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Internationalisierungstektonik

Der akademische Austausch erlebt tektonische Verschiebungen, die weit über die aktuellen Krisen hinausreichen.

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Artikelbild: Internationalisierungstektonik

Der Weg ins Ausland wird auch für Studierende und Wissenschaftler schwieriger. Foto: Olga Kropman / Pixabay.

RUSSLAND UND BELARUS wollen aus dem Bologna-Abkommen aussteigen und durch ein System eigener Abschlüsse ersetzen. "Die Zukunft gehört unserem eigenen einzigartigen Bildungssystem, das auf den Interessen der Volkswirtschaft und den maximalen Möglichkeiten für jeden Studierenden basieren sollte", zitierte die Moscow Times den russischen Wissenschafts- und Hochschulminister Valery Falkow. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patrushev, forderte gar die Rückkehr zu den früheren Sowjet-Abschlüssen, was seines Erachtens das "beste nationale Bildungssystem der Welt" gewesen sei. Sollte es sich um mehr als Kriegsrhetorik handeln, wäre die Isolation von Russlands Hochschul- und Wissenschaftssystem auf sehr lange Zeit besiegelt, die Wiederannäherung an den Westen würde noch schwieriger.

Fast zeitgleich hat die britische Regierung vergangene Woche ein neues Visa-Programm für Akademiker vorgestellt, das vor allem ausschließt. So sollen nur die Absolventen der 50 besten Hochschulen weltweit in den Genuss einer Aufenthaltserlaubnis für zwei bis drei Jahre kommen – unabhängig davon, ob sie schon einen Arbeitsvertrag haben oder nicht. Was die 50 besten Hochschulen sind, bestimmen skurrilerweise internationale Hochschulrankings wie das von Times Higher Education

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Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Di., 14.06.2022 - 11:29
Natürlich erwachsen daraus Chancen, zumal Deutschland ein Land mit keinen oder im internationalen Vergleich minimalen Studiengebühren für internationale Studierende ist.

Angesichts der Situation, dass aus den Gebühren kein nennenswerter Beitrag zur Finanzierung unserer Hochschulbildung geleistet wird, sollte man aber Schwerpunkte setzen, in welchen Fachrichtungen wir Absolventen benötigen und entsprechende internationale Studierende gezielt anwerben, auch mit Stipendien. Das sind, um es deutlich auszusprechen, nicht die "Hanna"-Fächer, in denen es in der Wirtschaft so wenige Stellen gibt, dass auch 9 Monate E13 noch attraktiv sind...

#2 -

Noch 'ne Hanna | Di., 14.06.2022 - 13:14
Vielleicht ist es auch nur das Ende der "Top-Down"-Internationalisierung. Die jetzigen Studierenden sind notwendigerweise global orientiert, weil mit dem Klimawandel ein globales Thema für ihre Generation prägend ist. Das ist auch in anderen Bereichen spürbar, wie z.B. Lieferketten. Es könnte also sein, dass es weniger große, von den Hochschulleitungen verantwortete Programme gibt, dafür aber mehr Internationalität insgesamt, z.B. in Form von Abschlussarbeiten. Die Herausforderung besteht darin, diese Form der Internationalisierung zu fördern.

#3 -

Django | Di., 14.06.2022 - 13:46
Die britische Regierung scheint ja generell der Meinung zu sein, dass Arbeitskräfte von außerhalb nicht benötigt werden. Warum soll für Akademiker etwas anderes gelten als für LKW-Fahrer oder Erdbeerpflücker? Also werden sie widerwillig in kleinen Zahlen ins Land gelassen.

#4 -

Leander K | Mi., 15.06.2022 - 16:58
Eine Chance aber auch eine Herausforderung. Ich nehme unsere Hochschulen als nicht besonders international wahr. Sowohl die Professorenschaft kommt höchstens mal aus Österreich (wenn nicht gar die selbe Uni!) also auch die Studiengänge, welche oft unnötig viel auf deutsch abgehalten werden. Es wäre eine Chance, wie Ruth Himmelreich schon erwähnt hat, die besten zu holen um das Land nachhaltig zu stärken. Dafür sollten in bestimmten Studiengängen sowohl internationale Studierende aktive angeworben werden, als auch Studiengebühren eliminiert, Studiengänge optimiert und ein Studienkredit-System etabliert werden.





Ich würde gerne das ganze mal volkswirtschaftlich betrachten. Ich wette dass viele nach dem Abschluss im Land ...

#5 -

Klaus Diepold | Fr., 17.06.2022 - 21:59
@Leander K



diese Argumentation wird häufig verwendet um zu rechtfertigen, dass der deutsche Steuerzahler die Ausbildung von Studierenden aus dem nicht-europäischen Ausland finanziert. Die Absolventen bleiben mit nichten nach dem Abschluss in Deutschland. Viele kehren unmittelbar oder kurz nach dem Abschluss in ihre Heimatländer zurück. Das sollte man auch unter dem Hintergrund der oft beklagten schlechten Betreuungsrelationen in deutschen Unis betrachten. In anderen Ländern bezahlen ausländische Studierende auch Studiengebühren. Warum bei uns nicht? Bei Lehrveranstaltungen (in englischer Sprache) mit einem 70%-igen Anteil an ausser-europäischen Studierenden kommt man dann schon ins grübeln.

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