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Doppelbedrohung für die Skandinavistik

Es gab sie mal an 15 deutschen Universitäten, jetzt sind es noch zwölf – und demnächst nur noch zehn? Die Skandinavistik-Fachverbandsvorsitzende Hanna Eglinger über die Gefährdung eines kleinen Fachs und die mangelnde Solidarität der Großen.

Frau Eglinger, Sie sind Vorsitzende des Fachverbands für Skandinavistik, ein kleines Fach mit gerade einmal zwölf Standorten und 20 Professuren in Deutschland. Jetzt schreiben Sie Brandbriefe und sammeln Unterschriften. Warum?

Weil wir es mit einer konkreten Doppelbedrohung zu tun haben. Gleich zwei der zwölf Standorte droht die kurzfristige Schließung. Die Universität Göttingen kämpft wie andere niedersächsische Hochschulen mit den Sparauflagen der Landesregierung, die schon vor Corona bestanden, durch die Pandemie jetzt aber verstärkt wurden. Eine der Professuren, die die Fakultät opfern will, ist die für Skandinavistik. Ähnlich finster sieht es in Tübingen aus, wo die Skandinavistik Teil des Deutschen Seminars ist. Eigentlich hatte man dort sogar vorgehabt, das Fach angesichts der anstehenden Neubesetzung der Professur auszubauen. Doch jetzt muss das Deutsche Seminar sparen, und das will es durch die Streichung der Skandinavistik-Professur.

Was würde das für die Skandinavistik bedeuten?

Sie müssen sich vor Augen halten, dass, wie es für ein kleines Fach typisch ist, die Skandinavistik an vielen Standorten nur in ...

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Kommentare

#2 -

Schiedermair, … | Do., 29.04.2021 - 12:35
Ich hätte nichts dagegen, wenn die Göttinger oder Tübinger skandinavistische Professur mit einem gender-Schwerpunkt eingerichtet und erhalten bleibt. Denn als Literatur- und Kulturwissenschaft ist die Skandinavistik ohnehin mit den Themen der gender studies befasst.

#3 -

Django | Do., 29.04.2021 - 13:53
Ach ja, die pösen Gender Studies. Zu der genannten Zahl "200" hier ein Auszug aus dem Tagesspiegel (17.12.2019, https://bit.ly/3sXwVH7):



"An Hochschulen in Deutschland gab es laut des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags im Jahr 2017 185 Professuren an deutschen Hochschulen, die sich mit der Geschlechterforschung befassen. Allerdings haben nur 27 davon eine Voll-Denomination im Bereich Gender, widmen sich dem Thema also ausschließlich.



158 sind teil-denominiert, sie sind also einer anderen Disziplin mit zugeordnet. Strenggenommen handelt es sich bei letzteren also gar nicht um Professuren für Geschlechterforschung. Vielmehr sollen im Rahmen dieser Professur auch Aspekte der Geschlechterforschung berücksichtigt werden."

#4 -

Nora Kauffeldt | Do., 29.04.2021 - 13:59
Der eigentliche Skandal ist, dass sich im Bildungsland Deutschland nun die „kleinen“ Fächer, zu den sie in den letzten Jahrzehnten geworden sind, gegenseitig ins Hauen und Stechen treiben, weil ausgerechnet Bildung Ziel der massivsten Sparmaßnahmen ist.



Die Skandinavistik hat viele inhaltliche Argumente für sich, sie wird gebraucht um einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zum Verständnis der oft als Vorbilder bezeichneten Skandinavischen Länder zu vermitteln und die immer populärer werdende Verarbeitung Altnordischer Themen in weltweit erfolgreichen Serien, Computerspielen und Fantasy Literatur erforschen und vor Ideologisierung schützen zu können. Gerade die Skandinavistik hat hier eine historische Verantwortung, war sie doch einmal Teil der ...

#5 -

Th. Klein | Do., 29.04.2021 - 14:12
"Doch auch ein kleines Fach braucht eine gewisse Mindestzahl an Standorten und Professuren, um national und international vernetzt Forschung betreiben zu können." - Ich komme selbst aus einem Kleinen Fach. Trotzdem teile ich den Ansatz nicht. Ich vermisse eine europäische Antwort/Perspektive auf diese Frage. Wir sollten über eine Mindestzahl innerhalb der EU reden und nicht in Deutschland. Und dann stehen die Fächer oft gar nicht so schlecht da.

#7 -

Norne | Do., 29.04.2021 - 22:41
"Die Skandinavistik hat viele inhaltliche Argumente für sich, sie wird gebraucht um einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zum Verständnis der oft als Vorbilder bezeichneten Skandinavischen Länder zu vermitteln und die immer populärer werdende Verarbeitung Altnordischer Themen in weltweit erfolgreichen Serien, Computerspielen und Fantasy Literatur erforschen und vor Ideologisierung schützen zu können. "



Das ist in der Tat mal ein interessantes Thema! Schade, dass der überwiegende Teil der deutschen Skandinavistik sich so gar nicht damit beschäftigt.

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