Zäsur in Münster
Die Vergabe des 500-Millionen-Projekts in ihre Heimat bedeutete für Anja Karliczek die größte Krise ihrer Amtszeit. 2022 ist die Batterie-Forschungsfabrik fertig, versprachen Bund und das Land NRW seitdem stets. Doch jetzt ist klar: Der Kern der Anlage soll erst mit Jahren Verzögerung fertigwerden, der Projektleiter warnte vor "signifikanten Auswirkungen" auf die ursprünglichen Ziele des Großvorhabens.

Screenshot von der Projekt-Website der Forschungsfertigung Batteriezelle.
AUF SEITE 2 SEINES BRIEFS kommt Fritz Klocke zur Sache. "Die neue Terminlage" sei für das Gesamtprojekt "eine Zäsur", die Anlass gebe zu einer kritischen Bewertung der erreichbaren Ziele, schreibt der Geschäftsführender Leiter der Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) im Namen des gesamten "Executive Boards".
Um "mindestens drei Jahre" werde sich die Erreichung der ursprüngliche Ziele in die Zukunft verschieben, rechnet Klocke den Adressaten seines Mitte Januar 2021 versandten Schreibens vor, zu denen neben Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer Nordrhein-Westfalens parteilose Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, FDP-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und BMBF-Staatssekretär Wolf-Dieter Lukas gehören.
Statt 2022 werde das Hauptgebäude erst Anfang 2026 für den Einzug und die Installation der Fertigungseinrichtungen fertig sein, so dass die industrienahe Forschungsfertigung "kaum vor dem Jahr 2027 möglich" werde. Für den alterfahrenen Fraunhofer-Wissenschaftler Klocke hat das schwerwiegende Konsequenzen. "Diese zeitliche Streckung", schreibt er, "ist von der Antragstellung FoFeBat von Oktober 2019 nicht mehr gedeckt, und sie steht im Widerspruch zu einer Prämisse, unter die die Industrie, deren Innovationsvermögen die FFB stärken soll, dieses Projekt von Beginn an gestellt hat." Diese Prämisse sei gewesen, dass die Forschungsfertigung Batteriezelle die Fähigkeit zur Großserienfertigung in kürzest möglicher Zeit erreichen müsse. Im Sinne der Industrie also.
Die Rede ist von ausgerechnet von dem Projekt, deren Vergabe nach Münster, ihrem Nachbarwahlkreis, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) die größte Krise ihrer Amtszeit beschert hatte. Dort soll eine mit rund 500 Bundesmillionen Euro geförderte Batterieforschungsfabrik entstehen – ursprünglich bis 2022. Auch Karliczeks Heimatstadt Ibbenbüren war an Münsters Bewerbung beteiligt, die sich gegen mehrere andere Standorte durchgesetzt hatte.
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