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Von wegen teurer

Der Potsdamer Uni-Präsident Oliver Günther argumentiert, deutlich mehr Dauerstellen in der Wissenschaft und damit deutlich bessere Karrierechancen würden viele Milliarden zusätzlich kosten. Das stimmt aber gar nicht. Eine Replik von Mathias Kuhnt.

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Artikelbild: Von wegen teurer

Mathias Kuhnt ist Soziologe und an der TU Dresden tätig im Bereich Hochschulforschung und Soziale Netzwerkanalyse. Foto: privat.

ES IST ERFREULICH, nun auch von Herrn Günther wie von vielen anderen Hochschulleitungen das Eingeständnis zu hören, dass die Unsicherheit zwischen Promotion und Professur in Deutschland "besonders extrem" ist, weshalb der Frust von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland auch besonders groß ist. Und gut, dass auch Herr Günther diesen schlechten Berufsaussichten entgegenwirken möchte.

Dafür sieht er in seinem Gastbeitrag im Wiarda-Blog neben der Möglichkeit einer Reduktion von Promotionsstellen, auf die ich später noch eingehen werde, nur diejenige, den Hochschulen deutlich mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Er folgt damit der insbesondere bei Hochschulleitungen üblichen Argumentation: Wir würden mit Freude mehr Dauerstellen schaffen, wenn wir das dafür nötige zusätzliche Geld zur Verfügung gestellt bekämen. Man tut damit so, als wäre es ausreichend, einem dysfunktionalen einfach noch ein gutes System aufzupfropfen.

Auf dieser Basis berechnet Herr Günther, was es kosten würde, so viele zusätzliche Stellen zu schaffen, dass ...

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Kommentare

#2 -

Oliver Günther | Mi., 26.06.2024 - 18:04
Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich bin auf Ihr Papier gespannt, aber gleich vorweg: Einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen unseren Kernaussagen sehe ich nicht. Wenn man 1/3 der jetzt verfügbaren Promotionsstellen in unbefristete Stellen ("Mittelbau" oder auch Professuren ohne Ausstattung) umwandelt, würde sich die Wahrscheinlichkeit, eine solche Dauerstelle zu bekommen, derzeit 12% mehr als verdoppeln. Dies gilt unter der wohl durchaus realistischen Annahme, dass die Verweildauer auf einer Dauerstelle etwa 6x so lang ist wie die auf einer Promotionsstelle. Der Haken ist, dass dann eben ca. 1/3 weniger Menschen bezahlt promovieren können. Das muss man gesellschaftlich diskutieren.

#3 -

Korbinian Riedhammer | Mi., 26.06.2024 - 19:08
Vielen Dank für den Beitrag, und ich bin ebenso auf die Rechnungen gespannt. In er ganzen Diskussion kommt viel zu kurz, dass in weiten Teilen der Ingenieurswissenschaften die breite Mehrheit der Promovierenden auf Drittmitteln und zu 100% angestellt sind, während in den Natur- und Geisteswissenschaften Planstellen zu 50% und sogar weniger vergeben werden, wodurch das Verhältnis von Promovierenden zu Postdoc (hier sind auch in Geistes- und Naturwissenschaften 75-100% üblich) bzw. Entfristet (i.d.R. 100%) natürlich deutlich mit Bias versehen ist. Wollte man wirklich etwas für die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses erreichen, sollte man konsostent 100% einstellen und die Mindestbefristungsdauer auf einen ...

#4 -

Mainz | Fr., 28.06.2024 - 01:41
Das Modell setzt auf einer Reihe eigentümlicher Vorannahmen auf - z. B. darauf, dass die Zahl der Promotionsstellen irgendwie fix sei. Davon kann in der "unternehmerischen" Universität und in unsicheren Zeiten aber keine Rede sein. Auch sind Dauerstellen bis zur Rente aufgrund der Tarifstruktur offenkundig kostenintensiver als Promotionsstellen. Da nun allenthalben (in manchen BL) Stellenpläne abgeschafft wurden und werden zugunsten sogenannter "Globalbudgets" geht der Weg eher in die umgekehrte Richtung: mehr Doktoranden, weniger Postdocs - und weniger Entfristung.

#5 -

#IchBinTina | Fr., 28.06.2024 - 20:43
@Mainz: "Da nun allenthalben (in manchen BL) Stellenpläne abgeschafft wurden und werden zugunsten sogenannter "Globalbudgets" geht der Weg eher in die umgekehrte Richtung: mehr Doktoranden, weniger Postdocs - und weniger Entfristung."



Genau das! Die Fehlanreize durch die Globalhaushalte werden bislang viel zu wenig diskutiert, auch weil Daten fehlen. Rechtlich gesehen ist das - Ausnahme Stiftungsuniversitäten - eine Aufgabe der Fachaufsicht durch die Länder: Durch Fachaufsicht soll sichergestellt werden, dass die selbstverwalteten Organisationen Mittel zweckmäßig und nicht nur rechtmäßig verwenden. Aber die Länder machen es nicht und verstecken sich hinter dem Vorwand der Hochschulautonomie: Es gibt kaum Zielvereinbarungen, in denen die ...

#6 -

Wolfgang Kühnel | Do., 08.08.2024 - 23:22
Die Problematik als solche ist jedem bewusst, der längere Zeit im Wissenschaftsbereich tätig war. Aber die Lösungsvorschläge von Herrn Kuhnt kann ich nur mit ein paar dicken Fragezeichen versehen.



1. Es wird nie gesagt, wie man die Zeit- und Dauerstellen zählt. Nur relativ wenige Doktoranden- und Postdoktorandenstellen sind Landesstellen aus dem Etat der jeweiligen Hochschule. Die allermeisten sind drittmittelfinanziert, aber eben auch an zahlreichen Instituten außerhalb der Hochschulen. Da gibt es die Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und vieles mehr. Die DFG finanziert Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs sowie Einzelprojekte. Etliche Stiftungen vergeben Promotionsstipendien, das ist ein weitgehend undurchschaubares Geflecht. ...

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