Direkt zum Inhalt

Wie der Lehrermangel das System Schule bedroht

Der Mangel an Lehrerinnen und Lehrern ist riesig. Aber woher kommt er? Und wie versuchen Schulen, den Kindern noch gerecht zu werden?

Bild
Artikelbild: Wie der Lehrermangel das System Schule bedroht

Foto: Pixnio , CCO.

VERGANGENEN SOMMER wusste Angela Keppel-Allgaier: Es geht nicht mehr. Bis dahin war die Leiterin der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule mit ihrem Stundenplan-Team immer noch halbwegs hingekommen. Sie hatten offene Lehrerstellen mithilfe des Schulamts meist irgendwie besetzt – und wenn eine Kollegin krankheitsbedingt länger ausfiel, ließ sich immer noch etwas "zusammenschustern", wie Keppel-Allgaier das nennt. Vorbei.

Jetzt fehlen ihr so viele Lehrkräfte, dass sie für die unteren Jahrgänge einen von vier Ganztagen wegkürzen musste. Zurück zum Vormittagsunterricht. "Das geht an unsere pädagogischen Grundfesten", sagt die Schulleiterin. Was bleibt, ist eine Nachmittags-Notbetreuung für die Fünftklässler. Und wo früher in Klassen mit hohem Inklusionsanteil zwei Pädagogen in den Hauptfächern unterrichteten, ist jetzt fast immer nur noch einer übrig. Den Kunstunterricht in der Oberstufe musste Keppel-Allgaier streichen, weil sie keinen Ersatz für die dafür zuständige Kollegin erhalten hat. Und statt insgesamt vier Stunden Gemeinschaftskunde und Geschichte haben die Achtklässler jetzt nur noch zwei: das erste Halbjahr Gemeinschaftskunde, das zweite Halbjahr Geschichte.

Die Hans-Küng-Schule befindet sich nicht irgendwo abgelegen auf dem Land und auch nicht in einer der Regionen, die normalerweise vorkommen, wenn in den Medien über zu wenig Lehrer und mangelnde Unterrichtsversorgung berichtet wird. Nicht Berlin, Bremen oder Ostdeutschland ist der Arbeitsort von Angela Keppel-Allgaier, sondern die Universitätsstadt Tübingen in Baden-Württemberg.

Das, sagt Maike Finnern, zeige, wie sich der Lehrermangel mittlerweile zur bundesweiten Bildungskrise ausgeweitet habe. "Kein Bundesland kann noch von sich sagen: Das betrifft uns nicht. So wie es auch keine Familie mit schulpflichtigen Kindern mehr gibt, die das Problem massenhaft ausfallenden oder fachfremd erteilten Unterrichts ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Stefan Rheinberg | Do., 26.01.2023 - 11:32
In den Grundschulen ist das Verhältnis von Lehrern zu Klassen seit 2011 dauerhaft und seit 2016 sehr stark gestiegen (vgl. https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/schueler-innen-klassen-lehrkraefte-und-absolvierende.html (Teil A). Der Verweis auf akute, zeitgebundene Herausforderungen
verdeckt etwas, dass die Situation in der wir uns heute befinden seit Jahren absehbar ist.

#2 -

Lehrerkind | Fr., 27.01.2023 - 12:33
Das Lehramt muss attraktiver gemacht werden - und das geht nicht (nur) über eine höhere Vergütung oder die Verbeamtung. Was habe ich von ein bisschen mehr Geld oder auch einer Verbeamtung, wenn die Infrastruktur, in der ich arbeiten soll, nicht funktioniert. Schulen brauchen eigene IT-Spezialist*innen (Schul-IT darf nicht die Aufgabe der Lehrkräfte sein) und ausreichend Sozialarbeiter*innen sowie Betreuungskräfte für den politisch ja gewollten Ganztag. Nur wenn die Lehrer*innen sich wieder auf ihren Bildungsauftrag konzentrieren können, wird der Beruf wieder attraktiv.

#3 -

S.K. | Sa., 28.01.2023 - 10:56
Ein sehr guter Artikel, der beschreibt, wie es in der Bildungslandschaft gerade aussieht und welche Kunststücke von Schulleitungen und ihren Teams unternommen werden, um Bildung zu vermitteln. Beide Kommentare finden meine Zustimmung. Es MUSS auch für die derzeit unterrichtenden Pädagogen an Schule gedacht werden!

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Lehrermangel: Philologenverband und HRK warnen Kultusminister vor Wettbewerb nach unten

Lehrermangel: Philologenverband und HRK warnen Kultusminister vor Wettbewerb nach unten

Sollten Bachelorabsolventen dauerhaft an Schulen unterrichten? In einer gemeinsamen Protestnote fordern die Verbände von der neuen KMK-Präsidentin Astrid-Sabine Busse, solchen Plänen eine Absage zu erteilen – am Tag ihrer Amtseinführung.


  • Artikelbild: Das Qualitätsproblem der Grundschulen beseitigen

Das Qualitätsproblem der Grundschulen beseitigen

Immer mehr Kinder können am Ende der Grundschule nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen. Liegt es am Unterricht? Auch, sagt die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz – und macht grundlegende Reformvorschläge. Ein Gespräch mit den Bildungswissenschaftlern Felicitas Thiel und Michael Becker-Mrotzek.


  • Eine Kitapflicht ist der falsche Weg

Eine Kitapflicht ist der falsche Weg

Der Leistungsabfall war deutlich: Deutschlands Grundschüler können schlechter lesen, schreiben und rechnen als vor fünf Jahren. Welche Verantwortung für die Misere trifft die Kitas? Und was folgt daraus? Ein Interview mit den Pädagogen Katharina Kluczniok und Stefan Faas.