Direkt zum Inhalt

Wofür das Land sein Geld ausgibt

Die Bundesregierung hat die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 und die Planung für die Folgejahre beschlossen: Mehr Verteidigung, mehr Schulden, keine Priorisierung von Forschung und Bildung, dafür aber Erleichterung in Sachen BAföG. Eine erste Analyse.
Geldstapel

Illustration KI-generiert.

ZUERST DIE GUTE NACHRICHT: Union und SPD haben sich auf die Finanzierung der im Koalitionsvertrag versprochenen BAföG-Reform geeinigt. Die Verständigung ist Teil der Eckwerte des Bundeshaushalts 2027, den das Bundeskabinett am Mittwochvormittag beschlossen hat. Damit kann die schon für August geplante Erhöhung der Wohnkostenpauschale als erster Schritt der Reform kommen – ein Gesetzgebungsverfahren vorausgesetzt, das aufgrund des monatelangen Streits grenzwertig schnell durchgezogen werden muss.

Ansonsten fallen die schwarz-roten Beschlüsse zum nächsten Bundeshaushalt und zur Finanzplanung bis 2030 wie befürchtet ernüchternd aus: Auch relativ zu anderen Ministerien ist von einer Priorisierung von Forschung und Bildung in der Krise wenig  zu erkennen. 

Wofür es mehr Geld gibt – und wofür nicht

  1. Es gibt nur zwei sogenannte Einzelpläne mit drastischen Aufwüchsen: das Budget des Verteidigungsministeriums – und die Ausgaben für den Schuldendienst . Der Verteidigungsetat steigt von rund 15,8 Prozent Anteil am Gesamthaushalt 2026 auf 28,8 Prozent im Jahr 2030, der Schuldendienst von etwa 6,4 auf 13,4 Prozent. 2027 hat das Verteidigungsministerium von Boris Pistorius bereits 105,8 Milliarden Euro in seinem Einzelplan stehen, 2030 sollen es 179,9 Milliarden sein. Die Ausgaben für die Bundesschuld sollen sich innerhalb von drei Jahren fast verdoppeln: von 44,4 Milliarden Euro 2027 auf 83,8 Milliarden 2030. Wobei die Zinsunsicherheiten enorm sind: Mit steigender Inflation könnten sie noch höher werden. Beide Posten, für Verteidigung und für den Schuldendienst, wachsen damit nicht nur absolut massiv, sondern dominieren zunehmend die Haushaltsstruktur. Deutliche Zuwächse haben außerdem einige andere große Ressorts wie Inneres, Arbeit und Soziales oder Bauen, die sich sowohl kurzfristig als auch im Finanzplan besser entwickeln als etwa BMFTR und BMBFSFJ. Ein Plus inmitten des Sparkurses genehmigen sich auch die Häuser von Friedrich Merz und Lars Klingbeil. Deutlich runter geht es für das Gesundheitsministerium (Stichwort Gesundheitsreform) und auch – angesichts der internationalen Krisenlage eine fast schon beschämende Depriorisierung – für den Haushalt ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Roman Held | Mi., 29.04.2026 - 19:42

Es klingt nach einer Hiobsbotschaft, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in beiden Ministerien im neuen Haushalt sinken und sich die größeren Haushaltsausgaben der Bundesregierung an anderen Prioritäten orientiert. 



Aber eine Konsolidierung der Forschungslandschaft in Deutschland ist dringend nötig. Von Hochschulen über Technische Universitäten bis hin zu Fraunhofer und anderen Großforschungseinrichtungen. Zuviel oft redundante Doppelforschung im Bund und in den Ländern mehrfache Bau- und Infrastrukturausgaben für gleiche Technologiezentren und viel zu geringe Transfererfolge in die Wirtschaft. Gerade die angewandte Forschung ist oft zu träge und zu bequem sich den Nöten der Unternehmen anzunehmen und der Wirtschaft durch gezielte Unterstützung ...

#2 -

David J. Green | Di., 05.05.2026 - 11:29

Vielen Dank für diesen interessanten Überblick.

Bildung und Forschung sind unerlässliche und renditestarke Invesitionen für unseren langfristigen Wohlstand: und es ist wiederum dieser Wohlstand, der uns den Sozialstaat und den Ausgaben für Wissenschaft erst ermöglicht. Kurz- bis mittelfristig aber hängt dieser Wohlstand empfindlich davon ab, dass die Leistungs- und Erneuerungsfähigkeit unserer Wirtschaft konsequent unterstützt wird: weswegen ich hier gerne auch etwas zum Wirtschaftsminiserium gelesen hätte. 

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Zwei Freunde verbringen draussen Zeit zusammen, einer mit Rucksack, der andere mit Rollschuhen.

Jungs im Abseits

Der neue ifo-Chancenmonitor belegt: Die soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem bleibt groß – und Jungen sind im Vergleich zu den Mädchen abgehängt. Das hat Konsequenzen weit über die Schule hinaus. 


  • Nahaufnahme eines Jugendlichen vor grauer Wand, der sich schuetzend die Hand vors Gesicht haelt.

Mehr Gewalt, wenig Erklärung

Die Gewaltzahlen unter Kindern steigen. Das BKA spricht von Zukunftsängsten, multiplen Krisen und Social Media als mögliche Hintergründe. Doch ein entscheidendes Stichwort fehlt in der Debatte meist: die Corona-Pandemie. Ein Kommentar.


  • Jugendliche sitzen draussen nebeneinander und nutzen ihre Smartphones.

Die notwendige Zumutung der Komplexität

Früher als gedacht legt die unabhängige Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" ihre Bestandsaufnahme vor. Ihre Empfehlungen folgen im Juni, doch schon jetzt ist die Botschaft klar: Wer die Probleme lösen will, muss an Strukturen arbeiten – sonst bleibt jedes Social-Media-Verbot Symbolpolitik.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Eine rote und eine schwarze Linie führen zum Horizont, auf jeder Linie ist der Schattenriss einer Person zu erkennen.

Es kann gehen. Es muss gehen.

Nach einem Jahr Schwarz-Rot fällt die Bilanz der Bundesregierung ernüchternd aus. Gerade die Arbeit von Dorothee Bär und Karin Prien zeigt aber: Gestaltungswille ist da, Fortschritte sind möglich. Nur wird daraus noch zu selten politische Wucht.


  • Screenshot Websites

Zwei Überraschungen, eine Verschiebung

Mit Andreas Jung und Ute Eiling-Hütig übernehmen zwei Unionspolitiker Bildungsressorts, die kaum jemand für sie auf dem Zettel hatte. Was ihre Berufungen über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und die CDU-Macht im Bildungsföderalismus erzählen.


  • Karin Prien

"Ich habe keine Zeit zu verlieren"

Bundesbildungsministerin Karin Prien über ihr Ringen mit den Ländern um verbindliche Bildungsziele und Kita-Qualität, warum der Bund nicht mehr unkonditioniert zahlen soll, was Kinder im digitalen Alltag schützt – und weshalb sie "Demokratie leben" trotz massiver Kritik umbauen will.