An die Hochschule nur mit Zugangstest
Bei gleicher Intelligenz schaffen es Akademikerkinder immer noch viel häufiger ins Studium. Darum brauchen wir eine neue Zulassungslogik.

DIE HOCHSCHULEN HABEN HEUTE eine Million Studierende mehr als vor 20 Jahren, aber die soziale Schieflage hat der Boom nicht beseitigt. Haben die eigenen Eltern studiert, liegen die Chancen auf ein Studium immer noch fast viermal so hoch, wie wenn man aus einer Nicht-Akademikerfamilie stammt. Es kamen also mehr Arbeiterkinder an die Uni, vor allem aber kamen noch mehr Kinder von Ärzten, Journalisten, Juristen oder Lehrern.
Wenn man von einer Gleichverteilung von Intelligenz und Talenten unabhängig von der Herkunft ausgeht, müssten die Begabungsreserven der Akademikerfamilien allmählich ziemlich erschöpft sein, um es freundlich auszudrücken. Man könnte auch sagen: Wer an den Hochschulen einen Niveauverfall beklagt, wer eine Rückbesinnung auf nichtakademische Berufswege fordert, sollte sich zuallererst mal anschauen, wie viele für ein Studium in Wirklichkeit ungeeignete Akademikerkinder mittlerweile auf den Campi unterwegs sein dürften.
Wobei diese, und das ist nun wirklich faszinierend, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil mitbringen gegenüber jenen Studienanfängern aus den sogenannten "bildungsfernen Elternhäusern": Oft haben sie von Kind an den Habitus und die Umgangsformen gelernt, um an den Hochschulen nicht aufzufallen. ...
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Kommentare
#1 - Hochschuleignung lässt sich nur in Relation zu den…
Das scheint mir dann auch ein besserer Ressourceneinsatz zu sein, als Kapazität und Kompetenz in Eingangstest zu stecken, die zudem als fachspezifische Tests dem generischen Qualifikationsanspruch eines akademischen Studiums nicht gerecht werden würden und nur eine weitere Stufe - sozial differenzierender - Vorbereitungskurse zur Folge hätte.
Zugegeben: vielleicht noch ambitionierter wäre es, die Schulen stärker bzw. ...
#2 - Mir ist nicht ersichtlich, wie eine solche Eingangsprüfung…
#3 - Das ist eine gute Idee, die man aber auch durchhalten…
Die Idee, dass man bei einer Eingangsprüfung den Bildungshintergrund quasi ausblenden kann, ist schon in Frankreich schief gegangen. Bei den Grandes Écoles war das der ursprüngliche Grundgedanke für die dortigen Concours, die man stark auf Mathematik und Naturwissenschaften fokussiert hatte, damit der Klassenmarker "geschliffene Sprache", die in Frankreich das gehobenere Bürgertum noch stärker auszeichnet als hier, außen vorbleibt.
Was ist passiert: am Anfang ...
#4 - Komisch nur, dass in den USA derzeit eine Uni nach der…
Auch das, was ein Intelligenztest misst, (ich nenne das hier bewusst nicht "Intelligenz") korreliert stark mit dem Kontostand, siehe etwa: https://docs.iza.org/dp11158.pdf
Im Übrigen siehe Campbell's Law.
www.j3L7h.de
#5 - Meine Eltern hatten beide kein Abitur und waren in…
#6 - @ Klaus Semlinger: "generischen Qualifikationsanspruch…
Was soll das sein? Zumindest in der Theorie haben wir doch berufsfeldbezogene Qualifikationsziele für Studiengänge eingeführt. Gibt es da eine Qualifikation, die - polemisch gesprochen - über "ich weiß, wo man was nachschlägt" hinausgeht?
#7 - Es freut mich, dass Sie das Argument der sozialen…
#8 - Durch zahlreiche und größtenteils unsinnige Schulreformen…
#9 - Ein Studierenden-Gehalt? Ich war immer dafür, den…
#10 - Lieber Herr Wiarda,ich schätze Ihre Analysen sehr…
ich schätze Ihre Analysen sehr (vielleicht auch, weil diese oft mit meinen übereinstimmen.) An dieser Stelle möchte ich aber vehement widersprechen:
Jedes Hindernis auf dem Weg, erschwert dessen Gang für den, der ihn als erster gehen muss.
Akademikerkinder würden dann halt vorbereitet in den Test gehen, während andere diesen bei der Durchführung das erste Mal sehen. Der Wettbewerbsvorteil würde sich also verstärken.
Gegen Ihre These spricht auch, dass wir im Moment niemanden, der studieren möchte und einen entsprechenden Abschluss hat, wegschicken. Natürlich studiert nicht jede/r das Traumfach. Es ist also nicht so, als würden die Kinder der ...
#11 - Lieber Herr Wiarda,es kommt selten vor, aber hier muss ich…
es kommt selten vor, aber hier muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Egal wie gut ein Test gemacht ist, er ist immer trainierbar. Und wer hat die finanziellen, zeitlichen, sozialen Ressourcen, um für Zugangstests zu trainieren? Die Frage beantwortet sich von selbst.
Nein, Zugangstests würden vermutlich die Ungleichheit nicht reduzieren, sondern weiter verstärken. Um gleichere Bildungschancen herzustellen, müssen wir an den Schulen ansetzen und nicht eine weitere Hürde an den Hochschulen einführen.
Herzliche Grüße!
Ihr Sebastian Horndasch
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