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Harte Zahlen

Forscher haben berechnet, wie stark Ostdeutschlands Hochschulen tatsächlich hinterherhinken – und woran das liegen könnte.

DASS OSTDEUTSCHLAND bei der Exzellenzstrategie stark unterdurchschnittlich abgeschnitten hat und die dortigen Universitäten auch sonst denen im Westen vielfach hinterherlaufen, haben Hochschulforscher nun auch mithilfe einer statistischen Auswertung belegt. Auf Initiative der Hochschulratsvorsitzenden und finanziert vom Stifterverband hat das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF) vorhandene Daten analysiert zum "Input“ und "Output" der ostdeutschen Hochschulen "unter besonderer Berücksichtigung der Universitäten". 

 

So stellen die ostdeutschen Flächenländer zwar 17 Prozent der Bevölkerung, doch ihre Universitäten kommen nur auf 14 Prozent der bundesweit vorhandenen Grundfinanzierung. Allerdings ist das Bild nicht einheitlich: Während Mecklenburg-Vorpommern 109 Euro je Einwohner ausgibt, kommt Sachsen auf 142 Euro. Die westdeutschen Flächenländer spendieren im Schnitt 160 Euro pro Einwohner. Entsprechend der geringeren Finanzierung arbeiten auch nur knapp 14 Prozent der deutschen Uniprofessoren in den ostdeutschen Flächenländern. 

 

Setzt man die Hochschulbudgets dagegen in Beziehung zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sieht das Bild plötzlich anders aus: Die Ost-Länder investieren 0,44 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung, der Westen nur 0,37 Prozent. Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum die Hochschulratsvorsitzenden die ostdeutschen Landesregierungen trotz der absolut gesehen mauen Zahlen durchaus für den erreichten Grad der Hochschulfinanzierung loben.

 

Pro Studierendem sind die ostdeutschen Hochschulen
sogar besser finanziert als die im Westen

 

Hinzu kommt: Vergleicht man die Grundfinanzierung aller Hochschultypen und pro Studierendem, sieht der Osten ebenfalls nicht schlecht aus. Nur 12 Prozent der Studierenden aller Flächenländer (also ohne die Stadtstaaten) studieren im Osten, doch ihre Hochschulen erhalten 13,5 Prozent der Grundhaushalte. Die Forscher um HoF-Direktor Peer Pasternack folgern: Pro Studierenden-Kopf haben die Ost-Hochschulen mehr. Damit sei zwar verbunden, dass die ostdeutschen Hochschulen deutlich kleiner seien als die westdeutschen Hochschulen. Doch die Betreuungsschlüssel an den Unis in den ostdeutschen Flächenländern seien "durchgehend besser als im Mittel der westdeutschen Länder", betonen die Forscher. "Damit stehen den Lehrenden an den ostdeutschen Universitäten mehr Zeitressourcen für Tätigkeiten jenseits der Lehre zur Verfügung."

 

Darüber hinaus haben die ostdeutschen Professoren laut HoF etwas weniger wissenschaftliches Personal zur Verfügung als ihre westdeutschen Kollegen – so dass ihre Aufgaben etwas mehr seien und ihre Arbeitsdichte etwas höher liege. Allerdings gebe es im Osten dafür anteilig mehr gut dotierte W3-Professuren als im Westen.

 

Und wie sieht es nun mit der Performance in der Forschung aus? Das HoF schreibt: "Trotz der günstigeren Verteilung von W2‐ zu W3‐Professuren und der geringeren Betreuungsquote an den Universitäten werben die ostdeutschen Professor.innen im Schnitt etwa 4.200 Euro Drittmittel pro Kopf und Jahr weniger ein als ihre westdeutschen Kolleg.innen." Klingt nach einer großen Kluft, allerdings relativiert sich dieser Eindruck beim Blick auf die absoluten Drittmittelzahlen. Im Westen: 255.379 Euro pro Kopf, im Osten 251.194 Euro. 

 

Die Wissenschaftler im Osten publizierten im Vergleich etwas interdisziplinärer als im Westen, an DFG-Mitteln würben die ostdeutschen Universitäten allerdings überdurchschnittlich viele Einzelförderungen ein. "Hieran könnte die Frage anknüpfen, ob es eine generelle Schwäche in der kooperativen Einwerbung von Fördermitteln gibt", schreibt das HoF.  Bei den Sonderforschungsbereichen kommt der Osten dagegen nur auf einen Anteil von 9,6 Prozent, was angesichts des Professorenanteils von knapp 14 Prozent wenig scheint. Bei DFG‐Graduiertenkollegs erreichen die Hochschulen der ostdeutschen Flächenländer denn auch die 14 Prozent. Das HoF folgert: "Die Streichung der Graduiertenschulen als Förderformat in der Exzellenzstrategie kann damit aus Sicht der ostdeutschen Universitäten als Verlust markiert werden." 

 

Sechs bis acht Cluster hätten es statistisch sein 
müssen – tatsächlich kam der Osten auf 3,5

 

Und wie ist die Situation bei den Exzellenzclustern? Proportional zu ihrem Bevölkerungsanteil hätten die Universitäten in den ostdeutschen Flächenländern knapp acht Exzellenz-Cluster erreichen müssen – tatsächlich kamen sie auf 3,5. Und selbst, wenn man die aufgrund der schwächeren Wirtschaftsleistung geringere Finanzierung in Rechnung stellt, hätten es laut HoF statistisch gesehen immer noch 5,5 Cluster sein müssen.

 

Die Hochschulratsvorsitzenden ziehen in ihrem Memorandum daraus den Schluss, dass Geld nicht der alleinige Grund des schwächeren Abschneidens sein könne. Das HoF bestätigt, dies sei eine mögliche Deutung, verweist aber darauf, dass die ostdeutschen Universitäten im Schnitt kleiner und ihre Kostenstruktur insofern "ungünstiger" sein könne.




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Kommentare: 1
  • #1

    Marco Winzker (Montag, 13 Januar 2020 09:54)

    Ich finde die Unterscheidung nach Ost und West zu vereinfachend. Im Westen könnte man zumindest auch nach Süden und Norden unterscheiden.

    Exzellenzuniversitäten sind ja nur ein Kriterium, aber die Landkarte auf dieser Seite ist ein schönes Beispiel:
    https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/exzellenzstrategie-1650004