Zittern bis kurz vor Verkündung
Wettbewerb, Sichtbarkeit, Strategiedruck: Wissenschaft und Politik kürten am Donnerstag 70 Exzellenzcluster. Wie die neue Runde der Exzellenzstrategie die deutsche Hochschullandschaft verändert.

Illustration KI-generiert.
KURZ VOR dem an vielen Universitäten mit Spannung erwarteten Tag musste die Exzellenzstrategie, kurz "ExStra", wieder einmal viel Kritik über sich ergehen lassen. Hochschulforscher bescheinigten der ExStra in Forschung und Lehre "ein erstaunliches Maß an Pfadabhängigkeit": Je größer ein Fach, gemessen an der Professorenschaft, und je höher das Volumen der eingeworbenen Drittmittel, desto größer die Erfolgswahrscheinlichkeit. "Was erhofft sich die DFG von einer solchen selektiven Förderung? Mit einer derart begrenzten Minimalförderung lassen sich sicherlich keine breitflächigen Verbesserungen im Hochschulsystem erreichen." Wobei diese Frage wohl eher an die Wissenschaftspolitik, nicht an die ausführende DFG zu stellen wäre, weil, wie die Forscher selber schreiben,"eine solche Wirkung nur mit wesentlich höheren Investitionen in die Universitäten möglich gewesen wäre."
In einem langen Artikel, Überschrift "So (wenig) exzellent ist die Exzellenzstrategie", stellte auch der Spiegel fest, es mehrten sich Zweifel, "dass die Milliardenförderung wirklich etwas bringt". Auch 20 Jahre nach dem Start der damaligen Exzellenzinitative stehe nicht einmal fest, wie sich der Erfolg überhaupt messen ließe. "An der Anzahl der Publikationen? Zitationen? Am Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft, an der Reichweite in die Gesellschaft?" Es gebe keine echte Evaluation des Exzellenzprogramms, wird der Soziologe Tilmann Reitz vom "Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft" zitiert. Vergangenes Jahr hatte der Geschäftsführer der Berliner Einstein-Stiftung, Thorsten Wilhelmy, in der FAZ ein Wettbewerbs-Moratorium nach der jetzigen Förderrunde vorgeschlagen: Die Hochschulen litten unter dem überhitzten Wettbewerb. Viele Wissenschaftler, etwa von der Initiative "IchBinHanna", fordern sogar das Komplett-Ende der aus ihrer Sicht einseitigen Förderung.
Doch schon der Umfang der Vorberichterstattung im Spiegel und anderswo zeigt, dass die Exzellenzstrategie im Kern genau das leistet, was sie mit dem begrenzten Budget von 687 Millionen Euro pro Jahr leisten kann: Sie fördert Wissenschaft, ja. Vor allem aber lenkt sie die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Wissenschaft, sie zwingt die Universitäten, an ihrer Forschungsstrategie zu arbeiten und die Hochschulleitungen, strategische Verantwortung zu übernehmen.
So sehr, dass bis an diesem Donnerstag um 17 Uhr, als in der Bonner DFG-Geschäftsstelle die Ergebnisse der Cluster-Auswahl bekanntgegeben wurden, in den universitären Chefetagen überall im Land gezittert wurde. Wobei in ...
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