Direkt zum Inhalt

Leider keine Geisterdebatte

Offiziell meiden Bund und Länder alle Diskussionen über Schulschließungen. Doch viele Eltern trauen der Politik nicht mehr. Dabei ließe sich die vierte Welle auch so brechen – wenn erstmals die Erwachsenen den Großteil der Einschränkungen tragen würden.

Bild
Artikelbild: Leider keine Geisterdebatte

Foto: Pixabay/fernandozhiminaicela , CCO.

ES IST GESPENSTISCH. Offiziell redet kein Ministerpräsident von flächendeckendem Distanzunterricht, die Ampel-Verhandler haben ihn sogar ausgeschlossen. Auch Wechselunterricht steht explizit auf keiner politischen Agenda, um die vierte Welle zu brechen. Doch würde ein Medienwissenschaftler zählen, wie oft das Wort "Schulschließungen" in Zeitungsartikeln, sozialen Medien und auf Online-Nachrichtenportalen auftaucht, hätte er für die vergangenen sieben Tage ein Hochschnellen der Kurve zu berichten.

Warum meinen so viele Leitartikler, etwa die von Tagesspiegel und Süddeutscher Zeitung plötzlich, vor etwas warnen zu müssen, das offiziell gar nicht droht? Eigentlich gar nicht drohen kann, solange zwar die Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen enorm hoch sind und weiter steigen, zuletzt wieder schneller als die der Erwachsenen – aber die Kinder- und Jugendärzte nicht parallel vor einem massiven Anstieg bei den schweren Erkrankungen warnen?

Aktuell bestehe "im Austausch mit vielen Chefärzten von Kinderkliniken in Deutschland" der Konsens: "Schulen und Kitas müssen offenbleiben", twitterte Matthias Keller, der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Kinderklinik Dritter ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Martin Lommel | Mo., 15.11.2021 - 13:37
Lieber Herr Wiarda,



vielen Dank für Ihre klaren Worte und die deutliche Position, die Sie ergreifen und die ich teile. Gerade bei jungen Menschen (und ich zähle die Studierenden auch noch einmal dazu) darf m.E. nicht vernachlässigt werden, dass eine (für die Hochschulen: vollständige) Schließung der Bildungseinrichtungen ggf. vor einer Ansteckung mit Corona-Virus schützt, aber viele andere - insbesondere psychische/mentale - "Nebenwirkungen" hervorruft, die im Vergleich zum i.d.R. milden Covid-Krankheitsverlauf bei jungen Menschen drastische Langzeitfolgen mit sich bringen wird, wenn wir die Aussagen von Kinder- und Jugendpsychologen ernst nehmen.

#2 -

De facto vor d… | Mo., 15.11.2021 - 16:23
zwischen Ansteckung oder Home-Schooling werden die meisten U12-Eltern zum Schluss kommen, dass sie letzteres vorziehen, insbesondere dann, wenn sie sich in der Lage sehen, die vielbeschworenen psycho-sozialen Folgen weitgehend abzufangen. Dem wird sich die Politik nicht verschließen.

#3 -

Django | Di., 16.11.2021 - 10:21
@ #2: Die Möglichkeit, psychosoziale Folgen (und Einbrüche im Bildungsweg) "weitgehend abzufangen", ist stark an die sozioökonomische Stellung gekoppelt, vulgo: Je besser das Familieneinkommen, je komfortabler die Wohnsituation, desto weniger gravierend sind die Auswirkungen. Machen Sie mal "Home-Schooling", wenn beide Elternteile ihrem Beruf als (nur so als Auswahl) Pflegekraft, Busfahrer, Einzelhandelsverkäufer, Fabrikarbeiterin, ... nachgehen müssen und Kinder sich selbst überlassen sind. Wir produzieren gerade eine neue Kohorte Bildungs- und Lebensverlierer, und nein, dem wird sich die Politik nicht verschließen. Bildungschancen sind diesem Land wurscht. Aber bloß keine Homeoffice-Pflicht oder Testpflicht am Arbeitsplatz.

Eine politische Klasse, die nicht einmal eine Testpflicht ...

#4 -

Working Mum | Di., 16.11.2021 - 12:59
@ #2: Ähnlich wie Django glaube ich nicht, dass die Mehrheit der Eltern sich diese Einstellung leisten kann, da nur ein bestimmter Ausschnitt des Berufslebens, nämlich homeofficefähige Berufe, eine Vereinbarkeit mit dem Homeschooling erlauben. Und selbst mit Blick auf homeofficefähige Berufe braucht es m.E. ein Bewusstsein dafür, dass Homeoffice keine Form der Kinderbetreuung ist. Wer stundenlang in Videokonferenzen gebunden ist, kann seine Kinder nicht beim Lernen unterstützen. Je nach Unterstützungsbedarf des Kindes ist das also auch kein gangbares Modell. Zumal selbst gutsituierte Eltern mit viel Zeit für Kinderbetreuung den Umgang mit Gleichaltrigen nicht ersetzen und daher die psychosozialen Folgen nur ...

#5 -

JP | Do., 18.11.2021 - 15:07
Ich war gestern Abend mit meiner Frau Essen, es war schwierig überhaupt ein Restaurant mit einem freien Tisch
ohne Reservierung zu finden. Als Anfang/Mitte 40jährige, wir waren mit Abstand die Jüngsten in allen sechs Restaurants und das Durchschnittsalter war deutlich über Ende 50. Ich kann wirklich nicht verstehen, wieso das Rollatorrennen in die Superspreader-Events ok ist und die Kinder die Folgen dann Ausbaden sollen...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.