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Happy End im Horizon-Krimi (diesmal wirklich!)

Weißer Rauch zwischen London und Brüssel: Das Vereinigte Königreich rückt zumindest forschungspolitisch wieder ganz nah an Europa. Ein Gastbeitrag von Jan Wöpking und Yannick Bauer.

Campus der Universität OxfordFoto: George Hodan, CCO

GUTE NACHRICHTEN für die Wissenschaft in Deutschland, Großbritannien und Europa: Der Weg zur Assoziierung des Vereinigten Königreiches zu Horizon Europe ist frei. Bereits im Juli hatte es im Vorfeld des NATO-Gipfels in Vilnius Anzeichen für eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU-Kommission gegeben. Nun ist der Durchbruch wirklich erzielt.  

 

Damit gehen Jahre des Wartens zu Ende. Großbritannien wird wieder Teil von Europas Forschungsflaggschiff – was auch die Unsicherheit in Deutschland beendet: Großbritannien und die Bundesrepublik waren in den bisherigen europäischen Forschungsprogrammen ihre jeweils wichtigsten Kooperationspartner. Ohne Assoziierung wäre das nicht mehr möglich gewesen. Jetzt stehen die Türen wieder offen für die Zusammenarbeit mit Oxford, Leeds oder Edinburgh.

 

Auch für die strategische Souveränität Europas ist die Assoziierung von höchster Bedeutung. Im wissenschaftlichen Wettrüsten zwischen den Schwergewichten USA und China kann sich Europa eine Zersplitterung seines Wissenschaftsraums schlicht nicht leisten. Drängende globale Herausforderungen wie die Klimakrise oder die Gestaltung der Disruptionen durch KI sind nur im Rahmen internationaler Kooperationen zu meistern. Dafür ist die enge Zusammenarbeit der gesamteuropäischen Wissenschaft unverzichtbar. Horizon bietet dafür eine ideale Grundlage.

 

Der erfolgreiche Ausgang der Verhandlungen enthält auch eine wichtige Erkenntnis für die Forschungscommunity. Universitäten und Forschungsinstitute auf beiden Seiten des Ärmelkanals sind nicht müde geworden, die vollumfängliche Assoziierung immer und immer wieder einzufordern, auch als kaum noch jemand an einen Erfolg glauben mochte. Am Ende hat auch diese Beharrlichkeit dazu beigetragen, dass realpolitische Vernunft über Ideologie gesiegt hat. Wichtig war ebenfalls, dass Bundesregierung, Forschungsministerium und Parlament von Anfang an klar für die Assoziierung eingetreten sind. 

 

Genauso wie die Verbände britischer und deutscher Spitzenuniversitäten, die Russell Group und German U15. Sie kommen schon in der nächsten Woche zu einem hochrangigen Delegationstreffen an der Universität Hamburg zusammen und werden dort besprechen, wie sich die Assoziierung schnellstmöglich praktisch in neue Forschungskooperationen umsetzen lässt.

 

Ein wissenschaftspolitischer Krimi auf Europas Bühne ist jetzt zu Ende. Doch nach der Party ist vor dem nächsten Kraftakt. Die Assoziierung der Schweiz steht weiter aus. 

 

Jan Wöpking ist Geschäftsführer des Universitätsverbunds German U15, Yannick Bauer dort politischer Referent.


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Kommentare: 2
  • #1

    A. Freund (Donnerstag, 07 September 2023 19:17)

    Na endlich.

    Aber eines muss klar sein: Der Hauptgrund für diesen Schritt der Regierung des Vereinigten Königreichs ist nicht ihre Liebe zu Horizon Europe, sondern die überwältigenden Forderungen der Wissenschaft und Industrie des Landes nach einer Assoziierung und die schlechte Haushaltslage des Vereinigten Königreichs. Premierminister Sunaks "Plan B" für ein UK Programm, das dem von Horizon Europe ähnelt hätte, das Pioneer-Programm, wird von vielen Parlamentariern der Regierung nach wie vor sehr geschätzt. Doch allmählich begreift die herrschende Gesellschaft im Vereinigten Königreich, dass wir uns im Jahr 2023 befinden und dass das Land nicht mehr in der Lage ist, "Alleingänge" zu unternehmen, und dass die einzige Möglichkeit, in der Weltpolitik, in der Forschung oder in der Wirtschaft wirklich mitzubestimmen, darin besteht, sich mit seinen wichtigsten Partnern zu verbünden.

    Wie auch immer, wie ihr Deutschen sagen: "Ende Gut, alles Gut!".

  • #2

    Charles Ryder (Mittwoch, 13 September 2023 16:02)

    Wirklich großartige Neuigkeiten für alle, denen die Zukunft Europas am Herzen liegt.

    Wir Deutschen sagen zwar "Ende gut, alles gut", aber von wem haben wir das natürlich? Von Shakespeare. Auch das mal wieder ein Beispiel für die vortreffliche deutsch-britische Zusammenarbeit. :-)