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Die große Sprachlosigkeit

Wie der Wissenschaftsjournalismus seine Rolle verliert – und warum das Jubiläum des Pakts für Forschung und Innovation dafür ein bezeichnendes Beispiel ist. Ein Gastbeitrag von Manfred Ronzheimer.
Ein leerer Raum mit Kinobestuhlung, Bühne und Rednerpult.

Illustration KI-generiert.

DER DEUTSCHE WISSENSCHAFTSJOURNALISMUS steckt in einer Krise – und ein zentraler Teil dieser Krise ist, dass er sie nicht wahrhaben will. Von Lösungen ganz zu schweigen. Weil Journalistinnen und Journalisten es gern konkret haben und um Theoretisiererei einen Bogen machen, eignet sich das 20-jährige Bestehen des Pakts für Forschung und Innovation (PFI), das vergangene Woche mit einer offiziellen Festveranstaltung in Berlin begangen wurde, als exemplarisches Beispiel.

Es beginnt damit, dass an dieser Veranstaltung kaum Journalist:innen teilnahmen : Ich, ein, zwei weitere Kolleginnen – und sonst? Niemand? (Korrektur: Die Moderatorin auf der Bühne war ebenfalls Journalistin.) Das wäre eine bemerkenswert schlechte Quote für den deutschen Wissenschaftsjournalismus – bei einem Thema von solcher Tragweite.

Lag es an der späten Einladung der Veranstalter? Die traf erst am Vortag ein, von der GWK und dem BMFTR. Das führt zum zweiten Manko: Die Bedürfnisse der Presse werden von forschungspolitischen Instanzen zunehmend ignoriert . Auch das Ministerium hatte in dieser Woche keinen Kalender veröffentlicht – wohl, weil viele Termine der neuen Ministerin kurzfristig vergeben wurden: ...

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Kommentare

#1 -

Christoph Drösser | Do., 22.05.2025 - 06:26
Vielleicht liegt hier ein Missverständnis vor: Was Sie beklagen, ist nicht zuwenig Wissenschaftsjournalismus, sondern zuwenig Wissenschaftspolitikjournalismus. Ersterer berichtet (hoffentlich kritisch) über das, was in der Wissenschaft geschieht, letzterer über die Institutionen und PolitikerInnen, die Wissenschaft fördern (oder nicht). Die Wissenschaft ist die Schokolade, die Politik das Schwarzbrot – und damit reißt man tatsächlich nicht viele LeserInnen und HörerInnen vom Hocker. Das heißt nicht, dass die Berichterstattung nicht wichtig wäre, sie ist aber noch mehr Minderheitenprogramm als der eigentliche Wissenschaftsjournalismus. Das war aber auch schon immer so.

#2 -

Woodstein | Do., 22.05.2025 - 10:24
@König @Drösser Die Frage ist doch, was hier das Ei ist und was die Henne. Wird schlecht berichtet, weil sich nur eine kleine Minderheit interessiert? Oder interessiert sich nur eine kleine Minderheit, weil schlecht (d.h. unkritisch) berichtet wird? Als ausnahmsweise einmal ein Skandal in der Wissenschaft nicht unter den Teppich gekehrt, sondern kritisch ausgeleuchtet wurde, nämlich die Amtsführung des Herrn Neugebauer @ Fraunhofer, schafften es die Meldungen auch in die WiWo und andere auflagenstärkere Medien. Diese Thematik ist nicht beschränkt auf die Wissenschaft. Generell regierungsfreundlich Medien wie die Süddeutsche verlieren seit Jahren Auflage, während Tichys Einblick und andere kritisch berichtende ...

#3 -

Gerald Wagner | Do., 22.05.2025 - 15:25
Lieber Herr Ronzheimer, ich währe auch gerne zu der Veranstaltung gekommen, aber ich habe auch erst am Vormittag davon erfahren. Das ist eine gelinde gesagt suboptimale Pressearbeit. So kann man auch als freier Journalist nicht arbeiten. Beste Grüße, G. Wagner

#4 -

Auslandsdeutscher | Sa., 24.05.2025 - 13:24
Lieber Herr Ronzheimer, eigentlich schätze ich Ihren Journalismus sehr. Aber dieser Beitrag gehört leider nicht zu Ihren stärksten. So sieht investigativer Innovationsjournalismus aus: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/applied-ai-die-probleme-der-ki-initiative-von-klatten-und-schwarz-110492750.html Ich habe nicht den Eindruck, daß der Kollege Sachse sich von fehlenden Pressekonferenzen hat abschrecken lassen.

#5 -

Hermann H. Dieter | Fr., 30.05.2025 - 01:50
Wissenschaftsjournalisten (m/w/d), die nur als Popularisierer und neuer Erkenntnisse und so als Propaganden gesellschaftlich auch kritisch hinterfragbarer Institutionen agieren, machen sich letztlich überflüssig. Was wir statt ihrer bräuchten, wären einer oder viele Joseph Weizenbaums der MINT-Fächer. Das wären Wissensvermittler, die ihre Themen nicht nur wissenschaftlich durchschauen, sondern auch eines oder mehrere aktiv beforscht haben. Nur solche Personen können die gesellschaftlichen Folgen gegenwärtiger und kommender (erwünschter?) Ergebnisse, sowie die dahinter stehenden Institutionen und Strukturen, unabhängig von finanziellen Zwängen/Sorgen ohne Zuhilfenahme bunter Pressemappen kritisch unter die Lupe nehmen und durchleuchten.

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