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Ein Diskussionspapier der Leopoldina forderte die "Entbürokratisierung des Wissenschaftssystem" und liegt damit im Trend. Gefährlich wird es, wenn dabei Aufgaben, die für den Erhalt der Demokratie fundamental wichtig sind, zum unverbindlichen Nebenzweck erklärt werden. Ein Gastbeitrag von Britt Dahmen.
Porträtfoto von Britt Dahmen, Leiterin des Referats Chancengerechtigkeit an der Universität zu Köln

Britt Dahmen ist Leiterin des Referats Chancengerechtigkeit an der Universität zu Köln. Foto: Sammy Jamal.

DIE GESAMTE WISSENSCHAFT in Deutschland starrt sorgenvoll bis geschockt auf die Zerschlagung von Grundpfeilern des Bildungssystems in den USA. Durch seitenlange Listen mit Schlagwörtern von "antisemitism" über "gender" bis "racism", die Forschungsarbeiten zu diesbezüglichen Themen aus dem Fördersystem ausschließen sollen, wird das Prinzip der Wissenschaftsfreiheit ausgehebelt. Das Verbot der Erhebung und die Löschung von wissenschaftlichen Daten in verschiedensten Forschungsfeldern untermauern die Ernsthaftigkeit und Tragweite, mit der die US-amerikanische Regierung ihre politischen Eingriffe verfolgt.

Die ursprünglich international wegweisende Förderpraxis von Chancengerechtigkeit beim Bildungszugang in den USA gehört ebenfalls zu den Opfern der Trump-Regierung. Maßnahmen zur Sicherung von Diversität wurden untersagt, zusammen mit der Entlassung von Mitarbeiter*innen aus diesem Arbeitsfeld und der Abwicklung des nationalen Bildungsministeriums, zuständig für die Verteilung von Mitteln für sozial schwache Schüler*innen, stellt dieses Verbot wahrscheinlich nur die erste weithin sichtbare Zerstörungswelle dar, mit der der US-amerikanische Präsident die sogenannte "woke" Bewegung ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | So., 06.04.2025 - 23:37
Zu #9: Das Phänomen, das Sie ansprechen, könnte auch schlicht damit zusammenhängen, dass die Professorinnen im Durchschnitt jünger sind als die männlichen Kollegen. Schließlich hat man auch bei W3 wieder verkappte Dienstaltersstufen eingeführt, und die führen halt dazu, dass die Älteren höher besoldet werden als die Jüngeren: https://www.gender-und-diversity.fau.de/files/2020/08/01_altersgruppen-professor_innen-fau-01-12-19.pdf

#2 -

KE | Mi., 26.03.2025 - 12:06
Herzlichen Dank für diesen Beitrag! Wissenschaftliche Einrichtungen agieren nicht im luftleeren Raum und haben auch eine gesellschaftliche Funktion bzw. Verantwortung. Dass es bürokratische Auswüchse gibt, steht auf einem anderen Blatt, sollte aber nicht vermischt werden mit Forderungen nach dem Abbau von angeblichen "Nebenschauplätzen" wie Nachhaltigkeit, Diversität und Gleichstellung - diese sind nämlich nach wie vor ausbauwürdig im Wissenschaftssystem (und in der Gesellschaft)!

#3 -

McFischer | Mi., 26.03.2025 - 12:51
Danke für diesen Beitrag und gut, dass Sie auf den letzten Abschnitt des Leopoldina-Papiers fokussieren. Dort steht u.a.: "Aktivistische Diskursstile in der Wissenschaft verstärken diese Wirkung und gehen Hand in Hand mit einer zunehmenden Moralisierung öffentlicher Debatten." Das mutet in Zeiten von unstrittigem und spürbarem Klimawandel, Bedrohung der liberalen Demokratie und ihrer Errungenschaften (inkl. Förderung benachteiligter Gruppen) uam doch merkwürdig an. Es klingt im Kern wie: Unis zurück in die Elfenbeintürme, dort soll Forschung isoliert von gesellschaftlichen Entwicklungen betrieben werden und bitte Schluss mit Third Mission oder ähnlichem Unsinn. Es wäre schade und geradezu gefährlich (siehe USA), wenn moderne Wissenschaft, ...

#4 -

Meinhard Hohmann | Mi., 26.03.2025 - 13:17
Es passiert, was immer passiert, wenn entbürokratisiert werden soll: Aufschrei. Natürlich hat jede bürokratische Regelung ihre Begründung, und zwar eine im Sinne des Guten. Aber wer diese absolut setzt, blockiert jede Vereinfachung. Dann brauchen wir gar nicht anfangen.

#5 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 26.03.2025 - 13:19
1. Der Link zur Stellungnahme der Leopoldina ist oben nur indirekt erreichbar über mehrmaliges Anklicken: https://www.leopoldina.org/fileadmin/redaktion/Publikationen/Nationale_Empfehlungen/2025_DP_Wissenschaftsfreiheit_statt_Überregulierung_Web.pdf 2. Unter den Autoren sind zwei ehemalige Verfassungs-richter. 3. Kleines Zitat daraus: "Es kommt zu einem Aufwuchs an speziellen Stellen und Beauftragten, die sich in den Wissenschaftseinrichtungen um die Umsetzung gerade aktueller gesellschaftlicher Werte kümmern. Neue Regularien, Berichtspflichten und Kontrollstruktren sind das Ergebnis." Und wer bestimmt diese "aktuellen gesellschaftlichen Werte" ? Die hängen dann vom jeweiligen Koalitionsvertrag ab und ändern sich öfter mal. Die große Einigkeit mit dem "gesellschaftlichen Konsens", wie die Autorin unterstellt, scheint mir nicht gegeben zu sein. Auch "Chancengleichheit" und "Chancengerechtigkeit" ...

#6 -

K. Lastenvetter | Do., 27.03.2025 - 10:51
Der Beitrag geht von falschen Prämissen aus oder will täuschen. Im deutschen Wissenschaftssystem wurde Chancengerechtigkeit längst durch Gleichstellung abgelöst. Das ist offizielle Politik des BMBF. Es wird gleich gesetz was ungleich ist, um bestimmten demografischen Gruppen Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen. Es werden Professorenstellen nur für Frauen ausgeschrieben, es werden Frauen mit geringer wissenschaftliche Leistung berufen um Quoten zu erfüllen. Die so berufenen hängen ihren Kollegen in der Leistung so weit hinterher, dass es sich auf ihre leistungsabhängige Bezahlung auswirkt und ein gender pay gap erzeugt (siehe z. B. Gender-Reports NRW). Eine solche Politik geht nur zu Lasten der ...

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