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30 Millionen Euro mehr für die Europäischen Universitäten

Die EU verdoppelt überraschend das Budget für die Pilotphase der Netzwerk-Initiative. Sie reagiert damit auf die hohe Zahl potentieller Bewerber.

DIE EUROPÄISCHE UNION will die Fördersumme für die geplanten Europäischen Universitäten verdoppeln. Wie ich informell vorab erfuhr, soll die Finanzierung der Pilotphase aus dem Eramus-Budget auf 60 Millionen Euro aufgestockt werden. Offiziell muss die Kommission die Entscheidung noch durchwinken, doch gilt dieser Schritt als reine Formalie, nachdem die Mitgliedstaaten der Erhöhung im Erasmus+-Programmkomitee bereits zugestimmt haben. 

 

Bis Ende Februar können sich Hochschulnetzwerke noch um den Titel und die Förderung als Europäische Universität bewerben. Maximal fünf Millionen Euro verteilt auf drei Jahre sind pro Netzwerk vorgesehen, das – so die Ausschreibung – aus mindestens drei Hochschulen aus mindestens drei Erasmus-Mitgliedstaaten bestehen muss. Hinzu kommen können weitere private und öffentliche Organisationen, die sie sich im Bereich Bildung, Forschung oder Innovation engagieren. 

 

Die Idee zu den Europäischen Hochschulnetzwerken stammt von Frankreichs President Emmanuel Macron, der sie erstmals im September 2017 als Teil einer umfassenden Europa-Initiative formuliert hatte. Im Erasmus+-Nachfolgeprogramm, das 2021 startet, sollen die Europäischen Universitäten als fester Bestandteil enthalten sein. Für die laufende Programmperiode reichte das Geld jedoch nur für einen Piloten. Dessen Finanzierung war angesichts der symbolischen Bedeutung dann auch als ausgesprochen niedrig kritisiert worden, mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich und Deutschland, hatten sich bereit erklärt, eigene Millionen beizusteuern. 

 

Dass die EU jetzt nachbessert, ist in zweifacher Hinsicht ein bedeutsames Signal. Erstens weil die Kommission damit indirekt bestätigt, dass die Bewerberlage extrem gut ist. Die offizielle EU-Informationsveranstaltung vor Weihnachten wurde von über 1000 Teilnehmern besucht, ein gutes Dutzend Netzwerke hat bereits jetzt informell seine Bewerbung angekündigt, meist auch über die Presse. Das große Interesse bedeutet aber eben auch, dass die Initiative Insidern zufolge längst deutlich überzeichnet ist, und das obwohl die Ausschreibung noch drei Wochen läuft.

 

Auch unter deutscher Beteiligung hatte sich in den vergangenen Monaten eine Reihe von Kandidaten-Netzwerken in Position geschoben, darunter die "Universität der Großregionen" (mit dabei: die Universitäten Trier, Kaiserslautern und des Saarlandes), der European Campus "Eucor" (mit der Universität Freiburg und dem KIT) oder auch, ganz frisch, eine Allianz namens "4EU" der Universität Heidelberg mit Universitäten in Paris, Prag und Warschau. 

 

Das zweite Signal, das die EU mit der Aufstockung aussenden will: dass sie in der Lage ist, in krisenhaften Zeiten auch hochschulpolitisch flexibel zu reagieren. Erst vor wenigen Tagen hatte die Kommission als Teil eines Notfallpakets angekündigt, dass junge Menschen im Falle eines ungeregelten Brexit ihren Erasmus-Aufenthalt in Großbritannien über den 30. März fortsetzen und wie geplant abschließen können. Umgekehrt soll das auch für britische Erasmus-Teilnehmer im EU-Ausland gelten. 

 

30 Millionen Euro mehr für die Europäischen Universitäten bedeutet, dass nun rechnerisch 12 statt sechs Netzwerke in der Pilotphase zum Zug kommen können, es soll im Herbst eine zweite Ausschreibung geben. Das könnte sogar für das Ziel reichen, aus jedem Mitgliedstaat mindestens eine Teilnehmer-Hochschule zu haben. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Edith Riedel (Montag, 11 Februar 2019 10:26)

    Wäre es denn so sinnvoll, 12 statt 6 Netzwerke zum Zuge kommen zu lassen? Damit hätten wir ja keinen Wettbewerb mehr sondern nur (einmal mehr, siehe Exzellenzcluster) eine Verteilung von Fördergeldern nach politischem Proporz. Das tut der Qualität der Vorhaben nicht gut.