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Wir brauchen einen fast schon revolutionären Neuanfang

Was Deutschlands Politiker, Bildungsexperten und Verbände zu den historisch schlechten PISA-Ergebnissen sagen.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU ), nannte die PISA-Ergebnisse "besorgniserregend". Eine zunehmend heterogene Schülerschaft stelle das Schulsystem und auch die Lehrkräfte vor enorme Herausforderungen. Zudem zeigten sich weiterhin die Auswirkungen der pandemiebedingten Einschränkungen und Schulschließungen. "Und wir stehen vor der Herausforderung, sicherzustellen, dass jede Schule die notwendigen Mittel erhält, um eine hochwertige Bildung zu gewährleisten. Dies umfasst nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch die Unterstützung durch qualifizierte Lehrkräfte und zeitgemäße Lehrmaterialien." Alle seien sich einig, dass es jetzt vor allem auf die Stärkung der Basiskompetenzen ankommt, und das möglichst frühzeitig.

Als "besorgniserregend" stufte auch der parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Jens Brandenburg (FDP) die PISA-Befunde ein. Die Daten zeigten ein generelles Absinken des Leistungsniveaus. Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei in Deutschland nach wie vor stark, gerade auch im Vergleich mit anderen OECD-Staaten. "Wir brauchen dringend eine Trendwende und müssen die Anstrengungen erhöhen, um die Grundkompetenzen aller Schülerinnen und Schüler zu stärken. Und wir brauchen dringend eine gezielte Förderung für die sozial benachteiligten Kinder und Jugendlichen." Mit dem Startchancen-Programm das Bundesbildungsministerium etwa 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler besonders stärken. "Bis zum Ende der Programmlaufzeit wollen wir den Anteil derjenigen, die an den Startchancen-Schulen die Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen verfehlen, halbieren."

Die Vorsitzende ...

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Kommentare

#1 -

Laubeiter | Di., 05.12.2023 - 12:52
Gestern war hier ein super Text über die Frage, welche Investitionen der Bundesregierung die Lebensbedingungen der Jungen verbessern. Heute steht hier, dass bis Ende des Jahrhunderts (2100, noch 77 Jahre), 14 Billionen (1.400 Milliarden) auf dem Spiel stehen. Ich werden wohl vor 2100 sterben, daher schrecken mich 14 Billionen, die in der Zukunft defizitär auflaufen, wenig. Ich möchte, dass jetzt, heute, hier etwas passiert für die Jungen.

#2 -

Jakob Wassink | Di., 05.12.2023 - 15:07
Wenn man die Einschätzungen liest, fühlt man sich an die Interviews nach einem engen und intensiven Fußballspiel erinnert. Jeder drischt die immer gleiche Phrase. Nach einer kurzen Phase der Erregung á la "TuchelHamannLoddar" gehts dann mit dem üblichen Business as usual weiter. Nur sind die negativen Folgen für die gesamte Gesellschaft hier viel gravierender als bei einem schlechten Fußballspiel.



Was ich mich frage: Warum dürfen Politiker*innen und Verbandsfürst*innen immer noch ungeschoren von "pandemiebedingten" Schulschließungen schwadronieren. Die hier mitwabernde vermeintliche conditio-sine-qua-non gab es nie. Es waren ausschließlich politische Entscheidungen! Auch das sog. Startchancenprogramm ist doch nicht mehr als eine Alibiveranstaltung!

Die ...

#3 -

Klaus.Diepold | Di., 05.12.2023 - 15:59
Sicher, die Malaise des Bildungsapparats in Deutschland basiert auf vielen politischen Entscheidungen, bzw. Nicht-Entscheidungen der Vergangenheit. Allerdings versäumen wir als Wähler dieses Fehlverhalten zu sanktionieren und debattieren meist über andere Themen, die offenbar wichtiger erscheinen. Die aktuellen Befunde überraschen mich überhaupt nicht. Viel überraschender ist die zwischenzeitliche Verbesserung, ohne dass wirklich etwas Grundlegendes geändert wurde. Also - weiterhin Sinntagsreden über die Bedeutung der Bildung und dann kommt der Rotstift weil z.B. eine Abwrackprämie implementiert werden muss oder was sonst so daherkommt. Die Bildung wird in absehbarer Zeit ins Private verschoben.

#4 -

Hanna | Di., 05.12.2023 - 17:13
Ich möchte noch eine weitere Baustelle hinzufügen:



In der hochschulischen Lehramtsausbildung wurde das Lehrpersonal mit der Einführung des WissZVG im Jahre 1999 bis heute nach und nach durch überwiegend befristete Beschäftigte ersetzt. Da diese nach 6+6 Jahren von den Hochschulen wegen des WissZVG nicht befristet weiterbeschäftigt werden dürfen, die Hochschulen aber kaum Dauerstellen anbieten, stehen weite Teile des hochschulischen Lehrpersonals nach spätestens 12 Jahren vor dem Berufsaus. Viele gehen früher.



In der Lehramtsausbildung wird damit turnusmäßig alle 6-12 Jahre das erfahrene und gut ausgebildete Hochschullehrpersonal durch Berufsanfänger:innen ersetzt.



Staatssekretär Brandenburg für das BMBF und KMK-Präsidentin Günther-Wünsch für die Länder hätten ...

#5 -

Gernot | Di., 05.12.2023 - 19:26
Bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfteausbildung schaffen, um gutes Personal zu gewinnen und zu halten!



"Steht ein Lehramtsabsolvent vor der Berufswahl..." (geht zwar wie ein Witz los, ist aber leider keiner):

- Berufseinstieg in der Hochschullehre an der Uni: Einstiegsgehalt als Wiss. Mitarbeiter E13 (Stufe 1): 2584,76 € netto, befristet, Rentenanspruch, Qualifikationsdruck, wahrscheinliches Karriereende nach 6 oder 12 Jahren WissZVG.

- Berufseinstieg an der Schule: Einstiegssold A13 (Stufe 1): 3566,78 € netto (also ca. 1000 € mehr!), unbefristet, Pensionsanspruch.



Selbst als Promovierter in der höchsten Entgeltstufe 6 (mit 15 Jahren Berufserfahrung) verdient ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehramtsausbildung mit 3532,98 € ...

#6 -

Lehrerkind | Mi., 06.12.2023 - 10:47
Liebe Hanna,

Lieber Gernot,

nach Ihrer Logik sind also Lehramtsabsolvent*innen geeignete Kandidat*innen, um mit Ende ihrer eigenen Ausbildung sofort andere Lehramtsstudierende auszubilden? Das denke ich nicht! die Lehramtsausbildung sollte zum Großteil durch erfahrene Lehrer*innen erfolgen! Großes Problem der Lehrer*innenausbildung in Deutschland ist, dass sie in der Hauptsache durch Lehrende erfolgt, die seit ihrem eigenen Abitur keine Schule mehr von innen gesehen haben. Und diese Menschen sorgen auch ganz aktiv dafür, dass die Anteile am Lehramtsstudium, die nicht "fachrelevant" sind, so klein wie möglich bleiben. So kann das nichts werden!

#7 -

Claus Wesalsky | Mi., 06.12.2023 - 23:42
Deutschland muss endlich den Bildungsföderalismus abschaffen und Bildung in Bundeshoheit übergeben. Bildung darf nicht länger Ländersache sein. Spart unendliche Ressourcen und schafft endlich Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Diese Debatten nerven einfach, weil niemand sich traut die Wurzel allen Übels auszureißen.

#8 -

Kalliope | Fr., 08.12.2023 - 10:48
Was bei der Interpretation der PISA-Ergebnisse zu wenig mitgedacht wird, ist die Co-Lehrtätigkeit der Eltern. Der „PISA-Schock“ führte zu einem immensen Anstieg, die nachfolgenden beruhigenden Ergebnisse zu einem Abflauen der direkten elterlichen Bildungsanstrengungen.

Elternhäuser mit Bildungshintergrund kennen die Anforderungen, die an ihre Kinder zukünftig gestellt werden, (Grundschul)-Lehrer und Lehrerausbilder scheinen davon ziemlich unberührt allein im eigenen Saft zu schwimmen.

Genau das unterscheidet kontinuierlich erfolgreiche PISA-Länder wie Singapur von Deutschland: Sie wissen, wo sie am Ende einer Schulkarriere leistungsmäßig hinwollen und teilen die nötigen Kompetenzpäckchen von der ersten Klasse an auf.

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