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"Bildung ist etwas unglaublich Konservatives"

Was kann die Politik tun, um das Bildungssystem fairer zu machen? Die Bildungsforscherin und frühere Pisa-Koordinatorin Kristina Reiss spricht in der Podcast-Reihe "Wiarda wundert sich" über Risikoschüler, die Folgen des Föderalismus und ihre Erwartungen an die Ampel-Koalition. 

Kristina Reiss ist Professorin für die Didaktik der Mathematik an der TU München und war bis 2021 Dekanin der TUM School of Education. 

DER PISA-SCHOCK, sagt Kristina Reiss, habe dazu geführt, dass Bildungspolitik überhaupt in die Öffentlichkeit gekommen sei. Doch heißt das auch, dass gut 20 Jahre nach PISA 2000 die Bildungschancen in Deutschland fairer verteilt sind?

 

Reiss, die bis zu ihrer Emeritierung 2021 den deutschen Teil der internationalen Studie koordiniert hat, sagt: "Bildung ist etwas unglaublich Konservatives." Und: "Wenn ich einen einzigen Wunsch an die Bildungspolitik frei hätte, wäre das, aus den 20 Prozent Jugendlichen, die nicht ausbildungsfähig sind, zehn Prozent zu machen." Denn in den vergangenen Jahren sei im deutschen Bildungssystem viel schiefgegangen. "Wir haben uns zu sehr auf Regelstandards fokussiert. Wichtig wäre gewesen, dafür Verantwortung zu übernehmen, dass Jugendliche die Schule nicht ohne einen gewissen Mindeststandard verlassen."

 

Reiss ist Professorin für die Didaktik der Mathematik an der TU München und war bis 2021 Dekanin der TUM School of Education. Jetzt leitet sie den Arbeitskreis Bildung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der heute ein Impulspapier in Richtung Politik veröffentlicht, Überschrift: "MINT – Berufsqualifikation für alle." Die darin enthaltenen Vorschläge an Bund und Länder, sagt Reiss, betonten das Thema Chancengerechtigkeit, weil man insbesondere daran im Bildungsföderalismus "noch stärker miteinander arbeiten" müsse. "Wir müssen den Fokus viel stärker auf benachteiligte Gruppen, Risikogruppen legen und dort die Lernrückstände aufholen."

 

Ist dazu jetzt die Gelegenheit? Immerhin, sagt Reiss, "haben wir einen neuen Koalitionsvertrag, in dem Bildung ernst genommen wird." Verantwortung für Schule und Lernen müsse breiter aufgestellt werden. "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

 

Ein Podcast über das sogenannte untere Fünftel, über das Verhältnis von Bund und Ländern in der Bildungspolitik – und über die Frage, ob eine Kitapflicht Teil der Lösung sein könnte.



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Wiarda wundert sich_2_Reiss_mixdown.mp3
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