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ChanceGPT

Deutschlands Hochschulen brauchen endlich eine neue Prüfungskultur. Die Künstliche Intelligenz ChatGPT könnte der letzte Tropfen sein, der das Prüfungsfass zum Überlaufen bringt. Ein Gastbeitrag von Jannica Budde und Jens Tobor.

"SCHUMMELN MIT KÜNSTLICHER INTELLIGENZ" ( BZ ), "Angst vor Schummelei" ( Merkur ), "Verbot von ChatGPT an Hochschule" ( Stern ): Viele der Medienreaktionen auf den Release des KI-Sprachassistenten erinnern an die Diskussion vor drei Jahren, als die Corona-Pandemie es notwendig machte, Klausuren in Distanz-Settings zu verlegen.

Auch damals konzentrierten sich große Teile der Öffentlichkeit auf das Narrativ von der Schummelei und stellten Studierende unter generellen Täuschungsverdacht. Natürlich gab es bezüglich der Online-Prüfungen berechtigte Sorge, die Chancengleichheit zu wahren. Da an vielen Hochschulen Maßnahmen wie Online-Proctoring, also die digitale Prüfungsaufsicht mittels spezieller Software oder Webcams, sehr kritisch gesehen wurden, war eine Hinwendung zu offenen, stärker kompetenzorientierten Prüfungsformen auszumachen, die, analog zu Hausarbeiten, Texte, eigene Notizen und digitale Werkzeuge zuließen. Gleichzeitig wurde viel über Prüfungen gesprochen und gestritten. Eine neue Prüfungskultur schien am Horizont auf.


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Artikelbild: ChanceGPT

Jens Tobor ist Projektmanager für das Hochschulforums Digitalisierung am Centrum für Hochschulentwicklung. Er befasst sich mit den Auswirkungen von KI auf das Hochschulsystem, insbesondere im Kontext des Prüfungswesens.

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Artikelbild: ChanceGPT

Jannica Budde ist Senior Projektmanagerin ...

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Kommentare

#1 -

Jakob Wassink | Mi., 15.03.2023 - 12:35
1. Aus meiner nunmehr 20-jährigen Erfahrung mit Prüfungen in modularisierten Studiengängen glaube ich nicht, dass KI und ChatGPT an der gegenwärtig vorherrschenden Prüfungspraxis etwas ändern werden. Papierbasierte schriftliche Aufsichtsarbeiten bieten ein hohes Maß an Rechtssicherheit und kein gesteigertes Täuschungsrisiko durch KI.

2. Eine Veränderung der Prüfungskultur wird nicht ohne Druck von außen gelingen. Es ist für mich schwer erklärlich, dass Rechtsvorgaben wie die Modularisierung und Kompetenzorientierung im hochschulinternen Diskurs und in Akkreditierungsverfahren zu bloßen Lehrformeln verkommen.

3. Die Ermöglichungskultur gibt es ebenso wie die notwendige Offenheit in Prüfungsordnungen. Sie ist aber nicht zielführend bzw für veränderungsbereite Lehrende maximal frustrierend, solange ...

#2 -

Carola Jungwirth | Mi., 15.03.2023 - 14:56
Vielen Dank für den Beitrag. Die Frage, die Sie aufwerfen, gehört zu den spannendsten derzeit. Ich ermutige meine Studierenden Chat GPT für Haus-, Seminar- und Abschlussarbeiten zu nutzen, kann mir aber Klausuren damit noch nicht vorstellen. Ihr eigenes Beispiel („Dass ChatGPT den theoretischen Teil der US-Medizinexamen (USMLE) bestanden hat, führt nicht dazu, dass die KI erfolgreich Menschen operieren kann.“) ist aus meiner Sicht hier ein gutes Argument. In den Wirtschaftswissenschaften operieren wir zwar nicht, aber wir brauchen unsere Theorien als sofort aktivierbares Werkzeug für Analyse- und Prognoseprozesse. Dazu müssen sie schnell abrufbar und intensiv internalisiert worden sein. Ohne eine jederzeit ...

#3 -

Klaus Diepold | Mi., 15.03.2023 - 18:10
Eine geänderte Philosophie bei Prüfungen ist schon lange überfällig. Viele Änderungen in den im Text angedeuteten Richtungen sind vorstellbar. Manche sinnvollen Prüfungsverfahren, vor allem die praxisorientierten kommen im Kontext von großen Studierendenzahlen in Schwierigkeiten (been there, done that, got a T-shirt).



Aber, wie auch schon im Text angedeutet wurde, es müssen die Grundlagen der Rechtssicherheit angepackt werden. Viele interessante Prüfungsformate werden nicht umgesetzt, weil die Rechtsabteilung Einspruch erhebt und die Uni Angst vor Klagen durch die Studierenden hat. Also gilt es auch die Rechtsfolge von Prüfungen zu klären und den Raum für Neuerungen bei den Prüfungen zu öffnen.

#4 -

Tobias | Fr., 17.03.2023 - 11:07
Tja, und dann lese ich "hochschulinterne(r) Austausch" & "Ermöglichungskultur" und ahne bereits welche Ressource mal wieder dezent uebersehen wird: Zeit. Meetings, Workshops oder das tatsächliche ändern von Pruefungsformaten und deren Bewertung sind fantastische Zeitfresser und bedeuten erstmal sehr viel Mehrarbeit fuer Menschen, die alle gerne 100% ausgelastet sind. Was muss ich denn *weniger* machen, wenn ich mich auf diese Herausforderungen einlasse? Studierende muessen fair, effektiv, transparent & rechtssicher Noten bekommen-dieses Semester, nächstes auch usw. nach "mehr" und "flexibel" rufen ist immer einfach wenn jedes Semester tausende Pruefungsereignisse an der Uni statt finden

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