"Wir wollen Streber werden"
Bremens Bildungssenator Mark Rackles über neue verbindliche Bildungsziele und seinen Fünfjahresplan bis 2031, über den Mut zum Andersmachen in den Schulen – und die Arbeitszeit von Lehrern.

Mark Rackles (SPD) war von 2011 bis 2019 Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung. Seit 2025 ist er Senator für Kinder und Bildung der Freien Hansestadt Bremen. Foto: SKB-Fotoarchiv Bremen / Michael Schnelle.
Herr Rackles, nur vier Monate nach Ihrem Amtsantritt als Bremer Schulsenator haben Sie gerade eine "Offensive für mehr Schulqualität" präsentiert, bestehend aus vier konkreten und messbaren Zielen bis 2031, sieben Handlungsfeldern und 50 Einzelmaßnahmen. Wieviel von diesen umfangreichen Plänen ist überhaupt schon Mark Rackles?
Vieles war in der Behörde schon vorher in Arbeit, einiges haben wir nach meinem Start geschärft, ein paar Dinge neu aufgesetzt. Aber der Grundansatz, dass wir verbindlicher werden wollen, dass wir uns messen lassen wollen, der ist wirklich neu. Der ist Mark Rackles. Auch dass wir als Behörde künftig bereit sein wollen, unsere Fehler zu benennen. Denn nur was man klar benennt, kann man auch angehen.
Ist das Mark Rackles oder eher die Bremer Version des Konzepts "Bessere Bildung 2035", das drei Landesbildungsministerinnen Anfang 2025 präsentiert haben?
Ich habe den Aufschlag der drei damals mit großem Interesse verfolgt, ich war zu der Zeit in Lateinamerika. Dass es länder- und parteiübergreifend diese Initiative gab, unter anderem von Karin Prien, die heute Bundesbildungsministerin ist, war bemerkenswert. Der zentrale Punkt lautete: Wir brauchen quantitative, überprüfbare Ziele. Dass man über deren Auswahl und Erreichbarkeit streiten kann – geschenkt. Aber dass man überhaupt Ziele formuliert – auf den drei Ebenen Mindeststandards sichern, Regelstandards stärken, Optimalstandards ermöglichen –, das fand ich schon als Beobachter entscheidend und plausibel. Als Senator habe ich jetzt die Chance, das auf Bremen zuzuschneiden. Ergänzt um ein viertes Ziel, das ich angesichts unserer Situation für passend halte: dass wir bis 2031 die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss um 30 Prozent senken.
"Wenn man dauerhaft in allen Bildungsvergleichen auf dem
letzten Platz steht, muss man irgendwann neue Wege gehen."
Bremen als Vorreiter eines bildungspolitischen Ansatzes, den Karin Prien in ihrer neuen Rolle gern allen Ländern schmackhaft ...
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Kommentare
#1 - Ermutigend
Lieber Herr Wiarda,
dies ist doch mal wieder ein ermutigender Beitrag, bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen!
Beste Grüße
René Krempkow
#2 - pädagogische Wende?
"Eine irritierende Begegnung gab es mit der Berliner Schulaufsicht. „Die Damen und Herren waren immer sehr irritiert, wie leise es in unserer Schule war, und überhaupt hat sie das alles gestört: Die Betonung der Pünktlichkeit, das Wiederholen, das Üben, das galt alles als überholt. Wir bekamen schlechte Noten“, so Rudolph gegenüber der „Welt“.
Selbst die überdurchschnittlichen Leistungen der sehr gemischten Schüler seien nicht als Stärke der Schule bewertet worden. „Als wir dann die Schulinspektion fragten: Warum haben Sie die Schülerleistungen nicht als Stärke unserer Schule in Ihren Bericht geschrieben, war die Antwort eines Inspektors: „Das ist egal“."
Quelle: https://www.focus.de/politik/deutschland/er-war-rektor-an-brennpunktschule-leistungsgedanke-ist-abgeschafft-ex-schulleiter-rechnet-mit-bildungssystem-ab_id_259512932.html
Nicht ...
#3 - Neuigkeiten?
Ich vernag keine Neuigkeiten zu erkennen, vielleicht für Bremen. Aber die Schlagworte sind spätestens seit PISA, Thimms usw. bekannt. Warten wir mal ab, was in 5 Jahren sein wird. Solange die BMK (ehem. KMK) nicht stärker agiert, sehe ich auch keinen Fortschritt. Vielleicht gelingt es Frau Prien, ihre Ex-KollegInnen aufzumischen.
#4 - Positive Veränderung
Guter konzeptioneller Ansatz von Senator Rackles. Gleichzeitig: Wie haben Lernende und Lehrkräfte an der Erarbeitung der Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen mitgewirkt?
Veränderung entsteht nicht über Verordnung sondern über Beteiligung.
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