Ohne Struktur keine Qualität
Warum es irreführend ist, Personalschlüssel und Prozessqualität in Kitas gegeneinanderzustellen – und was Studien zu kleinen Gruppen tatsächlich zeigen. Eine Replik auf Ties Rabe von Dieter Dohmen.

Symbolbild: freepik.
VERGANGENE WOCHE hat sich Hamburgs früherer Schulsenator Ties Rabe im Wiarda-Blog kritisch mit der letzten Studie der Bertelsmann-Stiftung zu den Personalschlüsseln im Kita-Bereich auseinandergesetzt. Er warnte davor, von ungünstigen Personalschlüsseln "einfach" auf unzureichende Qualität zu schließen. Man brauche eine andere Qualitätsdiskussion.
Ich bin mit Ties Rabe einer Meinung, dass wir über bessere Kita-Qualität und hierbei insbesondere über die Rolle der Prozessqualität sprechen müssen: Die Prozessqualität ist der zentrale Faktor guter frühpädagogischer Arbeit. Prozessqualität betrifft das pädagogische Interagieren, Begleiten, Unterstützen und Fördern frühkindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse.
Personal- oder Erzieher-Kind-Schlüssel sind Teil der sogenannten Strukturqualität, die die Rahmenbedingungen für pädagogisches Handeln setzt. Rabe wiederholt in seinem Beitrag die häufig vertretene These, dass es keine empirische Evidenz für positive Effekte kleinerer Gruppen oder besserer Erzieher-Kind-Schlüssel auf die (Kompetenz-) Entwicklung von Kindern gebe. Und bezieht sich dabei auf John Hatties Meta-Analysen für den Schulbereich.
Die Frage, ob kleinere Klassen zu besseren Leistungen führen, wird seit langem kontrovers diskutiert. Ich war vor einiger Zeit Mitglied einer hochrangigen EU-Expertengruppe "Quality Investment in Education" ...
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Kommentare
#1 - Qualität in der Bildung
Man muss die Hattie-Studie nicht mögen, kann die Methode kritisieren, die Orientierung am angelsächsischen Schulsystem hinterfragen. Aber man sollte die Ergebnisse nicht umdeuten. Unter 252 Einflussfaktoren für gute Bildung rangiert die Klassengröße (bzw. der Personalschlüssel) auf Platz 220. 219 andere Faktoren sind für die Bildung unserer Kinder wichtiger als der Personalschlüssel. Ich werbe dafür, diese wichtigen 219 Faktoren endlich auch in den Blick nehmen. Das würde unseren Kindern gut tun. Schade, dass diese wichtige Diskussion seit Jahren mit großer Beharrlichkeit verweigert wird.
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