· 

Lasst die Klausuren endlich sterben

Es ist zynisch, aber wahr: Die Corona-Krise wurde von den
Hochschulen für überfällige Reformen in Studium und Lehre genutzt.
Zeit, endlich auch an die Prüfungsformate zu gehen. Ein Gastbeitrag
von Franziska Chuleck.

EINIGE HOCHSCHULEN haben kurzfristige Lösungen entwickelt. Doch die Lösung der TU Darmstadt kam so kurzfristig, dass sie nicht mehr viel nützen wird. So kritisierte es zumindest der Darmstädter AStA per Pressemitteilung: Anstatt dass die Universität grundsätzlich auf alternative Prüfungsformen und Online-Klausuren umgestellt habe, müssten viele Studierende demnächst doch in Präsenz antreten. Weil das Präsidium zu spät gehandelt habe.  

Franziska Chuleck studiert Informatik im Bachelor an der TU Darmstadt und ist Mitglied im Studentischen Akkreditierungspool.

Foto: privat.


Dass viele deutsche Hochschulen ihre Studierenden dadurch einem Risiko aussetzen und noch dazu all jene wissenschaftlich Mitarbeitende, die die Präsenz-Prüfungen beaufsichtigen müssen, dass sie kaum Rücksicht nehmen auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Hochschulangehörigen, ist ein Missstand, der schon vor vielen Jahren hätte verhindert werden können. Denn die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Klausuren als Prüfungsformat stellt sich nicht erst seit der Corona-Krise.

 

Klausuren sind tief im Selbstver-ständnis der Academia verankert. Dabei legen die Landesstudien-

akkreditierungsverordnungen
lediglich fest, dass die Module mit höchstens einer, das Modul 


umfassenden und vor allem kompetenzorientierten Prüfung abgeschlossen werden. Das Format der Prüfung wird dabei offen gelassen.

 

Als studentische Gutachterin kenne ich die Diskussionen, die in Akkreditierungsverfahren regelmäßig zu dieser Vorschrift entstehen. Gerade in den MINT-Fächern wird häufig argumentiert, Grundlagenveranstaltungen ließen sich nur mit einer schriftlichen Klausur abschließen. Mündliche Prüfungen (die auch nicht immer kompetenzorientiert sind!) seien nicht gut geeignet, die Leistungen der Studierenden differenziert abzubilden. Bei Gruppenarbeiten wiederum bleibe der Anteil der einzelnen Beteiligten unklar, und außerdem könnten Studierende nur in schriftlichen Präsenzklausuren nicht schummeln.

 

Mit anderen Worten: Weil Studierende schummeln könnten, wird weiter an einer veralteten Prüfungsform festgehalten, welche in der Regel nicht kompetenzorientiert ist.



Besonders schön lässt sich die Absurdität dieser Situation in den Informatik-Studiengängen beobachten. Auch im Jahre 2021 müssen hier die Studierenden Programmieraufgaben in schriftlichen Präsenz-Klausuren per Hand auf dem Papier lösen. Dass diese Situation zumindest bei mir Tobsuchtsanfälle auslöst, ist sicher nachvollziehbar.

 

Die deutschen Hochschulen haben über Jahre versagt, einen wichtigen Teil der Bologna-Reform umzusetzen: die Kompetenzorientierung in Lehren, Lernen und Prüfen. Auch die Akkreditierung als Kontroll- und Regelungsinstrument hat versagt, wenn in Akkreditierungsberichten zu MINT-Studiengängen immer noch solche Sätze zu lesen sind: "Naturgemäß überwiegt in den beiden Bachelorstudiengängen die Prüfungsform der Klausur (...)."

 

Vielen fehlen das Wissen, die Kreativität oder der Wille,
um die Prüfungsformen zu ändern

 

Dass sich Gutachter:innen mit solchen Aussagen zufrieden stellen, ist bedauerlich. Dass der Akkreditierungsrat dies nicht skandalisiert, ist ein Problem. Es entsteht der Eindruck, als würden Studiengänge an Bäumen oder Büschen wachsen, was eine Änderung der Prüfungsform zu einem widernatürlichen Eingriff in die Natur der Sache machen würde.

Dabei sind es die Hochschulen, die die Studiengänge gestalten. Es sind die Professor:innen, die mit ihrer Stimmenmehrheit in den Gremien die Weiterentwicklung von Studiengängen maßgeblich beeinflussen. Doch vielen von ihnen fehlen offenbar das Wissen, die Kreativität und in manchen Fällen vermutlich auch der Wille, um die Prüfungsformen zu ändern.

 

Die Professor:innen, aber auch die wissenschaftlich Mitarbeitenden müssen endlich im Bereich der Kompetenzorientierung geschult werden – und zwar verpflichtend. Die Entwicklungen im Bereich der Didaktikforschung müssen auch im Alltag der Hochschulen ankommen. Nur so ist eine wissenschaftsbasierte Lehre möglich, wie es das Bundesverfassungsgericht im Urteil zur Akkreditierung formulierte.

 

Jede Entscheidung für eine schriftliche Klausur, ob online oder in Präsenz, sollte verpflichtend begründet werden müssen. Warum ist sie ohne Alternative? Inwiefern ist sie als Prüfungsform kompetenzorientiert? Wurden andere Prüfungsformen in Betracht gezogen? Warum wurden diese nicht genutzt? Diese Art der Bürokratie scheint notwendig zu sein, um die Klausuren als Prüfungsform endlich in die Minderheit zu drängen.

 

Einer der großen Unterschiede zwischen den alten Studiengängen und den Studiengängen des Bachelor-Master-Systems ist die Kompetenzorientierung. Oder sollte es zumindest sein. Wenn die Professor:innen und auch die Studierenden trotzdem weiter an den Klausuren festhalten, wird dieser Teil der Studienreform ad absurdum geführt. Wie soll eine kompetenzorientierte Anerkennung von Leistungen möglich sein, wenn keine kompetenzorientierte Prüfung stattfindet?

 

Doch statt daher zu fordern, dass die Bologna-Reform wieder verschwinden müsse, sollten sich Kritiker:innen vor Augen führen, dass sie nicht mehr aufzuhalten ist. Wenn an deutschen Hochschulen weiter nicht kompetenzorientiert geprüft wird, werden die deutschen Hochschulen den Anschluss an die anderen Hochschulen des europäischen Hochschulraumes verlieren. Das wird sich auch auf die Attraktivität des Forschungsstandortes Deutschland auswirken.

 

Darum: Lasst die Klausuren sterben. Endlich.




Kommentar schreiben

Kommentare: 19
  • #1

    Sara Köser (Donnerstag, 11 Februar 2021 13:36)

    Der Kompetenzorientierung als Ziel stimme ich absolut zu. Den Weg dorthin sehe ich allerdings vielfältiger. Realitätsnahe, kompetenzorientierte Aufgaben sind auch im Multiple-Choice-Format gut möglich. Der Charme der mündlichen Prüfungen wird durch Biases und Ermüdung getrübt.

    Das Kernproblem ist aus meiner Sicht: Viele Lehrende haben nicht genug Wissen, Zeit oder Muße, Prüfungen gut zu gestalten. Wenn man das kann und will, ist es in jeder Prüfungsform möglich.

    Die Debatte um gute Prüfungen müssen wir genauso führen wie die um gute Veranstaltungen - absolut! Jedoch vernachlässigen die meisten aktuellen Beiträge, was mich als Prüferin aktuell am meisten belastet: Onlineprüfungen erschweren das Abprüfen der Einzelleistung! Ohne umfangreiche technische Überwachung prüfe ich nicht, was die einzelne Person weiß, sondern wie ehrlich sie tatsächlich alleine arbeitet bzw. wie gut ihr Netzwerk die Kursinhalte und Internetrecherche beherrscht. Und das war nicht das Lernziel.

  • #2

    Philipp Geweg (Donnerstag, 11 Februar 2021 15:00)

    Dem vorhergehenden Beitrag kann man zustimmen. Prüfungen müssen auch machbar sein, gerade in großen Veranstaltungen. Da geht nach meiner fast 50-jährigen
    Erfahrung als Lehrperson kein Weg dran vorbei. Man kann doch auch mit einer guten Klausur Kompetenz abfragen. Das "Narrativ" einer "kompetenz-orientierten Prüfung" ist doch einfach nur eine Chimäre. Gerade bei
    StudentInnen der Informatik kenne ich mich ziemlich gut aus.

  • #3

    Lorenz (Donnerstag, 11 Februar 2021 17:13)

    Ich denke ja, dass wir das besser gleich ganz lassen sollten mit den Prüfungen. In einer Sitzung hat ein Professor da letztens zu mir gesagt "Jedes mal, wenn ich eine Note gebe, fühle ich mich falsch dabei" - da Sprach er mir aus der Seele. Der Sinn eines Studium ist zu lernen, nicht Lernfortschritt nachzuweisen. Sehr oft verlieren wir aber aktuell das Lernen aus den Augen. Und ich denke, dass das daran liegt, dass dieses System dazu so belohnt und so motiviert. Studierende, die einfach nur lernen wollen, passen nicht ins System und bekommen das auch immer wieder zu spüren.
    Kompetenzorientiere Prüfungen machen vieles besser und solange wir Prüfungen haben, werde ich dafür kämpfen. Aber im Hinterkopf weiß ich immer, dass mein eigentliches Ziel "Lasst die Prüfungen endlich sterben" heißt.

    - https://wiki.kif.rocks/wiki/Der_Wind_hat_gedreht

  • #4

    Matthias Willems (Donnerstag, 11 Februar 2021 21:34)

    In dem Artikel sind durchaus gute Gedanken zum Thema Kompetenzorientierung in Klausuren.
    Allerdings halte ich es gerade in Informatik-Klausuren für sehr gut möglich, Klausuren kompetenzorientiert zu konzipieren und zu bewerten.
    In diesem Punkt ist es mir trotz meiner ernsthaften Auseinandersetzung mit der Thematik nicht gelungen zu verstehen, warum es unzumutbar oder zu schwierig ist, einen Algorithmus auf Papier zu bringen.

  • #5

    Lea (Donnerstag, 11 Februar 2021 22:34)

    Teamarbeit und Internetrecherche, die schnell zu qualitativ hochwertigen Antworten führt, sind wichtige Kompetenzen, also dürfen die auch gerne Bestandteil einer Prüfung sein. Gerade Informatik verstehe ich weder als Forschungsfeld noch als Arbeitsfeld, in dem einmal auswendig gelerntes Wissen viel nützt. Man arbeitet in Teams. Das nötige Wissen erweitert und ändert sich ständig, also muss ich lernen mir selbstständig Neues anzueignen und das geht am besten über Internetrecherche. Das ist zumindest mein Eindruck nach einem halben Bachelorstudium Informatik.

    Welche Fähigkeiten sollen wir lernen? Ist diese Frage überhaupt geklärt?
    Ich will lernen, mich auch kritisch mit Theorien und Forschung auseinanderzusetzen. Dafür wäre auch in der Informatik eine kurze schriftliche Hausarbeit sinnvoll. Spätestens für die Abschlussarbeiten muss ich prägnante Texte formulieren können.

    Einheitliche Klausuren sind sicher bequem für die Prüfer*innen. Das darf allerdings nicht das Hauptkriterium für die Festlegung der Prüfungsform sein. Wahrscheinlich ist mehr machbar als es auf den ersten Blick scheint. Natürlich muss man klären, wie die Umstellung dann praktisch funktionieren kann.

  • #6

    Kajed (Freitag, 12 Februar 2021 08:14)

    Mir fehlen in dem Beitrag, in dem das Wort "kompetenzorientiert" 12 Mal auftaucht, Vorschläge, wie denn diese andere "kompetenzorientierte" Prüfungsform aussehen sollte.

  • #7

    snaums (Freitag, 12 Februar 2021 09:14)

    Im Grunde stimme ich dem Text voll zu. Klausuren sind antiquiert, auf Papier zu programmieren ist abwegig und dass ich nicht im Internet nachkucken darf ist völlig realitätsfern. Es müsste darum gehen, dass die Studis Aufgaben lösen, die der Realität entsprechen - Definitionen hinschreiben ist nicht mehr realistisch - die steht auf der Wikipedia.

    Leider geht der Text da nicht drauf ein, was denn alternativen sein könnten. Hausarbeiten wurden in den Kommentaren genannt, das ist eine Möglichkeit Sachverhalte in Perspektive zu setzen, in der Informatik aber durchaus schwierig (kommt aber definitiv zu selten vor!) Programmierprojekte abzugeben und vorzustellen halte ich ebenfalls für wahnsinnig sinnvoll. Praktika sind auch um Meilen näher als Klausuren am echten Leben dran.

    Im Grunde sind aber all die Formate nur mit wenigen Teilnehmern machbar und sind höchst spezifisch auf das Fach. Eine Klausur löst wahnsinnig viele Probleme: die Studis "können nicht" schummeln oder sich austauschen, sie passt auf quasi jede Veranstaltung, sie ist mit vielen hundert Teilnehmern problemlos skalierbar.

    Vielleicht sollte man da mal auch mit den Studierenden eines Studiengangs brainstormen, welche Veranstaltung am besten mit welcher Prüfung abschließen sollte, und zwar auch so, dass die Mitarbeiter das umsetzen können und nicht mehr nur das machen. Und im Grunde muss das von den Studierenden eingebracht werden. Solange die keine Probleme mit den Klausuren sehen, werden auch die Profs nichts ändern.

    Eine Anmerkung am Schluss: Das leidige Thema Online-Klausuren. Bevor bei uns der Präsident ein Machtwort gesprochen hat, ging da gar nichts ran. Erst danach war bei vielen Prüfern eine Online-Klausur überhaupt auf dem Tisch. Als ob die alle nichts davon wüssten, dass es eine Pandemie gibt.

  • #8

    Lukas (Freitag, 12 Februar 2021 11:22)

    Danke für den Artikel. Der enthält alle meine Kritikpunkte und ist dabei wesentlich besser recherchiert als meine regelmäßigen Rants. Über das Klausurformat und den Klausurenfetisch einiger Institute rege ich mich schon seit Jahren auf.

    In der Informatik an der TU fand ich's ganz besonders schlimm. Habe deshalb letztes Semester meinen MSc dort abgebrochen.

    Zumal ich erst kürzlich rausgefunden habe, dass ich ADHS habe. Im Bachelor bin ich deshalb durch ca 50 % der Klausuren gefallen, während ich in Projekten und mündlichen Prüfungen immer 1,x habe.

  • #9

    Franziska (Freitag, 12 Februar 2021 14:51)

    Der Artikel schlägt bewusst keine Alternativen vor, damit diese nicht als Die Eine Lösung gelten. Es gibt nicht Die Eine Lösung. Die Prüfungsform hängt immer von den Kompetenzen des Moduls ab.

  • #10

    Johannes (Freitag, 12 Februar 2021 18:43)

    Meine Erfahrung aus 2 Universitäten(1x privat, 1x staatlich) hat mir gezeigt, daß Klausuren oft nur als notwendiges übel von einigen Dozenten gesehen werden. Besser so bewerten, als 35 Hausarbeiten durchzuackern. Irgendwo verständlich. Und oft kommt man sich vor als hätten sie die Themen einfach aus allen möglichen Fachbüchern zusammen gesucht und überschütten die Studenten damit, ob es fachlich sinnvoll ist oder oft eben nicht. Der Realitatsbezug fehlt gerade in Grundlagenfächern bis zum 3. Semester ganz. Gerade praxisbezogene Fächer wie Informatik oder Maschinenbauwerden so mit unnützem Wissen zugemüllt. Deshalb bin ich nach dem 2. Bachelor lieber in eine Ausbildung gewechselt. Da gibt es zwar mehr Klausuren. Aber jede Informatik Klausur hatte am Ende einen praktischen Bezug zum Arbeitsalltag. Mag es für manche Geisteswissensschaftliche Fächer noch verständlich sein, das unnützes Wissen mit dem Nürnberger Trichter in die Studenten get richtert wird, ist das in Praxisorientierten Studiengängen doch meist recht überflüssig. Und dieses überflüssige Wissen dann auch noch per Klausur abzufragen ist manchmal doch gelegentlich zumindest fragwürdig.

  • #11

    Georg (Freitag, 12 Februar 2021 19:22)

    Das erste "Corona" Argument ist nur in Pandemiezeiten valide. Äquivalent könnte man fordern, dass man Öffentlichen Nahverkehr "sterben" lassen soll, weil man sich dort viel leichter anstecken kann als im Auto. Generell scheint sich jeder durch die Pandemie in seinem Weltbild bestätigt zu fühlen, hier ist ein schöner Artikel dazu:
    https://www.zeit.de/2021/07/ideologie-corona-krise-kapitalismus-oekologie-digitalisierung

    Das zweite Argument liegt in der mangelnden Kompetenzorientierung, auf der die zweite Hälfte des Artikel aufbaut. Einzig die Begründung weshalb eine klassische Klausur nicht kompetenzorientiert sein kann fehlt. Auch eine gute Alternative zu klassichen Klausuren fehlt im Text. Wenn man eine solche Institution abschaffen will, braucht man einen guten Ersatz.

    Meine persönliche Meinung dazu ist: Ich mag Klausuren. Sie sind fair. Jeder bekommt die gleiche Klausur. Jeder ist in der Klausur eine Martrikelnummer, objektiver geht es nicht. Jeder hat die gleiche Zeit und so ziemlich die gleichen Vorraussetzungen. Und aus Sicht der Prüfer kann man sehr viele Studenten mit geringem Aufwand prüfen.
    In online Prüfungen hat nicht jeder die gleichen Voraussetzungen. Manche haben eine instabile Internetverbindung, eine schlechte Webcam etc. In mündlichen Prüfungen gibt es starken Bias, sie sind instabil. Je nach Auftreten, Aussehen, der Laune des Prüfers kann die Prüfung einen anderen Verlauf nehmen. In Gruppenprüfungen noch mehr, weil am Ende nicht ersichtlich wird, wer welche Leistung erbracht hat.

    Gleichzeitig teile ich mit der Autorin aber den Frust, den man als Student derzeit empfindet. Das Problem liegt aber meines Erachtens darin, dass Professoren die Lehre als lästig empfinden, und quasi wie Halbgötter über den Belangen und Problemen der Studenten schweben. Oft sind die Lehrmaterialien und die Vorlesungen einfach schlecht. Das ist zumindest meine Erfahrung aus dem MINT Bereich der TU Darmstadt.

  • #12

    Michael Vogel (Freitag, 12 Februar 2021 22:51)

    An der Mondragón Universität in Spanien gibt es (mindestens) einen Studiengang, den die Studierenden in festen Teams von ca. 15 Personen über sieben Semester durchlaufen und den sie nur im Teams bestehen können. Niemand kriegt einen Abschluss, solange nicht jedes Teammitglied alles bestanden hat. Zwar muss jede Person jedes Modul absolvieren, aber innerhalb des Teams ist jede gegenseitige Hilfe zulässig. Damit können sich alle auf ihre Stärken konzentrieren und lernen den Wert von Team und Unterschiedlichkeit zu schätzen.

    Dem Einwand, dann würde ja nicht jeder alles lernen, entgegnen die Lehrenden mit dem Argument, Teamkompetenz und Arbeit an den eigenen Stärken seien viel wichtiger als standardisierte Bildung. Eine inspirierende Art, über Prüfungen zu denken, finde ich.

  • #13

    Edith Riedel (Samstag, 13 Februar 2021 19:13)

    Ja, Klausuren können durchaus lästig sein. Sowohl für Studierende als auch für Lehrende. Aber wer so vehement ihre Abschaffung fordert, der sollte auch konkrete, praktizierbare Alternativen vorschlagen. Nur mosern ist nicht, das gilt für Prüfungsformate genauso wie für die Wissenschaft :-)

  • #14

    Jörn Loviscach (Sonntag, 14 Februar 2021 19:59)

    https://j3l7h.de/blog/2020-05-26_15_36_Take-Home-Pr%C3%BCfungen%20als%20ultimative%20Kompetenzorientierung

  • #15

    Klausuren vertäfeln halte ich für falsch (Sonntag, 14 Februar 2021 21:04)

    Grade in Programmierung müssen Klausuren geschrieben werden. Ob an einem pc oder auf Papier ist egal. Der Prüfling muss zeigen, dass er grundlegende Konzepte auch ohne zu googeln kann. Da geht es nicht um die MRO in Python sondern die Idee einer Closure oder lambda function.
    Dazu ist der Hauptzweck einer Klausur, dass man den ganzen Stoff nochmal einordnen und durcharbeiten muss. Durch eine gut gestellte klausur kommt man auch an grottenschlechten Tagen durch.
    Ansonsten geht mir eine praxisrelevante Alternative 200 studis auf Grundlagen zu prüfen. Aber hier ist noch ein Kommentar, der das tut. Rum meckern und selber nicht besser wissen ist populistische kacke

  • #16

    H (Montag, 15 Februar 2021 19:22)

    Zum in den Kommentaren viel diskutierten Thema Algorithmen auf Papier bringen zu müssen. Meiner Meinung nach wird die oft geforderte Kompetenzorientierung mit dem runterrechnen eines Algorithmus auf Papier nicht erfüllt. Warum? Ich kann einen Algorithmus auswendig lernen oder stupide von meiner Formelsammlung abschreiben ohne dabei zu verstehen was er eigentlich tut, und dabei trotzdem das richtige Ergebnis berechnen. Meines Erachtens nach wäre es sinnvoller zu Fragen welchen Vorteil/Nachteil ein Algorithmus gegenüber einem anderen hat. Fragen, die sich auch wunderbar in mündlichen Prüfungen stellen lassen. Ich habe diese Woche eine entsprechende Klausur vor mir und habe beim lernen diesesmal größere Konzentrationsprobleme als sonst, aus gegebenem Anlass und ärgere mich jetzt schon darüber, wenn ich Punkte abgezogen bekomme, weil ich aufgrund mangelnder Konzentration mit Indizes durcheinander komme oder simple Rechenfehler mache, obwohl ich wunderbar erklären könnte in welchen Situationen es Sinn macht den Algorithmus zu benutzen und in welchen nicht. Eine Kompetenz, die meiner Meinung nach wesentlich gefragter ist am Arbeitsmarkt als einen Algorithmus auf Papier runter rechnen zu können.

  • #17

    Klaus (Dienstag, 16 Februar 2021 17:00)

    Bei 600 Studierenden in Grundstudium würde ich gerne mal sehen wie das ohne Klausur gehen soll.

  • #18

    Anonym (Dienstag, 16 Februar 2021 20:31)

    In meinem Studiengang (Pharmazie) in Bonn wird fast jede Klausur in Präsenz geschrieben obwohl es auch online Möglichkeiten gibt. Der Witz ist daran noch, dass die Assistenten teilweise selber für Corona forschen und eigentlich am besten wissen müssten wie man es richtig angehen sollte..

  • #19

    Anna-Lena Hebel (Donnerstag, 18 Februar 2021 12:15)

    Einige Kommentare zum Artikel, die recht vehement alternative Vorschläge oder noch besser gleich die Lösung auf dem Silbertablett fordern finde ich problematisch. Problematisch deshalb, weil zum einen suggeriert wird, dass nur Personen, die eine einsatzfähige Lösung mitbringen sich am Diskurs zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre beteiligen sollten (ich denke nicht nur ich verstehe die gesetzlich verankerten Rechte und Pflichten aller Hochschulangehörigen anders). Zum anderen wird mit der Verschmähung von Kritik (in solchen Fällen dann auch gerne mosern oder meckern genannt) an der aktuellen Gestaltung von Prüfungsformaten und auch generell im Wissenschaftsbereich ein Bild von Hochschulen gezeichnet, dass ich nicht teile. Ich finde solche Beiträge passen ganz genau zum (vielleicht leider an einigen Stellen verloren gegangenen) Geist der Hochschulen. Konstruktive Kritik, die die Bestrebung hat das System mit weiter zu entwickeln, die die eigene Perspektive einbringt aber auch mal herauszoomt und Zusammenhäng herstellt, die kritisiert und daraus Fragen entwickelt – hört sich für mich nach gelebter Wissenschaft, die Innovationen fördert und zulässt, an.