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Profs gegen #IchbinHanna?

"Erleichtert" ist der Deutsche Hochschulverband über den korrigierten Gesetzesentwurf für Befristungen in der Wissenschaft. Und vertritt damit vermutlich die große Mehrheit seiner Mitglieder. Was das für "#IchbinHanna" bedeutet.

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Artikelbild: Profs gegen #IchbinHanna?

Bild: Screenshot BMBF/Youtube.

ER SEI ERLEICHTERT, sagte Lambert Koch. Das BMBF habe bei seinem Entwurf zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes "doch noch an einer entscheidenden Stelle eine überfällige Korrektur" vorgenommen – "nach der einhelligen Kritik aus der Scientific Community".

Tatsächlich hatte die zunächst geplante Kürzung der maximalen Befristungsdauer von Postdocs auf drei Jahre im März zu einem Proteststurm geführt. Jetzt will das Forschungsministerium vier Jahre erlauben – plus zwei Jahre, wenn im Anschluss unter transparenten Bedingungen eine Dauerstelle zugesagt wird. Das gehe " in die richtige Richtung ", befand Koch, neuer Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) – in einem engen Schulterschluss mit ähnlich klingenden Äußerungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Zur Empörung von Amrei Bahr, Mitinitiatorin von "#IchbinHanna", das unter anderem für möglichst frühe Postdoc-Dauerverträge kämpft. Bahr verkündete auf Twitter ihren Austritt aus dem Verband: Sie frage sich, wie sich Kochs Stellungnahme mit dem selbsterklärten DHV-Selbstverständnis vereinbaren lasse, die "Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland" zu sein, deren besondere Sorge laut Website "dem wissenschaftlichen Nachwuchs" gelte.

Die von Koch gelobte ...

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Kommentare

#1 -

Profs und Hanna | Mo., 26.06.2023 - 12:18


Ich (ein Prof) finde diese Frontstellung "Profs gegen befristeten Mittelbau" sehr künstlich. Kein Prof (den ich kenne) findet es toll, Mitarbeiter*innen mit Kurzzeitverträgen zu verlängern oder gute Mitabeiter*innen gehen lassen zu müssen.



Aber Profs sehen, dass (a) die Mittel sicher nicht steigen, sondern eher sinken werden, und (b) das nach der aktuellen Generation von WiMis auch zukünftige Generationen ihre Chancen bekommen sollen - sowohl auf Promotionsstellen als auch auf unbefristete Stellen.



Auf diese Grundproblematik gehen die Hanna- Befürwörter*innen einfach nie ernsthaft ein - auch nicht in diesem Blog. Ich sehe in der Diskussion immer nur das Aneinander vorbeireden - Prof ...

#2 -

Hanna | Mo., 26.06.2023 - 12:36
Lieber Herr Wiarda,



vielen Dank für die, wie immer, treffliche Recherche und Darstellung.



In einem Punkt gerät Hanna der Beitrag jedoch etwas zu kurz. Sie schreiben: "Am Ende hilft aber nur der weitere mühevolle Austausch von Argumenten, der Glaube an deren Überzeugungskraft bei gleichzeitiger Kompromissbereitschaft, kurzum: das diskursive Dicke-Bretter-Bohren."



Das sieht Hanna nicht ganz so. Die Argumente sind ausgetauscht, das Ergebnis ist aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen ein Zielkonflikt, der durch die Argumente der Nicht-Mächtigen allein nicht gelöst werden kann. Da der DHV und die Mehrzahl der Professor:innen offenbar ihre Mitarbeiter:innen lieber weiterhin befristet beschäftigen will, ist das "Dicke-Bretter-Bohren" für Hanna keine ...

#3 -

Hanna und Profs | Mo., 26.06.2023 - 13:16
@Profs und Hanna: "Aber Profs sehen, dass (a) die Mittel sicher nicht steigen, sondern eher sinken werden, und (b) das nach der aktuellen Generation von WiMis auch zukünftige Generationen ihre Chancen bekommen sollen - sowohl auf Promotionsstellen als auch auf unbefristete Stellen.



Auf diese Grundproblematik gehen die Hanna- Befürwörter*innen einfach nie ernsthaft ein"



Nur kurz zur Richtigstellung: Beide angeführten Punkte sind aus der Sicht von Hanna Scheinargumente. (s. https://mittelbau.net/argumentationshilfen/)



Zu a) Woher stammt der Glaubenssatz, dass Mittel nicht steigen werden? Inwiefern ist das ein Argument gegen unbefristete Normalarbeitsverträge auf Haushaltstellen?



Zu b): Diese Mär, dass man künftige Generationen bei der ...

#4 -

Tobias Rosefeldt | Mo., 26.06.2023 - 13:27
Da fühle ich mich ja direkt angesprochen... Die Darstellung in #1 geht wirklich an der Wirklichkeit vorbei. Die gesamte Hanna-Diskussion zur Postdoc-Phase handelt ausschließlich von Stellen für promovierte Wissenschaftler:innen. Die Forderung ist, von DIESEN Stellen einen höheren Anteil mit Anschlusszusage oder als Dauerstellen zu besetzen. Für die Promotionsstellen ändern sich dadurch gar nichts. Auch Befristungshöchstquoten würden für das Segment "WiMi-Stellen für promovierte Wissenschaftler:innen" festgelegt. -- Was das Argument im Beitrag selbst betrifft, würde ich hier gerne einen Punkt wiederholen, den ich bereits auf Twitter gemacht habe:

Es stimmt, dass die Zahl der Unterschriften für #ProfsFürHanna geringer ist als beim ersten ...

#5 -

Dennis | Mo., 26.06.2023 - 13:42
Der / die Kommentator:In vor mir fragt, ob Postdocs denn nicht an die Kinder denken.



Hier die Antworten darauf, die meines Wissens auch von #IchBinHanna so kommuniziert wird:



1. Natürlich kann man weiter Doktorand:Innen ausbilden. Wieso sollte das Geld für die Stellen plötzlich fehlen? Das Geld ist ja augenscheinlich da, Promovierende durchschnittlich 4,5 Jahre zu beschäftigen. Dass man das jetzt mit einem Vertrag statt mit 8 verschiedenen Verträgen machen soll, spart wahrscheinlich neben viel Zeit und Nerven bei Promovierenden und Professoren sogar Administrationskosten. Zudem sind für das temporäre Einstellen von Zusatzkräften für die Vertiefung von Projekten auch eher die Drittmittel ...

#6 -

Hanna | Mo., 26.06.2023 - 14:26
Lieber Herr Wiarda,



vielen Dank für die, wie immer, treffliche Recherche und Darstellung.



In einem Punkt gerät Hanna der Beitrag jedoch etwas zu kurz. Sie schreiben: "Am Ende hilft aber nur der weitere mühevolle Austausch von Argumenten, der Glaube an deren Überzeugungskraft bei gleichzeitiger Kompromissbereitschaft, kurzum: das diskursive Dicke-Bretter-Bohren."



Das sieht Hanna nicht ganz so. Die Argumente sind ausgetauscht, das Ergebnis ist aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen ein Zielkonflikt, der durch die Argumente der Nicht-Mächtigen allein nicht gelöst werden kann. Da der DHV und die Mehrzahl der Professor:innen offenbar ihre Mitarbeiter:innen lieber weiterhin befristet beschäftigen will, ist das "Dicke-Bretter-Bohren" für Hanna nicht ...

#7 -

Eine Hanna | Mo., 26.06.2023 - 14:31
Dann sollten privilegierte Profs sich endlich ehrlich machen. Macht Eure Arbeit doch selbst bitte und heizt kein Schneeballsystem an. Wer gut Leute will, soll zahlen und dauerhafte Perspektiven schaffen. Wollt ihr nicht? Dann verdient ihr auch keine Mitarbeiter. Ihr könnt andere Dumme ausnutzen.

#8 -

Eine Hanna | Mo., 26.06.2023 - 16:27
Danke, Denis.
Wer heutzutage Postdocs nach Kinder fragt, hat den Knall nicht gehört. Die meisten weiblichen Postdocs schaffen es gar nicht, Kinder zu bekommen, weil die Situation viel zu prekär ist. Kinder sind schon ein Nachtteil fuer die Karriere in der Wissenschaft.
Die Wissenschaft ist ein alter, weisser Männer-Club. Man kann ihnen nur wünschen, dass dieser ausstirbt.

#9 -

lN2 | Mo., 26.06.2023 - 23:08
Ad #2: es ist wie immer in der Diskussion, Hanna will ihre Ziele durchboxen, no matter what. Kompromissbereitschaft nicht vorhanden. Ich bewundere ja diese Courage, aber wer so in den Ring steigt kann gewinnen oder k.o. gehen.

Ad alle anderen Hannas: Es zeugt von maximaler Ignoranz, nicht zu verstehen, dass Doktorandenstellen und Postdoc stellen zusammen hängen, solange nicht mehr Stellen ins System gepumpt werden. Die bösartigen Argumente ala böser alter weißer Mann zeigt für mich, dass die Käpfer*Innen selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, und eher ihr Trauma bekämpfen, anstatt eine Lösung anzustreben, die im Zweifelsfall nicht einem Berufsverbot für ...

#10 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 27.06.2023 - 10:34
Liebe Leserinnen und Leser,

wieder der Hinweis und die Warnung: Ich schätze eine lebhafte und auch kontroverse Debatte hier im Blog, gleichzeitig aber auch einen wertschätzenden und respektvollen Ton. Deshalb werde ich von nun an wohl wieder nicht darum herumkommen, einzelne Beiträge nicht freizuschalten, wenn Sie sich nicht an dieser Etiquette halten. Bitte tun Sie es und diskutieren Sie engagiert zur Sache.

Besten Dank und beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

#11 -

René Krempkow | Mi., 28.06.2023 - 13:02
Von ein paar der letzten Kommentare abgesehen, fand ich die engagierte Diskussion hier im Blog recht gut. ;-)

Daher hier noch ein Kommentar und ein Hinweis zur Sache:

Etwas kurz kam mir in der bisherigen Diskussion zur Reform des WissZeitVG (neben der absolut wichtigen Debatte um Dauerstellen) der Aspekt, das im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, „die Vertragslaufzeiten von Promotionsstellen an die gesamte erwartbare Projektlaufzeit (zu) knüpfen“ - und dass es hierzu empirische Fakten gibt, die bei den im BMBF-Referentenentwurf festglegten drei Jahren Mindestvertragslaufzeit weitgehend ignoriert werden.



So gibt es neben den Zahlen zur durchschnittlichen Promotionsdauer im BuWiN (2021) von 5,7 Jahren ...

#12 -

Karla K. | Mi., 28.06.2023 - 20:07
Lieber Herr Krempkow,



vielen Dank für Ihren wichtigen Impuls.



Auch die Angaben der DFG zu den Promotionszeiten in ihren Verbünden/Programmen zeigen deutlich auf, wohin die Reise eigentlich gehen müsste:



https://www.dfg.de/dfg_profil/zahlen_fakten/evaluation_studien_monitoring/studien/bericht_promotionen/index.html



So ein bisschen stellt sich das Gefühl ein, eine eskalierende Postdoc-Phasen-Debatte könnte wohl kalkuliert initiiert worden sein mit der Absicht bzw. in der Hoffnung, dass sich alles darauf konzentriert und nicht auffällt und diskutiert wird, dass manch andere Neuregelung letztlich wenig zur Lösung des eigentlichen Problems beiträgt bzw. erst gar keine Neuregelung erfolgt.



So lange beispielsweise weiterhin nahezu jede Tätigkeit in Hochschulräumlichkeiten als "Qualifizierung" im Sinne des WissZeitVG deklariert werden ...

#14 -

Genau hinschauen | Fr., 30.06.2023 - 11:52
@MINTee: die DFG ist schon seit längerem bei Verbundprojekten auf 4 Jahre für die Promotion gegangen. Die Postdocs werden auf einer höheren Erfahrungsstufe bezahlt - bei E13 ist der Unterschied zwischen Stufe 3 und 4, der für Postdocs in der Regel relevant ist, doch erheblich.

#15 -

Karla K. | Mo., 03.07.2023 - 11:36
zu #13



Selbstverständlich erfordert die Novellierung des WissZeitVG flankierende Maßnahmen - von Bund, Ländern und Hochschulen, dies wird u. a. im Begründungstext des Referentenentwurfs betont (dies war 2015 so noch nicht der Fall).



DFG und Bundesministerien (und diverse weitere Förderprogramme) sind steuerfinanziert, da liegt es nahe, Förderungen an entsprechende Regelungen zu knüpfen.



Jenseits dessen: Mit welchem Recht sollten Projekte, die nicht überwiegend der individuellen wissenschaftlichen Qualifizierung dienen, übers WissZeitVG befristet werden können, also einem Sonderbefristungsrecht für den wissenschaftlichen Bereich?

#16 -

Ralf Meyer | Mi., 05.07.2023 - 21:31
Zu #14: Die Möglichkeit, in DFG-Verbundprojekten Doktorand*innen über 4 Jahre zu fördern, ist derzeit nur in Einzelfällen sinnvoll, jedenfalls in den DFG-Graduiertenkollegs. Diese haben eine Laufzeit von 2-mal 4,5 Jahren. Bei 3 Jahren Promotionsdauer kann man also 3 Kohorten finanzieren. Bei 4 Jahren dagegen nur zwei, und 1 Jahr bleibt dann übrig, das man höchstens noch zur Abschlussfinanzierung verwenden kann. Ein Graduiertenkolleg wird nach weniger als 4 Jahren begutachtet. Promotionsprojekte über 4 Jahre sind dann noch gar nicht abgeschlosen. Bisher war ich an 3 Graduiertenkollegs beteiligt. Dort wurde immer angestrebt, dass die Promotionsvorhaben innerhalb von 3 Jahren abgeschlossen werden. Viele ...

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