Direkt zum Inhalt

Das 200-Euro-Drama

Die Antragsplattform ist fast fertig, doch geht der Ärger um die Energiepauschale für 3,5 Millionen Studierende und Fachschüler weiter. Droht eine Auszahlung der zwei Geschwindigkeiten?

WANN GENAU ENDET eigentlich der Winter? Eine Frage, mit der sie sich im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zuletzt häufiger beschäftigt haben. Denn nachdem Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) noch im November optimistisch " Anfang Januar " als Start der Auszahlung genannt hatte, lautete die Sprachregelung spätestens seit Anfang Januar: "Im Winter" soll die von der Ampelkoalition versprochene 200-Euro-Energiepauschale an die 3,5 Millionen Studierenden und Fachschüler fließen.


Aktualisierung siehe am Ende des Textes unten >>>


Was entweder auf spätestens den 28. Februar hinauslaufen würde, weil am 1. März der meteorologische Frühling beginnt. Oder auf den 20. März, wenn man sich am Ende des kalendarischen Winters orientiert. Im FAQ auf der BMBF-Website heißt es derzeit vieldeutig: "Die Auszahlung soll zu Beginn des Jahres starten, also noch in diesem Winter."

Allerdings könnten sich derlei Definitionsfragen aus Sicht der meisten Betroffenen ohnehin bald als obsolet herausstellen. Denn obgleich das BMBF Optimismus verbreitet: Womöglich wird sich weder der eine noch der andere Termin halten lassen. Zumindest wenn man darunter das Ziel versteht, dass bis dahin mehr als ein paar Berechtigte das Geld auf dem Konto haben sollen. Tatsächlich könnte es sogar locker Mai werden, bis der Großteil der Studierenden und Fachschüler ihre 200 Euro erhalten hat.

Das liegt weniger an der Technik. Die geplante zentrale Antragsplattform hat, seit das Digitalministerium von Sachsen-Anhalt die Federführung erhalten hat, Gestalt angenommen und ist größtenteils fertiggestellt ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Peter Burger | Fr., 03.02.2023 - 13:10
Lieber Herr Wiarda,

ganz herzlichen Dank! Sie sprechen mir aus der Seele!

Was für ein Irrsinn und Aufwand! Am Ende werden die Verwaltungskosten - auf die bin ich gespannt - vermutlich irrwitzig hoch sein.

Wie es wirklich unbürokratisch und schnell hätte gehen können zur Erinnerung: Beim Mauerfall wurde 1989 innerhalb von 2 Wochen an 3 Millionen Personen 100 DM Begrüßungsgeld bar ausgezahlt!

#2 -

TP | Fr., 03.02.2023 - 14:36
Lieber Herr Wiarda,

die Energiekostenpauschale ist ein Drama und leider hat das BMBF weder Interesse, noch Kompetenz, hier gute Lösungen zu entwickeln oder umzusetzen. Ein paar Probleme (die hier nicht genannt sind):

- Studierende, die auch Arbeitnehmer/in sind: es mag bei "echten" Studierenden, die einen Minijob oder SHK-Job zur Finanzierung des Studiums okay sein, wenn sie sowohl als Studierende als auch als Arbeitnehmer jeweils die Energiekostenpauschale erhalten. Wenn aber der Oberstudienrat, die primär wegen des Semestertickets eingeschrieben ist, auch zweimal die Pauschale erhält, dann stellt sich die Frage der Gerechtigkeit schon ein bißchen. Auch auf Nachfrage ist dem BMBF dies ...

#3 -

Jan-Martin Wiarda | Fr., 03.02.2023 - 14:47
Lieber TP,

das mit dem Abgleich von in zwei Bundesländern Immatrikulierten ist mir anders dargestellt worden.

Ihr Punkt mit dem Aufwand in den Einrichtungen bestätigt meine Fragen hierzu.

Beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

#6 -

PB | Fr., 03.02.2023 - 14:57
@TP

Zur Aussage: "Oberstudienrat, die primär wegen des Semestertickets eingeschrieben ist"

Wie viele werden das sein? So einfach geht das heute mit dem Einschreiben auch nicht mehr, wenn man bereits ein Erststtudium erfolgreich abgeschlossen hat.



Wie groß ist die Zahl der Studierenden, die in 2 Bundesländern eingeschrieben sind und sich das dann (trotz entsprechender Information) *widerrechtlich* 2x auszahlen lassen?

Ansonsten: volle Zustimmung, insbesondere zum Datenschutz.

#7 -

TP | Fr., 03.02.2023 - 19:46
@PB: wieviele werden es sein? Aus erster Hand kann ich Ihnen sagen: bei den Hochschulen, bei denen ich Einblick habe, sind das zwischen fünf und zehn Prozent der Studierenden. Und das Einschreiben für ein Zweitstudium ist einfach: man nehme einen zulassungsfreien Studiengang und dann ist die Bewerbung = Zulassung. Da gibts keine Quoten wie in den NC-Studiengängen.



@JMW: die Auszahlung läuft über die Bundeskasse. Aber der elektronische Antrag wird über die jeweils zuständigen Landesbehörden abgewickelt. Und die gleichen die Daten nicht ab.

#8 -

TP | Fr., 03.02.2023 - 19:51
@JMW: die Auszahlung läuft über die Bundeskasse. Der elektrische Antrag selbst läuft aber über die zuständige Landesbehörde. Und da gleichen die Länder keine Daten ab.



@PB: eine Einschreibung für ein Ticket ist kinderleicht und bei den Hochschulen, bei denen ich es überblicken kann, sind es ca. 5 bis 7% der Studierenden. Einfach einen NC-freien Studiengang nehmen; da gibts keine Zweitstudiumsquote. Alternativ als Lehrer/in in ein Lehramtserweiterungsfach Einschreiben. Wenig Aufwand und dann hat man das Ticket.

#9 -

RF | Di., 14.02.2023 - 15:40
Zumindest in Baden-Württemberg funktioniert das mit dem Trick Zweitstudium nur bedingt. Schreibt man sich für ein Zweitstudium ein und zahlt 650€ Zweitstudiengebühr für das eine Semester, dann hat man nach Erhalt der 200€ Soforthilfe ein schlechtes Geschäft mit 450€ Verlust gemacht ;-)

#10 -

PC | Do., 16.02.2023 - 12:14
Als Behörden-/Hochschul-Insider muss ich Sie leider enttäuschen:

"Weil als Ergebnis eine Plattform entsteht, die ein föderales Kernproblem dauerhaft, und das vergleichsweise elegant, löst."

In keinster Weise ist das elegant gelöst. Dieser geplante Prozess mit Bundes-Antragsplattform, Zulieferung der Daten durch die Länder sowie wilde ungeregelte und uneinheitliche Zustellung von Zugangscode/PIN ist für den Geschäftsprozess-Designer eine Katastrophe...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Da müssen wir gegenhalten

Da müssen wir gegenhalten

Deutschland steckt in der Modernisierungskrise. Was hat das mit seinen Ingenieurwissenschaften und Technischen Universitäten zu tun? Die TU9-Präsidentinnen Tanja Brühl und Angela Ittel über die Suche nach einem neuen Selbstverständnis, die Macht der alten Zirkel und ihre Erwartungen an die Wissenschaftspolitik.


  • Artikelbild: Ziel: Kulturwandel

Ziel: Kulturwandel

In Berlin befindet sich Deutschlands einziger Exzellenzverbund. Die ersten Jahre liefen nicht gut. Der Druck ist hoch: Können die Partner den Beweis antreten, dass ihre Kooperation die Wissenschaft besser macht?


  • Artikelbild: 63:1

63:1

Weniger Uni-Studierende müssen sich einen Prof teilen, die miesen Betreuungsrelationen werden seit einem halben Jahrzehnt allmählich besser. Nur ein vorübergehender Trend?


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

200-Euro-Pauschale: KMK-Präsidium will bundesweiten Auszahlungsstart Mitte März

Damit wird der Start der zwei Geschwindigkeiten unwahrscheinlicher – deutliche Kritik am Vorgehen des Bundesbildungsministeriums.


  • Artikelbild: Unis in der Pflicht

Unis in der Pflicht

Lehrerbildung muss Chefsache werden. Nur durch Mehrarbeit sind die Zehntausenden fehlenden Lehrer nicht zu kompensieren. Der Zugang und das Lehramtsstudium selbst müssen sich grundlegend ändern.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

200-Euro-Hilfe soll ab 15. März für alle starten – wenn der Testlauf klappt

Anfang März öffnet die Antragsplattform für Studierende und Fachschüler voraussichtlich nur für wenige Hochschulen in wenigen Bundesländern. Der Großteil der Berechtigten erhielte das Geld  damit erst im Frühling.