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Um zu lernen, nicht um zu beschuldigen

Die Debatte um die internen RKI-Protokolle zeigt: Die Aufarbeitung der Pandemiepolitik hat sich noch längst nicht erledigt. Sonst überlässt man den Rechtspopulisten das Feld.

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Artikelbild: Um zu lernen, nicht um zu beschuldigen

Illustration: Gerd Altmann / Pixabay.

WAS BLEIBT nach der teilweise erregten Debatte über die vom rechten Onlinemagazin Multipolar herausgeklagten Protokolle des Corona-Krisenstabs am Robert-Koch-Institut (RKI)? Bei mir als einer, der sich in der Corona-Zeit teilweise sehr kritisch mit den Bekämpfungsstrategien von Bund und Ländern auseinandergesetzt hat, mit deren empirischen Grundlagen und ebenso mit der Rolle der Medien, vor allem dieses: ein ungutes Gefühl, viel Nachdenklichkeit und ein paar Fragen.

Ein ungutes Gefühl: Die juristische Auseinandersetzung um die Veröffentlichung, die zahlreichen Schwärzungen in den dann herausgegebenen Unterlagen wie auch die zunächst sehr defensive Reaktion vor allem aus Reihen der SPD und der Grünen haben einer publizistisch bislang eher unbedeutenden Website zum großen Auftritt verholfen, die in ihren Beiträgen immer wieder zwischen Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien changiert, aber schon in einer solchen Beschreibung durch andere Medien eine "Anordnung" von wo auch immer vermutet.

Warum, müssen sich die klassischen Medien fragen lassen, haben sie nicht selbst eine solche Hartnäckigkeit an den Tag gelegt, um mehr über das Krisen-Handling im RKI zu erfahren ...

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Kommentare

#1 -

tutnichtszursache | Do., 28.03.2024 - 11:56
Herr Wiarda, Sie hatten damals einfach nur Recht, kritische Fragen an die aktuelle Coronapolitik zu stellen. Ich, wie so viele andere, hielt diese für alternativlos, zu unrecht, wie sich herausgestellt hat, schon vor den RKI-Files.

Warum sind wir so unkritisch geworden? Meine Hypothese, und ich kann hier nur für mich sprechen: Die Angst, als "rechts" gebrandmarkt zu werden, sobald man aus dem engen Meinungskorridor aus Leitmedien & Regierungspolitik heraustritt, ist einfach zu groß. Sozusagen eine rein gefühlte Schere im Kopf, eine self-cancelling-culture. Wahrscheinlich wäre das gar nicht nötig, und wir alle müssten einfach etwas mutiger sein, wenn wir gefühlt "abweichende" ...

#2 -

Hans Bernert | Do., 28.03.2024 - 01:00
"[...] weder die Politik noch die Medien" — hinzufügen könnte man, daß auch "die Wissenschaft" selbst, also etwa die vermeintlich oder tatsächlich marginalisierte Soziologie oder von mir aus auch die Zeitgeschichte, scheinbar nur eher zögerlich mitzieht in diesem Reflexionsprozeß, was im deutschen Sprachraum vermutlich auch daran liegt, daß von den sichtbareren Fachvertreter_innen eigentlich niemand einschlägige Spezialisierungen mitbrachte oder mitbringt. (Ausnahmen wie A. Bogner bestätigen vermutlich die Regel). Oder vielleicht liegt die Kultivierung derartiger Expertise überhaupt etwas brach.

#3 -

Django | Do., 28.03.2024 - 17:36
Ein wichtiger Satz: "warum in der Öffentlichkeit "der Eindruck oder das Gefühl entstehen konnte, man dürfe die Maßnahmen nicht kritisieren"."



Dieser Eindruck wird leider gerade von den sog. Qualitätsmedien immer wieder mal vermittelt. Die Themen sind vielfältig, mir fallen spontan die Osterweiterung von NATO und EU und die Euro-Einführung ein. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch viele Zeitungen haben sich bei diesen Themen ohne Not in eine unkritische Position gebracht und die "Heilsbotschaft" der Regierenden übernommen. Dass man mit NATO-Osterweiterung zumindest unsensibel bzw. unklug mit russischen Positionen umgegangen ist - kein Thema. Dass mit dem Euro eine Reihe sehr unterschiedlich strukturierter ...

#4 -

Norbert | Mo., 08.04.2024 - 17:49
Ich finde Ihre fünf Fragen zur Aufarbeitung sehr plausibel und auch Ihre Schlussfolgerungen für die Zukunft. Ich war sehr beeindruckt damals, wie klar und sachlich Sie Ihre Kritik an der Schließung von Kindergärten und Schulen vorgebracht haben. Da müssen Sie sehr viel Gegenwind erhalten haben. Chapeau!

Eine Frage nur: Auf welcher Basis schreiben Sie denn das Multipolar ein "rechtes" Magazin ist? Einer der Gründer, Paul Schreyer, hat sich meines Wissens nach lange an 911 abgearbeitet und da auch (in meinen Augen) Verschwörungstheorien verbreitet. Aber als "rechts" würde ich diese dennoch nicht ansehen - eher antiamerikanisch (und das war meines Erachtens ...

#5 -

M Schmidt | Do., 25.04.2024 - 08:38
Eigentlich müsste es bei der Aufarbeitung der Corona-Politik darum gehen, zu klären, warum Europa (und darunter Deutschland) so schlecht waren, d.h. so viele Menschen starben.
Die Antwort dürfte sein, dass die Maßnahmen viel zu weich waren; Ihren 5 Punkten sollten also ähnlich viele, diametral andere Punkte entgegen gestellt werden.

#6 -

O. Falada | Fr., 26.04.2024 - 01:12
Müssten wir uns nicht auch fragen, weshalb wir so wenig Geld in sinnvolle Maßnahmen investiert haben? Beispielsweise in die Verstärkung der IT, um die das RKI Anfang 2020 gebeten hatte? Damit wären sicherlich auch bessere Auswertungen möglich gewesen. Oder in Luftfilter in Schulen, Universitäten, Kindergärten, sozialen Einrichtungen (für Alte, Pflegebedürftige, Behinderte, Jugend, Kinder ...)?

Dass der Krankenstand auch nach dem in Deutschland ausgerufenen Ende der Pandemiebekämpfung (sic) unaufhörlich weiterhin steigt, kommt ja nicht von Ungefähr, sondern ist Resultat der Weigerung, uns um die Gesunderhaltung in unserer Gesellschaft zu kümmern und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

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