Direkt zum Inhalt

Das Problem existiert, und keiner sollte es mehr wegreden

Jana Lasser und Heinz Fehrenbach haben mit Mitstreitern ein "Netzwerk gegen Machtmissbrauch in der Wissenschaft" gegründet. Ihr Ziel: die Missstände benennen, Betroffenen helfen und den Druck auf Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen erhöhen. Ein Interview.

Bild
Artikelbild: Das Problem existiert, und keiner sollte es mehr wegreden

Jana Lasser ist PostDoc am ComputationalSocial Science Lab der TU Graz. Heinz G. Fehrenbach ist Professor für Experimentelle Pneumologie am Leibniz Lungen-Zentrum Borstel und nebenberuflich ist als Systemischer Coach aktiv. Fotos: privat/ Marco Warmuth.

Frau Lasser, Herr Fehrenbach, Sie haben mit Mitstreitern ein " Netzwerk gegen Machtmissbrauch in der Wissenschaft " gegründet. Ich hatte gedacht, dass so etwas schon längst existiert.

Fehrenbach: Es gab Aktionen gegen sexuelle Übergriffe in der Wissenschaft, es gibt Initiativen wie "#IchbinHanna" oder das "Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft", die sich für bessere Arbeitsverträge und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. Aber ein Netzwerk, das übergeordnet Machtmissbrauch in der Wissenschaft generell, in all seinen Facetten angeht, fehlte tatsächlich bislang. Wir hatten das Gefühl, das muss sich dringend ändern.

Aber es gibt doch Ombudsleute, es gibt Gleichstellungsbeauftragte, es gibt Personalräte!

Fehrenbach: Die gibt es, und einige von denen leisten hervorragende Arbeit. Aber die Lücken im System, wo die verfügbaren Mechanismen nicht greifen, sind groß. Das wussten wir, bevor wir das Netzwerk gegründet haben, und das merken wir jetzt umso mehr an den Reaktionen, die wir bekommen.

Lasser: Ich engagiere mich seit langem in der Doktorandenvertretung der Max-Planck-Gesellschaft, dem "Max Planck PhDnet", und auch bei N2, in dem sich die Doktorandenvertretungen von Max Planck, Leibniz und Helmholtz zusammengeschlossen haben. Und bei meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Menschen, die so bittere Erfahrungen mit Machtmissbrauch gemacht haben, dass man nur sagen kann: Die Instanzen, die da sind, versagen häufig, sie können mit den Problemen der jungen Wissenschaftler nicht richtig umgehen.

Und Ihr Netzwerk kann das?

Lasser: Zunächst einmal wollen wir darauf hinweisen, dass egal, ob wir von wissenschaftlichem Fehlverhalten reden, von prekären Arbeitsverhältnissen oder von sexuellen Übergriffen, der eigentliche Elefant im Raum fast immer Machtmissbrauch ist. Schon die Gründung des Netzwerks soll insofern ein Statement sein, dass dieses Problem existiert und es keiner mehr wegreden sollte. Oft ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Mi., 16.03.2022 - 12:31
Ein wichtiges Thema, das aus meiner Sicht Eingang in die Hochschulgesetze finden muss. Gleichstellungsbeauftragte oder Ombudspersonen sind mit der Aufgabe sich um Machtmissbrauch zu kümmern überfordert. Vor allem auch, weil die beauftragten Personen über erhebliches Wissen und über ein gutes Standing verfügen müssen, um effektiv helfen zu können. Das Spektrum an gesetzlich geforderten Beauftragten muss deutlich erweitert werden und die Professionalität auf der Ebene der Universitäten muss wachsen. Dies beinhaltet auch, dass diese Personen mit hinreichender Unabhängigkeit innerhalb der Organisation und mit eigenem Budget ausgestattet werden müssen.



Noch ein Kommentar zu den Vorschlägen in Richtung DFG. Richtig ist, dass die ...

#3 -

Jonas | Mi., 16.03.2022 - 14:42
Pardon @hahadi, aber das Interview bzw. das Anliegen der Interviewten hat thematisch überhaupt gar nichts mit der populistischen Initiative des sog. Netzwerks Wissenschaftsfreiheit zu tun.

Mehr zu diesem Netzwerk siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Netzwerk_Wissenschaftsfreiheit

#4 -

Noch 'ne Hanna | Mi., 16.03.2022 - 15:27
@Klaus Diepold:



"Die DFG kann und soll sich auf Projektförderung konzentrieren, wo es sicher auch das ein oder andere Thema gibt, dass nach Verbesserungen schreit."



Richtig, aber die DFG verwaltet kein privates Stiftungsvermögen, sondern vergibt öffentliche Mittel. Und da muss man sich schon die Frage stellen, warum die DFG hinter dem Vergaberecht in der Privatwirtschaft zurückbleiben darf. Wenn eine Hochschule die GWP nicht in die eigenen Regelungen zum Umgang zu wissenschaftlichen Fehlverhalten übernimmt, kann sie von der DFG von der Mittelvergabe ausgeschlossen werden. Warum gilt das nicht gleichermaßen für wirtschaftliches Fehlverhalten, wie z.B. fehlende Arbeitszeiterfassung? Hochschulen können sich mit Teilzeitmissbrauch ...

#5 -

hahadi | Mi., 23.03.2022 - 17:43
ebenfalls Pardon - für Jonas: Der Vorwurf "populistisch" ist nichts als populistisch. Vielleicht wäre es gut, sich erst mal darüber klar zu werden, was für ein Argument hinter dem Vorwurf "populistisch" versteckt sein könnte. Ich fürchte gar keines, außer dass es nicht populistisch sein soll, andere Meinungen als die eigene als populistisch abzutun.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Leute, so schaffen wir das nicht!

Leute, so schaffen wir das nicht!

Heute haben die EFI-Wissenschaftsweisen ihr Jahresgutachten vorgestellt. Der Kommissionsvorsitzende Uwe Cantner über die Folgen des Ukraine-Krieges für deutsche Innovationspolitik, die Ambitionen der Ampel-Koalition und Deutschlands Rückstand bei Spitzentechnologien.


  • Artikelbild: Die meisten Katastrophenfilme beginnen mit Wissenschaftlern, deren Warnungen von der Politik ignoriert werden

Die meisten Katastrophenfilme beginnen mit Wissenschaftlern, deren Warnungen von der Politik ignoriert werden

Waren die Regierungen in der Coronakrise nicht in der Lage, die Botschaft der Wissenschaft aufzunehmen? Und wenn ja, woran lag das? Ein internationaler Aufruf junger Wissenschaftler fordert Konsequenzen – für die Politik, für die Wissenschaft und für die Karriereförderung.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

BMBF: Wir stoppen die Zusammenarbeit mit Russland in Forschung und Bildung

Das Ministerium von Bettina Stark-Watzinger bezieht Stellung zu den Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Unklarheit herrscht weiter in Bezug auf die Großforschungsprojekte.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Es werde DATI

Es werde DATI

Seit gestern kursieren die BMBF-Eckpunkte zur neuen Transferagentur. Verwirrend ist die Art, wie sie an die Öffentlichkeit kamen. Das Konzept selbst ist vom Ansatz her faszinierend, aber viele Fragen sind noch offen. Eine Analyse.


  • Viele Menschen haben Hanna ein Gesicht gegeben

Viele Menschen haben Hanna ein Gesicht gegeben

"#IchBinHanna" hat die Wissenschaftspolitik verändert. Doch damit hat die Initiative ihr Ziel noch nicht erreicht, sagen ihre Urheber. Jetzt veröffentlichen sie eine Streitschrift. Kristin Eichhorn über die Geschichte und Zukunft der Kampagne – und über die Mitverantwortung der Wissenschaft für die heutigen Beschäftigungslage.


  • Was ist Lindner die Innovationsförderung wert?

Was ist Lindner die Innovationsförderung wert?

Seit das DATI-Konzept des Bundesforschungsministeriums öffentlich geworden ist, nimmt auch die Debatte über die Finanzierung der neuen Agentur Fahrt auf.