Zeiterfassung: Bundesarbeitsministerium lehnt Sonderregelungen für Schulen und Hochschulen ab
Müssen Lehrkräfte und Wissenschaftler schon jetzt täglich ihre Arbeitszeit erfassen? Geht es nach dem Ministerium von Hubertus Heil, lautet die Antwort ja – unabhängig davon, wie es mit der feststeckenden Novelle des Arbeitszeitgesetzes weitergeht.
ES WAREN ARBEITSRECHTLICHE PAUKENSCHLÄGE. 2019 urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH ), dass die gesamte geleistete Arbeitszeit von Arbeitnehmern stets aktuell aufzuzeichnen ist. Im September 2022 konkretisierte das Bundesarbeitsgericht für Deutschland: Das EuGH-Urteil gelte nicht irgendwann in der Zukunft, sondern bereits heute. Grundlage sei das geltende Arbeitsschutzgesetz: Alle Arbeitgeber seien verpflichtet, umgehend ein entsprechendes System zur Zeiterfassung einzurichten und zu nutzen.
Seitdem läuft auf der politischen Bühne das Gerangel um mögliche Ausnahmen. Für die Wissenschaft hatte etwa der damalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-André Alt, schon vor vier Jahren eine Sonderregelung gefordert, direkt nach Bekanntwerden des EuGH-Urteils.
Um Rechtssicherheit zu schaffen, arbeitet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) seit Monaten an einer Reform des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Ein Referentenentwurf kursierte bereits – und verursachte gerade in der Wissenschaft neue Aufregung, weil sie offenbar doch wie andere Branchen auch behandelt werden soll. Die Kultusminister sorgen sich ebenso: Müssen künftig sogar die Lehrkräfte jede Arbeitsstunde akribisch dokumentieren? Wie soll das ...
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Kommentare
#1 - Man hört die Nachtigall doch laut und vernehmlich trapsen.…
#2 - Genau wie bei den Lehrer*innen würde sich auch bei den…
#3 - Die Hochschulen hätten gerne Ausnahmen von allen…
#4 - @Fr. Riedel: Dann muss man sich aber ebenfalls fragen…
#5 - Wissenschaft lebt elementar von freier Ausgestaltung und…
Hat jemand die Wissenschaftler gefragt, ob sie diesen "Schutz" durch Arbeitszeitaufschriebe überhaupt wollen oder ob ihnen die freie Ausgestaltung ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit wichtiger ist? Wir haben das an unserer Hochschule (indirekt und vor wenigen Jahren) gemacht und das Ergebnis war eindeutig: Der "Schutz" war nicht gewollt und wir leben Vertrauensarbeitszeit hier sehr erfolgreich.
Es war ...
#6 - Die Kirche wird im Dorf bleiben. Zumindest für die…
- Die meisten werden eine Dokumentation der "Arbeitszeit" mit geringem Aufwand erstellen, erstaunlicherweise weder mit vielen Überstunden noch mit Fehlstunden. Wir kennen doch alle solche Listen von unseren Hilfskräften.
- In manchen Fällen wird es Streit geben, da hilft eine exakt dokumentiere Arbeitszeit vielleicht noch etwas. Das ging aber bisher auch. Und den Streit können sich eigentlich nur Leute auf Dauerstellen leisten.
- Wer unbezahlte Überstunden im wissenschaftlichen Wettbewerb leisten will, wird das weiter tun. Entweder man wird das legal können (Grundrecht Wissenschaftsfreiheit) oder ...
#7 - Als angestellter Professor (ja, die gibt es) gehe ich davon…
Wenn diese Argumentation und Einschätzung der Rechtslage gehalten wird, dann scheint es mir unumgänglich dies auch auf verbeamtete Professor*innen zu übertragen.
Allerdings - und hier wird es meines Erachtens spannend - kenne ich einige Kolleg*innen, die angekündigt haben sich immer 8 Stunden aufzuschreiben, unabhängig von dem, was sie tatsächlich leisten.
Wir werden hier - hoffentlich - genügend "Whistleblower" finden, die auf Unregelmäßigkeiten in der Arbeitszeiterfassung hinweisen, so dass diese ihren Kontrollaspekt ...
#8 - Wenn es zu einer Zeiterfassung gepaart mit den aktuellen…
#9 - @Zinnsoldat: Guter Punkt! Dabei wollen wir doch gerade weg…
#10 - Wollte die amtierende Regierung nicht gerade den Abbau von…
#11 - Zeiterfassung in der Wissenschaft ist ein unglaublicher…
#12 - Es wäre interessant zu wissen, wie das europäische…
Das würde vielleicht die aufgeregten Gemüter beruhigen.
#13 - @EmCe²: Wenn Sie Minderarbeit vermuten, was meiner Ansicht…
@Michael Liebendörfer: "wer will eine Welt, in der Hannas Chef:in anordnet, die Deadline für das special issue verstreichen zu lassen und die Konferenzreise abzusagen, weil dafür nicht genug Arbeitszeit da ist?" - Viele Hanna's hätten gern eine Welt, in der überhaupt genug Arbeitszeit für ihre Dissertation oder Habilitation da ist. Eine Welt wäre schön, in der nach WissZVG befristete Hochdeputatsstellen für Wiss. Mitarbeiterinnen (z.B. mit 10 LVS in Niedersachsen oder 11 LVS in Brandenburg) der Vergangenheit angehören. Es muss ...
#14 - @Klaus: Sie schreiben"Allerdings - und hier wird es meines…
"Allerdings - und hier wird es meines Erachtens spannend - kenne ich einige Kolleg*innen, die angekündigt haben sich immer 8 Stunden aufzuschreiben, unabhängig von dem, was sie tatsächlich leisten.
Wir werden hier - hoffentlich - genügend "Whistleblower" finden, die auf Unregelmäßigkeiten in der Arbeitszeiterfassung hinweisen, so dass diese ihren Kontrollaspekt zur Verhinderung von Mehrarbeit auch leistet."
Schlagen Sie hier allen Ernstes vor, Kollegen zu denunzieren, weil die länger als 8h pro Tag über wiss. Probleme nachdenken wollen? Oder wie meinen Sie das?
#15 - @BUSchneider: "Ein Nachdenken auf einem Spaziergang bringt…
Das gilt grundsätzlich auch in den meisten anderen Gebieten, wenn einem Koch beim Spaziergang eine Idee für ein neues Gericht kommt, oder der Bäcker eine neue Idee für eine Kuchenkreation hat.
#16 - Zeiterfassung, selbst elektronische Zeiterfassung, ändert…
#17 - An den Blogeinträgen hier sieht man, dass die meisten…
#18 - @oh je: "An den Blogeinträgen hier sieht man, dass die…
Hier scheint ein Missverständnis vorzulegen: Die meisten Personen, die in der Wissenschaft arbeiten, arbeiten gerade nicht für sich selbst, sondern sind weisungsgebunden. Sie arbeiten in Forschungsprojekten, in der Hochschullehre usw. Damit hier die Vorgesetzten bzw. die Institution die Arbeitskraft nicht ungebührlich ausnutzen können, ist Zeiterfassung sinnvoll. Auch in privatwirtschaftlichen Forschungsabteilungen wird die Arbeitszeit standardmäßig erfasst. In anderen Ländern oder in der Akademie der Wissenschaften funktioniert Zeiterfassung ...
#19 - @oh je. Sie merken schon, dass sie hier zahlenmäßig für…
#20 - @Edith Riedel und @Hannaich forsche und publiziere seit 30…
ich forsche und publiziere seit 30 Jahren im Bereich Mathematik. Alleine oder mit Mitarbeitern oder Kollegen. Alle mir bekannten Kollegen, die mit ihren Mitarbeitern gemeinsam forschen, tun das auf Augenhoehe. Das ergibt sich ganz simpel daraus, dass nur das Ergebnis zaehlt und nicht, wer er rausbekommen hat. Sie arbeiten gemeinsam an einem Problem. Wer eine Idee hat, verfolgt sie einfach. Egal, ob Mitarbeiter oder Lehrstuhlinhaber. Ich kenne niemanden im Bereich Mathematik (und Informatik und Ingwiss.), der nur deshalb publiziert, weil es ihm befohlen wurde. Wie sollte das gehen? Ich frage mich, welche Forschungserfahrung Sie selbst eigentlich ...
#21 - @Edith RiedelNachtrag zum Thema Whistleblower: Wenn Sie den…
Nachtrag zum Thema Whistleblower: Wenn Sie den Beitrag des Kollegen "Klaus" genau gelesen haetten, dann haetten Sie bemerkt, dass er dazu aufruft, kuenftig Personen wie mich, die zu jeder beliebigen Tages und Nachtzeit ueber ihre wiss. Probleme nachdenken und kuenftig - sollte es tatsaechlich auch auf Professorenebene dazu kommen - einen fake Stundenzettel abgeben, und das dann im Kollegenkreis mitteilen, zu denunzieren. Ich bin fassungslos ueber diesen Irrsinn, der hier stattfindet. Und nochmals: in Oesterreich gibt es die Zeiterfassung schon und dort wird sie als laecherlich eingeordnet und sinnvollerweise unterlaufen.
#22 - @oh jeBitte gehen Sie in die Wirtschaft oder gründen Sie…
Bitte gehen Sie in die Wirtschaft oder gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen. Sie werden von öffentlichen Geldern finanziert und wollen gleichzeitig Gesetzen keine Folge leisten? In welcher Märchenwelt leben viele Wissenschaftler_Innen eigentlich?
Der Grund warum Menschen Ihr Fehlverhalten aktiv melden wollen ist doch gerade diese Misslage. Sie haben etwas gegen eine Zeiterfassung? Klagen Sie.
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