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Jetzt nicht das Ziel aus den Augen verlieren

Deutschland ist das Land der exzessiven Postdoc-Befristung. Das zu ändern, muss Sinn und Zweck jeder WissZeitVG-Reform bleiben. Vier Vorschläge, wie das gelingen kann. Ein Gastbeitrag von Amrei Bahr, Simon Pschorr, Geraldine Rauch und Tobias Rosefeldt.

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Artikelbild: Jetzt nicht das Ziel aus den Augen verlieren

Amrei Bahr , Simon Pschorr , Geraldine Rauch , Tobias Rosefeldt (von links). Fotos: privat.

DIE DISKUSSION um das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) hat sich auf die Frage nach der Länge befristeter Beschäftigung in der Postdoc-Phase zugespitzt. So wichtig diese Diskussion ist, droht dabei das maßgebliche Ziel der Reform aus dem Blick zu geraten: Es braucht deutlich mehr attraktive, dauerhafte Perspektiven für hochqualifizierte Wissenschaftler:innen, die der Wissenschaftsstandort Deutschland anderenfalls an die Industrie oder das Ausland verliert. Wie aber lässt sich dieses Ziel erreichen? Wir haben vier Vorschläge, wie der Bund über das WissZeitVG und durch flankierende Maßnahmen eine nachhaltige Stellenstruktur für Postdocs so gestalten kann, dass Beschäftigte, Arbeitgeber und Gesellschaft profitieren.

Eine Erfolgwahrscheinlichkeit von 31 Prozent ist inakzeptabel

Rund 60 Prozent der 75.583 promovierten nicht-professoralen Wissenschaftler:innen an deutschen Hochschulen sind befristet beschäftigt. Bis zum 42. Lebensjahr, dem Durchschnittsalter der Erstberufung auf eine Professur, sind es sogar fast 85 Prozent. An außer-universitären Forschungseinrichtungen (AUF) ist die Quote kaum besser: 72 ...

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Kommentare

#1 -

Hanna | Di., 16.05.2023 - 03:12
Danke für diese konstruktiven und aus meiner Sicht machbaren Vorschläge. Eine Reform kann jetzt nur noch am Willen scheitern. - Zum Befund: "Es braucht deutlich mehr attraktive, dauerhafte Perspektiven für hochqualifizierte Wissenschaftler:innen, die der Wissenschaftsstandort Deutschland anderenfalls an die Industrie oder das Ausland verliert.": In den nächsten 15 Jahren wird es einen massiven Fachkräftemangel in Deutschland geben (zum Vergleich: allein in Berlin geht jede 3. Person aus der öffentlichen Verwaltung in Rente/Pension). Es geht daher längst nicht mehr nur darum, einen Brain Drain der bestehenden Wiss. Mitarbeiter:innen zu verhindern, sondern v.a. darum, einen Brain Gain bei künftigen Abiturient:innen aus dem ...

#2 -

na ja | Di., 16.05.2023 - 11:03
@1: Zitat: "... um ab sofort wieder die besten Köpfe für die Wissenschaft gewinnen zu können"

Die besten Köpfe sind schon und bleiben auch drin in der Wissenschaft. Die bekommen in den allermeisten Fällen auch eine Professur. Das System funktioniert in dieser Hinsicht recht gut. Die laufende Debatte zum Thema kreist permanent um die große Gruppe der akademischen Mittelmäßigkeit.

#3 -

Na ja? | Di., 16.05.2023 - 11:27
@2: Zitat: "Die besten Köpfe sind schon und bleiben auch drin in der Wissenschaft. Die bekommen in den allermeisten Fällen auch eine Professur. Das System funktioniert in dieser Hinsicht recht gut. Die laufende Debatte zum Thema kreist permanent um die große Gruppe der akademischen Mittelmäßigkeit. "



Ernstgemeinte Frage: Haben Sie da irgendwelche Evidenz? Können Sie die Leistungen, die diejenigen auf Dauerstellen erbringen, belastbar mit den Leistungen vergleichen, die die Wissenschaft verlassen haben?

#6 -

Ruth Himmelreich | Di., 16.05.2023 - 11:57
Deutschland das Land mit der exzessiven Postdoc-Befristung? Zum Vergleich mit den USA siehe hier: https://www.aaup.org/sites/default/files/10112018%20Data%20Snapshot%20Tenure.pdf

"[...] the percentage of instructional positions that is off the tenure track amounted to 73 percent in 2016, the latest year for which data are available. For the most part, these are insecure, unsupported positions with little job security and few protections for academic freedom."

Ja, unbefristete Mittelbaustellen mit Verbeamtung sind nett, und vor allem in vielen Geisteswissenschaften der Sechser im Lotto unterhalb der Professur. Freie Zeiteinteilung, überschaubare Lehrverpflichtung, vorlesungsfreie Zeiten - what's not to like? Man muss sich als Gesellschaft aber fragen, ob das ...

#7 -

Zum Verhältnis | Di., 16.05.2023 - 12:32
der frei werdenden Dauerstellen vs. Anzahl der "BewerberInnen"



Es sind im Text natürlich nicht die tatsächlichen Bewerbungen gemeint, sondern nur diejenigen, die bislang noch befristet beschäftigt sind und die rein rechnerisch für Dauerstellen in Frage kommen. Zu diesen kommen natürlich noch weitere potentielle BewerberInnen hinzu. Aber das ist ja auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass in Hochschulen und Wissenschaft ein idealer Karrierepfad bis zu Professur propagiert wird und sich alle ohne Dauerstelle früher oder später auf diese bewerben MÜSSEN oder endlos in der befristeten Drittmittelschleife hängen bleiben oder, wenn eben kein Anschlussvertrag und keine Bewerbung auf Dauerstellen erfolgreich ...

#8 -

Simon Pschorr | Di., 16.05.2023 - 12:35
@Künstler:

Ich weiß nicht, an welche Beschäftigungsfelder Sie denken. Eine Erfolgsquote von nur 31 % für eine unbefristete Beschäftigung gibt es in nahezu keinem anderen Arbeitssektor. Einzig im Bühnenbereich und im Profisport sind die Befristungsquoten ähnlich hoch und die Dauerbeschäftigung ähnlich unwahrscheinlich. Wir würden gerne wegkommen von der Vorstellung, dass es nur die Führungsposition (Professur) oder das Ende der Beschäftigung gibt.

#9 -

Na ja? | Di., 16.05.2023 - 13:11
@Klaus Diepold, Zitat: "Die Frage nach den Evidenzen ist zwar wichtig und gut, aber Sie wissen auch, dass es darauf keine ernsthafte Antwort gibt."

Dann ist die Aussage zur "akademischen Mittelmäßigkeit", derjenigen ohne Dauerstellen zumindest auch nicht ernsthaft. (Ich glaube übrigens tatsächlich, dass man das ernsthaft untersuchen könnte, wenn man es wollte. Aber das ist jetzt tatsächlich eher ein Nebenschauplatz.)

#10 -

Rainer Lange | Di., 16.05.2023 - 14:08
Der Wissenschaftsrat fordert höhere Programmpauschalen, um die Kosten zu decken, die zwar durch Drittmittelprojekte verursacht werden, aber - da sie diesen nicht unmittelbar und ausschließlich zugeordnet werden können - nicht direkt beantragt werden dürfen. Dabei geht es beispielsweise um anteilige Aufwendungen für forschungsunter­stüt­zenden Service, Energie oder Software. Das umfasst auch Daueraufgaben, für die unbefristete Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden können und sollten. Aber eine Zweckbindung an bestimmte Beschäftigungsverhältnisse, um damit einen Strukturwandel zu finanzieren, würde dem Sinn einer Overhead-Finanzierung zuwiderlaufen. 

#11 -

Hannanouya | Di., 16.05.2023 - 14:55
Ein sehr interessanter Artikel. Ich dachte, dass die Erfolgsquote viel niedriger ist als damals, viel weniger als 10 Prozent. Für Einwanderer sind diese Zahlen sogar noch viel geringer.



In allen Fällen sind die vier Vorschläge auf jeden Fall ein guter Anfang, in einem furchtbar System. Gott sei Dank bietet das britische System viel bessere Perspektiven für Postdocs. Wir hatten an unserem AUF sehr talentierte Gruppenleiter, die gute Stellen als lecturer in Großbritannien fanden. Leider verliert das Land Talente und stellt ein enormes Geschenk für das Vereinigte Königreich und ähnliche Länder mit guten akademischen Systemen dar.



Um die Wahrheit zu sagen, ...

#12 -

Michael Liebendörfer | Di., 16.05.2023 - 14:58
Ich kann mir auch nach vielen Debatten nicht ausmalen, wie deutsche Unis Dauerstellen schaffen sollten, die leichter zugänglich als Professuren sind und dieselben zentralen Forschungsprivilegien haben (genug Zeit, nicht weisungsgebunden). Da sehe ich eher die W2 ohne große Ausstattung als Zukunftsmodell, ggf. via TT von einer W1. Das geht und gibt es schon jetzt. Die Frage, warum die Anforderungen dafür so hoch sind, müsste man analog auf kommende Dauerstellen anwenden, denn auch dort sollte in offenen, transparenten Verfahren Bestenauslese stattfinden. Bewerbungen müssten wohl auch für 40-jährige möglich sein, die wohl oft schon mehr Leistung erbracht haben, also bevorzugt eingestellt werden. ...

#13 -

na ja | Di., 16.05.2023 - 15:23
@na ja? Nein, kein empirischer Beleg außer 30jähriger eigener Erfahrung im System und der 30 jährigen Erfahrung der ca 50 Kollegen in D, mit denen ich mich dazu austausche.
Beobachtet wird eine gnadenlose Selbstüberschätzung vieler Mitarbeiter, die positiv korreliert mit Forderung nach Dauerstelle, Gefühl der ungerechten Behandlung, Vorwurf des Machtmissbrauchs etc.

#14 -

Tobias Rosefeldt | Di., 16.05.2023 - 17:03
zwei Kommentare:



1.Die Frage, ob 31% Erfolgswahrscheinlichkeit hoch oder niedrig sind, lässt sich sinnvoll nicht unabhängig von der Frage diskutieren, von welchem Karrierestadium wir hier reden. Unsere Zahl handelt von der Erfolgswahrscheinlichkeit am Ende der Postdoc-Phase, die in D mit einem Lebensalter von um die 40 korreliert. Ich finde es unbestreitbar, dass 69% rauswerfen an dieser Stelle der Karriere schlicht unakzeptabel ist. Das ist damit vereinbar, dass direkt nach der Promotion vermutlich eine noch geringere Übernahmequote in die akademische Laufbahn herrscht.



2. Werden die Overheads laut Wissenschaftsrat nicht für anderes gebraucht. Wenn Sie die Hochschulen fragen, werden die immer schreien, ...

#15 -

Günther Liebscher | Di., 16.05.2023 - 19:53
Ich bin mir nicht sicher inwieweit der kindliche Umgang mit dem Wahrscheinlichkeitsbegriff, der hier gepflegt wird, hilfreich ist. Genau genommen setzt die Annahme einer solchen Wahrscheinlichkeit implizit die gleiche Häufigkeit aller möglichen Ereignisse voraus. Nur: Wir leben nicht in einer Welt in der alle Postdocs zum 40. Geburtstag einen Würfel geschenkt bekommen und nach einem Wurf die Zahlen 1 und 2 gegen eine Dauerstelle eintauschen dürfen. Wir leben in einer Welt in der nicht zuletzt Professoren nach Gutsherrenart entscheiden können, wie viele 1 und 2 auf dem Würfel sind, Frauen und Menschen mit Sorgeverpflichtungen gleich Mal pauschal einen Malus bekommen, ...

#16 -

Friedhelm Nonne | Di., 16.05.2023 - 20:08
Die grundsätzlichen Ziele wird jeder unterschreiben: Durchschnittliches Alter beim Erreichen einer Dauerstelle senken, Zahl der Dauerstellen erhöhen, Relation zwischen befristeten Postdoc-Stellen und unbefristeten Wissenschaftler*innenstellen zugunsten der unbefristeten Stellen verändern. Aber die Autor*innen drücken sich vor den unangenehmen Konsequenzen dieser Forderungen: Es kann nur funktionieren, wenn die Hochschulen befristete Stellen der Grundausstattung in unbefristete Stellen umwandeln, also Reduktion der Zahl der universitären Doktorand*innen und Postdoc-Stellen! Und außerdem müssten klare Schranken für die Gesamtbefristungsoptionen (also einschließlich Drittmittelbefristungen) pro Wissenschaftler*in festgelegt werden. Beides ist unpopulär, und da kneifen auch Amrei Bahr et al. und flüchten sich in die vage Formulierung, es "müssen verbindliche ...

#17 -

Dora | Di., 16.05.2023 - 20:47
"Deutschland ist das Land der exzessiven Postdoc-Befristung".

Kann man so sehen, aber immerhin gibt es Postdocs noch länger. In Schweden wird man nach 2-3 Jahren fuer immer rausgekickt. Da wird noch viel schneller ausgetauscht. Alleine schafft man es so nicht auf eine Prof. Da gibt es viel Nepotismus, fake Ausschreibung, wenig Diversitaet.

Alles ist relativ. Obwohl ich die Dauerbefristung auch nicht gutheisse, ist es so besser als in anderen Ländern.

Bottom line ist: Wissenschaft ist unterfinanziert. Die meisten Profs sind alte, weisse Männer, machthungrig, die nicht teilen können.

Die Autoren sollten dafür kämpfen, dass sich die Situation in Deutschland verbessert ...

#18 -

Dora | Di., 16.05.2023 - 20:51
@Liebendoerfer:
"Die Postdoc-Phase ist von Wechseln geprägt, was für das Wissenschaftssystem fruchtbar ist."
Beweisen Sie das bitte. Das stimmt nicht, es ist sogar kontraproduktiv. Das zeigt die Academic crisis list.

#19 -

Dora | Di., 16.05.2023 - 20:54
@Liebendoerfer:" Jedenfalls müsste verhindert werden, dass man ein Drittmittelprojekt abbricht, weil Personal zur Halbzeit geht (z.B. auf eine Professur) und man die Stelle faktisch nicht nachbesetzen kann. "
Bitte was?!
Sie wollen jetzt Leute in befristeten Vertraegen festhalten, damit das einem Prof in den Kram passt? Dann bieten Sie Dauerstellen an. Ihre Einstellung zeigt eindeutig survivorship bias.

#20 -

Hannes | Mi., 17.05.2023 - 02:48
Es fehlt an Geld. So wird es schwer mit mehr Dauerstellen aktuell. Unis wollen billige Arbeitskräfte, die sie verheizen können.

Meine Vermutung:

Eine maximale Befristung kommt, aber in Zukunft wird es eine PhD-Inflation geben, weil Postdoc nur noch 3 Jahre dauern kann.

Drittmittel werden beliebter, sie bringen overhead mit, der wichtig für die Uniadministration ist.

Dann hat #ichbinhanna nichts gewonnen.



Sparmöglichkeiten sehe ich bei den Unis, indem sie ihren Administrationsapparat deutlich reduzieren.

#21 -

oh je | Mi., 17.05.2023 - 03:08
@Dora: Sie schreiben "Die meisten Profs sind alte, weisse Männer, machthungrig, die nicht teilen können."

Was für ein Schmarren! Was für eine Aggression! Was für ein Ressentiment! Vielleicht gelingt es Ihnen einmal, ein Argument beizubringen. Bis dahin herzliche Grüße.

#22 -

Michael Liebendörfer | Mi., 17.05.2023 - 13:15
@Dora

Wechsel in der Postdoc-Phase können sehr hilfreich sein, um andere Systeme kennenzulernen. Da geht es um den Austausch von Methodenkenntnissen, um die Auseinandersetzung mit anderen Ansichten und in der Lehre ganz stark um andere Arten von Veranstaltungen, andere Inhalte, usw.

Einen Beweis kann ich nicht liefern, nur meine persönliche Einschätzung. Mehr wollte ich aber auch nicht geben und ich glaube, auch ihre Beiträge fußen nicht auf objektiven Beweisen. So ist das eben in der Debatte.



Über natürlich dürfen Mitarbeitende kündigen. Das habe ich auch nicht anders geschrieben. Mir geht es nur um die Lösung eines möglichen Problems hinsichtlich der ...

#23 -

Penny Woeful | Mi., 17.05.2023 - 23:27
@oje #21: absolut.



Der Punkt im Artikel zu den Overheads, die "ausschließlich zur Finanzierung der Mehrkosten eingesetzt werden dürften, die durch Umwandlung bisheriger befristeter in unbefristete Stellen entstehen." Da hat man doch wieder das Problem, dass die Mittel, auch die Overheads, befristet an die Unis kommen. Wie soll man bei dieser Unsicherheit aus den Mitteln unbefristete Stellen bezahlen? Und wie werden Infrastrukturkosten bezahlt, wenn nicht aus den Overheads, die dafür eigentlich da sein sollten?

#24 -

SP | Do., 18.05.2023 - 12:17
Mir fehlen Konzepte zum Umgang mit der Vetternwirtschaft, die im Wissenschaftsbetrieb leider sehr verbreitet ist. Wie kann verhindert werden, dass im geplanten System (in dem Stellen eigentlich noch knapper werden), nur diejenigen zum Zug kommen, die einen mächtigen Fürsprecher (ja, meist ein Mann!) haben?

Es geht bei der Reform nicht nur um die rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch die Rekrutierungspraktiken müssen geändert werden. Entfristete Stelle sollen mit ähnlichen Verfahren besetzt werden, wie bei einer Professur, samt Ausschluss aufgrund von Interessenskonflikten.



Dass auch hier weiterhin für eine Verkürzung der Befristungsdauer nach der Promotion geworben wird, lese ich inzwischen als Interessenspolitik der fortgesschrittenen Post-Docs. ...

#25 -

#24 | Fr., 19.05.2023 - 12:56


Ich bin sehr froh, dass sich endlich mal jemand aus Ihrer Gruppe meldet. Leider kann ich Ihrer Einschätzung nur zustimmen.



Die im Artikel genannten Ideen halte ich für irgendwas zwischen naiv und unüberlegt. Das Gesetz wird beschlossen werden, und danach werden die Länder die Etats nicht erhöhen (warum auch, Studierendenzahlen gehen ja runter). Es wird 2-3 Jahrgänge PostDocs mit besseren Chancen auf Entfristung geben, danach viele Jahre deutlich schlechtere. Es jedenfalls meine Prognose.



Und wenn es neue Stellen geben wird - dann dort, wo Politik einen Beitrag zu Wirtschaft und Innovation erwartet, sicher viel im MINT Bereich. Das wird den ...

#26 -

Dr. Josef König | Fr., 19.05.2023 - 14:28
Hanno Sauer bringt in seinem Buch "Moral. Die Erfindung von Gut und Böse" eine gute Zeitdiagnose - hier in einer noch lesenswerten Menge zitiert:

"Die vehemente Forderung nach sozialer Gerechtigkeit ist vor allem für abgehängte Eliten attraktiv, die die sozial destablisterenden Effekte progressiven Jargons als willkommenes Ventil dafür begrüßen, die eigenen Statusenttäuschungen auszudrücken. Manchmal kommt es in einer Gesellschaft aus strukturell demografischen Gründen zu Phasen der Elitenüberproduktion. Eine ganze Kohorte bestens ausgebildeter, intellektuell schwer bewaffneter und von hohen elterlichen Erwartungen erdrückter junger Menschen betritt die Erwachsenenwelt mit großen Hoffnungen und glänzenden Universitätsabschlüssen, nur um festzustellen, dass das Licht am Ende ...

#27 -

Ergänzung | Fr., 19.05.2023 - 14:39




... und man möchte ergänzen: Niemand wird zum Unterschreiben eines (befristeten, kurzzeitigen, teilzeitigen, ...) Vertrags an einer Forschungseinrichtung gezwungen. Spätestens nach der Promotion sollte man wissen, auf was man sich dabei einlässt. Wenn man mal ein paar Jahre mit Bewerbungen auf feste Stellen scheitert aber unverdrossen Anschlussverträge unterschreibt, zeugt das von hoher Motivation, aber es ist eine eigene Entscheidung, für die die Gesellschaft nicht einfach so in Haftung genommen werden sollte.



Andersherum müssen die Universitäten Bewerbungen von diesen Personen berücksichtigen und sie auch auch anstellen, wenn das Prinzip der Bestenauslese nicht aufgegeben wird. Man darf denen nicht einfach erklären: Sorry, ...

#28 -

Maja Kranz | Fr., 19.05.2023 - 20:50
Der Artikel reiht sich ein in die vielen ideologisch motivierten Wunschkonzerte ein.



1. Vor allem die verfassungsrechtliche Argumentation erschließt sich überhaupt nicht. Auch in ihrer Funktion der Grundrechte als Teilhaberechte ergibt sich KEIN ANSPRUCH auf Einrichtung zusätzlicher Dauerstellen. Auch wenn natürlich jede zusätzliche wissenschaftliche Dauerstelle für die Gesellschaft ein Gewinn wäre, so ist der Haushaltsgesetzgeber doch frei. Worin im Übrigen die Verfassungsrechtswidrigkeit der Qualifizierungsbefristung liegen sollte, wird im Artikel nichts erläutert. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits klar anders entschieden. Das darf in einer seriösen Auseinandersetzung nicht ignoriert werden.



2. Der Wissenschaftsrat hat die Verdoppelung der Overhead Pauschalen gefordert, weil in dieser ...

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