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Das KMK-Paradoxon

Die Kultusministerkonferenz gilt mit ihren festgefahrenen Strukturen und Abläufen als Inbegriff des vermeintlich so unbeweglichen Föderalismus. Doch diese Woche will sie mit zwei Grundsatzbeschlüssen ihre eigene Reform einleiten. Meint sie das wirklich ernst? Und kann das überhaupt gelingen?

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Artikelbild: Das KMK-Paradoxon

Foto: Robert Pastryk / Pixabay.

DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ will sich reformieren. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Club der Bildungsminister, den Helmut Kohl einmal als "die reaktionärste Einrichtung der Bundesrepublik" bezeichnete und den Vatikan im Vergleich dazu als "noch weltoffen", hat bei seiner Sitzung diese Woche gleich zwei Beschlüsse auf dem Tisch, die die KMK schneller und effizienter machen und so dem arg angekratzten Image des Bildungsföderalismus einen Schubs versetzen sollen. Es wäre der nächste Akt, nachdem die KMK im vergangenen Herbst ihr neues Bildungsabkommen und ihre "Ständige wissenschaftliche Kommission" auf den Weg gebracht hat .

Allein: Wenn man sich anschaut, was genau die Minister da am Donnerstag verabschieden sollen, packen einen doch gehörige Zweifel.

Kann es wirklich gelingen, ein seit Jahrzehnten meist nach dem Minimalkonsens-Modus operierendes Abstimmungsgremium über eben diesen Minimalkonsens zu einer schlagkräftigeren, entscheidungsfreudigeren Organisation umzubauen? Ist es denkbar, dass die KMK künftig klarere, weniger verschachtelte und in sich stimmigere Beschlüsse und Abläufe hinbekommt – angeschoben durch Beschlüsse, die auf der Grundlage der bisherigen Abläufe ausgehandelt und im bisherigen Tenor verfasst sind? Oder sind das am Ende doch ein paar zu große Widersprüche in sich? Wird das Ergebnis genauso mittelmäßig wie das neue Bildungsabkommen, das manches besser machte als sein 56 Jahre älterer Vorgänger, aber immer nur graduell, und fast nirgendwo einmal so etwas wie den zuvor so oft versprochenen großen Wurf bot?

Machen wir es konkret. Die Amtschefs, also die höchsten Beamten in den Kultusministerien, hatten im Februar 2020, also unmittelbar vor der Pandemie, beschlossen, dass einige von ihnen in einer eigens dafür eingesetzten Strukturkommission Vorschläge erarbeiten sollten. Vorschläge, wie Wissenschafts- und Hochschulthemen in der KMK eine stärkere "politische Akzentuierung" erhalten könnten.

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Kommentare

#1 -

Jannik | Do., 10.06.2021 - 10:42
Danke für die Aufbereitung der komplizierten Verschachtelungen. Ich möchte noch die Perspektive des "Change Management" einbringen. Aus der Wirtschaft kennt man dies zu gut. Organigrammveränderungen, die auf dem Papier gut aussehen, funktionieren noch lange nicht in der Praxis, da Arbeitskultur und die informellen Netzwerke komplex sowie stark sind. Auf diesen Sachverhalt angewendet sehe ich vor allem die Herausforderung, dass jede*r Kultusminister*in immer noch eine*n Ministerpräsident*in im Rücken hat, die eigene Agenden verfolgen bzw. die bei den Corona-Maßnahmen gezeigt haben, dass Alleingänge auf Länderebene beliebtes Mittel zur Wahl sind.

#2 -

Hmmmm .... | Do., 10.06.2021 - 20:48
"Wie wäre es stattdessen mit einem Quorum von zwei Dritteln oder auch von 13 Stimmen, wie es schon heute vorgesehen ist, allerdings nur bei eher randständigen Themen?"



Wäre das nicht verfassungsrechtlich problematisch? Wir sind zwar nicht gerade die "Vereinigten Staaten von Deutschland", aber die Themen der KMK fallen ja durchgängig in die Länderhoheit (deswegen die Einstimmigkeit). Wenn stattdessen mit Mehrheitswahlrecht auch über grundlegende Fragen entschieden wird, dann gibt es Länder, die Maßnahmen ohne demokratische Legitimation aus dem eigenen Land umsetzen müssten. Bayern könnte so das Abi in Bremen mitbestimmen und umgekehrt. Das hört sich unproblematisch an, aber man sollte nicht ...

#3 -

Jan-Martin Wiarda | Fr., 11.06.2021 - 13:58
@Hmmm: Vielen Dank für den Einwand! Allerdings glaube ich, weil die KMK-Empfehlungen wegen der Kultushoheit ja gerade NICHT bindend sind, dass sie dann wenigstens mit Mehrheitsentscheidungen gefällt werden können – weil sie so mutiger werden. Immerhin...

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