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Abschied von der Rutschbahn

Die Debatte um die WissZeitVG-Reform leidet unter der Diffusität ihres Streitgegenstands. Die Novelle wird erfolgreich sein, wenn sie für eine sinnvoll gestufte Postdoc-Phase den arbeitsrechtlichen Rahmen setzt. Ein Gastbeitrag von Georg Jongmanns.

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Artikelbild: Abschied von der Rutschbahn

Georg Jongmanns arbeitet beim HIS-Institut für Hochschulentwicklung (Hannover) und hat zusammen mit weiteren Autorinnen und Autoren das WissZeitVG evaluiert. Foto: privat.

DAS ECKPUNKTEPAPIER AUS DEM BMBF zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) hat auf den Punkt gebracht, was geschehen muss und zugleich nicht geschehen darf. Die Misere ist seit langem bekannt: Viele in der Wissenschaft beklagen, dass für eine große Zahl talentierter Postdocs nur geringe Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung im akademischen Berufsfeld bestehen. Alle in diesem Spiel tragen dazu bei, dass es ist, wie es ist – in aktiver oder passiver Rolle und mit ungleichen Handlungsmöglichkeiten.

Je nach Perspektive wird die große Zahl der Postdocs als Indikator für ein erfolgreiches Wissenschaftssystem, als Grundgesamtheit für eine funktionsgerechte Bestenauslese, als notwendige Personalkapazität für Forschung, Lehre und Transfer, als unkontrollierte Durchmischung von permanenten Aufgaben und wissenschaftlicher Qualifizierung verstanden – oder als ein zynisches Spiel mit der eigenen Lebenszeit. Alle haben irgendwie Recht – und das ist ein Problem.

Schieflage im System

Die divergierenden Einschätzungen sind ein ...

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Kommentare

#1 -

Tobias Denskus | Di., 28.03.2023 - 11:27
Ich bin im nordischen System (Schweden) zu Hause und ganz ehrlich auch in diesem Beitrag wird wieder einmal recht wortreich beschrieben, warum man Menschen nach einer Promotion nicht dauerhaft an Unis anstellen kann; man kann. Wenn man Unis als Teil der öffentlichen Verwaltung sieht dann hören sich viele der gutgemeinten Forderungen schon ganz anders an: "Wir wuerden Sie ja gerne im Ministerium anstellen, aber vielleicht sehen Sie sich nach ihrem Studienabschluss erstmal um, bewegen sich leichtfüßig durch die Netzwerke des eigenen Faches und dann schauen wir in 3 Jahren mal ob sie ins BMI passen"; fuer die allermeisten Menschen im ...

#2 -

Tim Müller | Di., 28.03.2023 - 17:02
Eine Sache, die mir in der Diskussion etwas zu kurz kommt, sind alle Menschen nach der Promotion, die auf Drittmittelfinanzierung weitermachen - z.B. PostDocs und Nachwuchsgruppenleitungen auf Mitteln, die sie selbst eingeworben haben. Diese Mittel sind oft substantiell, eine Gruppenleitung kommt großer Verantwortung und wird nicht zuletzt deswegen auch oft als Habilitationsäquivalent betrachtet. Aber als Drittmittelbeschäftigte können wir ohne Beschränkung befristet werden. Unsere Stellen gibt es nur, solange wir die Gelder dafür einwerben. Nach derzeitiger Lesart sind wir wohl trotz eingeworbener Mittel, Betreuuung von Promovenden, erolgreichen Veröffentlichungen usw. für das Wissenschaftssystem ungeeignet. (Sonst hätten wir ja eine Professur.) Nach dem ...

#3 -

DW | Di., 28.03.2023 - 23:36
Auch hier leider keine Rede von Gleichstellung, Diversitaet, Minderheiten.

Anscheinend weiss der Autor auch nicht gut ueber Skandinavien Bescheid. In Schweden herrscht noch viel groesserer Druck, Drittmittel fuer das eigene Gehalt einzuwerben. Ist man erfolglos, muss man mehr Lehre machen, und bekommt zudem den Unmut der Kollegen zu spueren, die einen durchfuettern.

In Schweden darf man z.B. auch nur 3 Jahre Postdoc machen, dann fliegen die meisten Auslaender aus dem System. 1-2 Jahre werden Schweden im Ausland geparkt, dann wird ein Platz durch die Hintertür frei an der Uni. Am besten hat man sich schon in Schweden waehrend der Doktorarbeit ...

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