschung.

  • #3

    J. Klein (Mittwoch, 07 November 2018)

    Als jemand, die sich erfolgreich selbst ausbeutet (50% Promotionsstelle in der Sozialwissenschaft), kann ich diesen Beitrag nur begrüßen.
    Vielen Dank dafür!

  • #4

    Mannheimer Studi (Mittwoch, 07 November 2018 17:55)

    Ein Punkt der mir im Artikel zu kurz kommt: Wenn die Erhöhung auf 100% Stellen zu weniger Doktoranden führt, dann heißt dass nicht nur weniger "Output" für die Professoren (warum auch immer die "ausgestattet" sein müssen mit Mitarbeitern - siehe Departmentstruktur). Es führt vor allem auch dazu, dass es weniger Kollegen gibt mit denen besagter Doktorand sich austauschen kann. Und das kann ein echter Nachteil sein, gerade in kleinen Fakultäten, wo die Kohortengröße deutlich kleiner ist als in den Graduate Schools (15-20 m.E.).

  • #5

    CMeyer (Donnerstag, 08 November 2018 09:52)

    Zahlt man dann den Menschen, die bereits promoviert haben, E14? Postdocs bekommen i.d.R. 100% E13. Und woher kommt das Geld dafür?

  • #6

    Klaus Diepold (Donnerstag, 08 November 2018 19:32)

    Ich möchte zu diesem Thema anmerken, dass die 100%-Stelle für eine Doktorandin/einen Doktoranden in den Ingenieurwissenschaften seit je her üblich ist. Auch die Drittmittelfinanzierung z.B. durch DFG, sieht hier für Doktorandinnen 100% E13 stellen vor. Weniger ale eine volle Stelle ist hier nicht vorstellbar.

    Viele der formulierten Forderungen sind also in einigen Fachbereichen bereits seit jeher Fakt. Hier gibt es eher die Tendenz, diese Situation durch Graduiertenkollegs aufzuweichen, in denen häufig weniger als 100% zu bezahlen.

    Ausbeuterische Tendenzen bei der Bezahlung von Doktorandinnen in den Ingenieurwissenschaften sind an vielen Stellen in der Industrie zu erkennen, die für diese Stellen oft besondere "Stipendienformate" anwenden, die dann nicht einmal Sozialversicherung beeinhalten. Zudem sind diese Stellen dann noch hart auf 3 Jahre befristet. Es ist schwierig in drei Jahren in den Ingenieurwissenschaften zu promovieren.

    Die Tätigkeiten im Rahmen einer "Assistenzpromotion" bei Ingenieuren wird auch von der Industrie meist als Berufserfahrung gewertet und bei der Bezahlung nach der Promotion und dem Übertritt in die Industrie entsprechend gewürdigt.

    Eine Bezahlung mit E14 direkt nach der Promotion ist eher selten der Fall.

  • #7

    Dr. A. Duvenbeck (Freitag, 09 November 2018 13:11)

    Großes Lob für diesen Artikel!

  • #8

    Christian Schloegl (Montag, 12 November 2018 08:46)

    Da ein/e promovierte/r Postdoc allerdings auch Aufgaben übernimmt, die über die Aufgaben einer/s Dissertant/in hinausgehen, wäre es nur angebracht, dann Postdocs E14 zu gewähren, was aber flächendeckend nach den Regeln des TV-L nur sehr schwer bis gar nicht umsetzbar wäre und vermutlich auch nicht finanzierbar wäre.
    Ich sehe hier eine Problematik des TV-L, da dieser nicht zwischen den Stellen differenziert, für die ein Masterabschluss erforderlich ist, und denen, für die eine Promotion erforderlich ist.

  • #9

    Sabine (Montag, 12 November 2018 15:20)

    Eine E14 nach der Promotion ist sehr wohl möglich. Im TV-L bzw. TVöD heißt es da: "schwierige Forschungsaufgaben zur selbstständigen und verantwortungsvollen Bearbeitung". Die selbstständigen und verantwortungsvollen Bearbeitung hat man durch die Doktorarbeit nachgewiesen. Genaugenommen müsste es schon BEI der Erstellung der Doktorarbeit eine E14 geben, weil nach den "auszuübenen" Tätigkeiten vergütet wird und die Doktorarbeit ist ja per Definition selbstständig (ohne engere Kontrolle) und verantwortungsvoll (Ergebnisse selbst vertreten) zu erstellen. Angestellte schulden keinen Erfolg für eine bestimmte Eingruppierung, nur ernsthaftes Bemühen. Der Maßstab "schwierigen Forschungsaufgaben" bezieht sich auf den Aufwand an gedanklicher Arbeit, an fachlichem Wissen und Können, der notwendig ist, um die Forschungsaufgaben auszuführen.