"Bildungsgerechtigkeit ist eine Überlebensfrage"
Was heißt Bildungsgerechtigkeit im Alltag? Die Bildungsforscherin Sabine Doff suchte in Bremer Schulen nach Antworten. Entstanden ist eine einzigartige Ausstellung über Schüler, Lehrkräfte und Pädagoginnen – und ihre Erwartungen an Schule im 21. Jahrhundert.
Frau Doff, unter der Überschrift "Unlock the Future" haben Sie eine Wanderausstellung zur Bildungsgerechtigkeit konzipiert, die Wissenschaft und Kunst miteinander kombiniert. Kern der Ausstellung sind zwölf Schulen aus Bremen. Ausgerechnet das Bundesland, das in nationalen Bildungsvergleichen fast immer hinten liegt?
Unbedingt! Weil diese zwölf Schulen es trotzdem versuchen – unter bundesweit besonders schwierigen Bedingungen. Bildungsgerechtigkeit ist an diesen Schulen kein theoretisches Konzept, sondern eine Überlebensfrage. Und das macht ihren Umgang damit so bemerkenswert.
Sie sind Sprachdidaktikerin an der Universität Bremen und waren viele Jahre lang wissenschaftliche Direktorin im Zentrum für Lehrerinnen-/Lehrerbildung und Bildungsforschung. Was genau wollten Sie an den Schulen herausfinden?
Mich hat interessiert, wie der oft bemühte Begriff "Bildungsgerechtigkeit" in der Schulpraxis ankommt. Wie übersetzen Lehrer:innen und Schulleitungen dieses Schlagwort in ihr tägliches Handeln? Und wie priorisieren sie das – gerade in Zeiten knapper Ressourcen? Dafür habe ich ein möglichst breites, repräsentatives Spektrum an Schulen in Bremen und Bremerhaven ausgewählt: von der Grundschule bis zur Berufsschule, staatlich und privat, mit und ohne Startchancen-Förderung.
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Kommentare
#1 - Bildungsgerechtigkeit
Was die Bildungsgerechtigkeit betrifft, so hat Prof. H.A.Pant in der FAZ schon detailliert dargelegt, welche drei Arten es so gibt und dass die eben nicht äquivalent sind:
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hans-anand-pant-im-interview-was-ist-in-der-bildung-eigentlich-gerecht-18850523.html
Typisch ist: Alle reden über Bildungsgerechtigkeit, aber kaum jemand sagt, was er genau damit meint. Frau Doff meint offenbar: "Das Ziel: Alles, was außerhalb der Schule passiert, soll irrelevant sein für den Lernerfolg des Kindes." Das steht so oben im Artikel. Ist das ernst gemeint? Private Aktivitäten gelten als "ungerecht"?
Oft wird darunter eine geringe Varianz bei den Schulleistungstests verstanden, große Unterschiede gelten als ungerecht. Andererseits haben nach PISA ca. 85 % ...
#1.1 - Aw.: #1 - Bildungsgerechtigkeit
Vielen Dank für den Gedankenanstoß Herr Kühnel. Ich finde auch, dass Bildungsgerechtigkeit nicht leicht zu definieren ist. Allerdings bin ich bei der Interpretation der 85 % bzw. 15 % etwas zurückhaltend.
Die Aussage, dass „85 % der Leistungsunterschiede andere Ursachen haben“, kann falsch verstanden werden. Denn das klingt so, als hätte die soziale Herkunft nur einen kleinen Einfluss auf den Bildungserfolg, was so nicht stimmt. Die 15 % (bzw. 18 % in Deutschland) geben nur an, wie viel der Leistungsunterschiede sich direkt durch messbare Merkmale des sozioökonomischen Hintergrunds erklären lassen. Also etwa Bildungsstand, Beruf oder Einkommen der Eltern.
Aber: Die übrigen 85 % sind damit nicht ...
#1.1.1 - Zu #1.1
Sicher ist das, was Sie sagen, auch irgendwie richtig, das bestreite ich nicht. Aber es ist auch irgendwie vage ("... ist daher wahrscheinlich größer ..."), und außerdem gilt es in den anderen Ländern auch, mit denen da verglichen wird, aber kaum überall in gleicher Weise. Entscheidend aber ist die Differenz zu den anderen. "Ungerecht" ist auch nicht dasselbe wie Ihr Schlusswort "selektiv", denn eine Selektion kann auch gerecht und ohne Willkür vonstatten gehen, etwa bei Wettbewerben.
Der Tenor in der veröffentlichten Meinung ist nun mal: "PISA hat gezeigt, dass in kaum einem anderen Land der Bildungserfolg so sehr von der ...




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