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Die GWK hat gesprochen: Zehn Schlussfolgerungen aus der Exini-Entscheidung

Es waren drei spannende Monate, seit die internationale Expertenkommission um den Schweizer Physiker Dieter Imboden Ende Januar ihre Empfehlungen vorgelegt hat . Heute nun hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) die Verwaltungsvereinbarung zur nächsten Runde der Exzellenzinitiative beschlossen. Das letzte Wort haben am 18. Juni die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder. Änderungen sind allerdings nicht mehr zu erwarten. Zeit für eine Bilanz in zehn Punkten.



1. Ein unglaublicher Hype, der mit sachlichen Argumenten nicht zu erklären ist

Erlauben Sie mir zu Beginn eine persönliche Bemerkung. Jede Woche schreibe ich in meinem Blog über aktuelle Ereignisse aus Schulen und Hochschulen, Unternehmen, Ministerien und Forschungseinrichtungen. Schaue ich mir die Statistik der vergangenen Monate an, sehe ich: Wann immer ich das Wort „Exzellenzinitiative“ in der Überschrift hatte, explodieren die Zahlen. Sechs, sieben, ja zehnmal so viele Klicks wie an anderen Tagen. Tage, an denen ich über Studiengebühren schrieb, über die umstrittene Akkreditierungspraxis von Studiengängen oder über Flüchtlinge an deutschen Schulen. Alles auch ganz wichtig, ja, ja, sagen meine Gesprächspartner aus Politik und Wissenschaft. Aber die Klicks sprechen eine andere Sprache. Im Verhältnis zur Exzellenzinitiative verblasst alles. Und womöglich ist das ja der größte Erfolg dieses Bund-Länder-Programms: Die Politik hat damit einen Hype geschaffen, einen symbolisch aufgeladenen Wettbewerb, der seinesgleichen sucht in Gegenwart und Vergangenheit der deutschen Wissenschaftsszene. Ganz offenbar bedient die „Exini“ in unserer manchmal leidenschaftslos daherkommenden, mit Formalitäten und Formularen kämpfenden Hochschulwelt eine Sehnsucht: die Sehnsucht nach Drama, nach Geschichten von Scheitern und vom Siegen und danach, auch „wer zu sein“ angesichts der internationalen Konkurrenz. Man kann den Hype jedoch auch andersherum deuten: Andere Themen, die möglicherweise sogar wichtiger sind, die ein noch größeres wissenschaftspolitisches Drehmoment erzeugen könnten, erhalten nicht die Beachtung, die ihnen zusteht.



2. Über das Ob wird nicht mehr gestritten, nur noch über das Wie

Womit wir beim zweiten Punkt wären. Wann haben Sie zuletzt ein Pamphlet gegen Exzellenzförderung an Hochschulen gelesen? So richtig Breitseite, meine ich. Kein Hinterfragen bisheriger oder geplanter Förderlinien, kein Plädoyer für oder wider den Exzellenzbonus a la Imboden. Sondern ein echtes „Mir gefällt die ganze ...

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Kommentare

#1 -

Patrick Honecker | Fr., 22.04.2016 - 18:08
Ein kluger Kommentar: Es ist gut, dass weiterhin Strategien und nicht vergangene Erfolge ausgezeichnet werden. Die Veränderungswucht, die die letzten "Exini" Runden in die Universitäten gebracht haben, ist ein Beweis dafür, dass dieser Ansatz richtig ist.

#2 -

Laubeiter | Mo., 25.04.2016 - 19:58
Ich finde die 10 Punkte klar und den besten Kommentar, den ich im Internet finde zur Entscheidung ueber die Exzellenzinitiative. Ich verstehe noch nicht, wie der Gegensatz zwischen Clusterförderung und Konzeptförderung ab 2019 und jetzt sein soll. Jetzt sind Clusterförderung und Konzeptförderung beide zeitlich begrenzt und muessen erneuert werden, ab 2019 ist nur noch Clusterförderung zeitlich begrenzt und muss erneuert werden? Ich dachte, die Konzeptförderung ist ab 2019 immer noch zeitlich begrenzt und muss erneuert werden?

#3 -

Thomas Hendel | Di., 26.04.2016 - 11:11
Lieber Herr Wiadra,

Toller Blog. Schön differenzierte Darstellungen. Vielen Dank.

Weiß man denn schon etwas über die geplanten Zeitachsen? Theresa Bauer wird in der Stuttgarter Zeitung sinngemäß zitiert mit: die Skizzen für die Exzellenz-Uni Anträge sollten im Frühjahr 2017 eingereicht werden. Wenn das stimmt, müssten diese Exzellenz-Uni Anträge vorbereitet werden, lange bevor klar ist, ob das Zulassungskriterium - min 2 Cluster eingeworben - erfüllt ist.

Das wäre eine gigantische Ressourcenvergeudung in Universitäten und an vielen anderen Stellen.

Das Zulassungskriterium macht es eigentlich zwingend, die beiden Wettbewerbe in Reihe zu schalten. Nur würde dann der Zeitrahmen für die zwei recht aufwändigen ...

#4 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 26.04.2016 - 12:25
@Herrn Laubeiter:

Vielen Dank für das Kompliment! Das mit der Dauer-Förderung ist tatsächlich nicht so ganz leicht nachzuvollziehen. Im Kern kann man es sich vielleicht so verdeutlichen: Bei den Clustern ist nach einer Runde alles wieder auf Start, das heißt: Für eine Verlängerung konkurrieren die Cluster gleichberechtigt mit den Neuanträgen. Bei den Exzellenzuniversitäten (die meinen Sie ja mit der Konzeptförderung?) ist die Vermutung künftig eine andere: Die Gewinner der nächsten Runde sind drin und bleiben drin – es sei denn, sie bestehen die Evaluation alle sieben Jahre nicht. Das heißt: Sie konkurrieren nicht direkt mit Neuanträgen, die gibt es nämlich ...

#5 -

Laubeiter | Mi., 27.04.2016 - 12:43
@Wiarda: Danke für die Erklärung, was die Unterschiede in der Verlängerung von Clusters und Konzeptförderungen angeht.

Ich finde es ungerecht, wenn für die erste Runde der Auswahl der Konzeptförderungen 2019 verlangt wird, dass eine Uni 2 Clusters hat, dann aber in der nächsten Runde 2026 dann für geförderte aber nicht mehr. Es kann dann 2026 also Unis in der Konzepförderung geben, die 2, 1, oder 0 Clusters haben.

Zum Kriterium 2 Custers: Die DFG Webseite zeigt 2 Clusters für 11 Standorte. Von diesen 11 sind 4 (Berlin, München, Dresden und Heidelberg) in der Konzeptförderung. 5 Unis (Aachen, Bremen, Konstanz, Tübingen ...

#7 -

Klaus Diepold | Mi., 27.04.2016 - 14:39
Lieber Herr Wiarda,

auch von meiner Seite Dank für einen kompakten und informativen Blog. Besonders danken möchte ich für den 10.Punkte, d.h. Ihren Aufruf, dass wir uns jetzt auch wieder verstärkt um die Lehre kümmern sollten. Am Ende des Tages ist es die Lehre, wofür die Steuerzahlerin das Geld für Professoren und Unis hinlegt, d.h. für die (Aus)Bildung junger Menschen. Darin ist wohl auch der primäre gesellschaftliche Nutzen der Universitäten zu sehen und diese Bedeutung anzuerkennen und entsprechend zu diskutieren und zu finanzieren ist angesagt. Dabei ist die Finanzierung nur ein Teil des Themas, es geht dabei auch um die ...

#8 -

Josef König | Mi., 27.04.2016 - 20:31
Lieber Jan-Martin,

vielen Dank für diesen klugen und ausführlichen Kommentar, eigentlich auch Bericht, dem ich nur zustimmen kann. Und dennoch gibt es einen Satz, an dem ich mich stoße und Dir widerspreche. Du schreibst unter 10) "Und je vielfältiger die Studienanfänger werden, desto individueller und passgenauer müssen die Studienangebote der Hochschulen werden". Das halte ich für äußerst problematisch. Wenn man sich die HRK-Studienfächerliste anschaut, so gibt es inzwischen in Deutschland mehr als 16.000 verschiedene Studiengänge - und viele darunter sind so spezialisiert, dass ich darin keinen echten Studiengang erkenne. Mit der BA/MA-Reform ab 2001 ist eine Differenzierung eingetreten, die Studien ...

#9 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 27.04.2016 - 21:43
Lieber Josef,
ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor. Ich meine nicht: möglichst viele unterschiedliche Studienfächer. Ich meine: Verschiedene Hochschulen und verschiedene Praxis- und Theoriegrade für unterschiedliche Typen. Und innerhalb der Studiengänge möglichst verschiedene Fördermaßnahmen, die individuell zugeschnitten sind je nach Bedarf. Was die Inflation an Studiengängen angeht, sind wir uns komplett einig!
Herzliche Grüße,
Jan-Martin

#10 -

Laubeiter | Do., 28.04.2016 - 13:13
Wegen 2026:

Also die Prüfung einer Verlängerung der Exzellenz-Förderung von Universitäten, die sie 2019 erhalten haben werden, wird dann in drei Schritten laufen, ist das so? Im ersten Schritt werden die Clusters aller Universitäten entschieden, und dann werden die Universitäten mit Exzellenz-Förderung, die zwei Clusters bekommen haben, dann begutachtet, ob sie genug geleistet haben für eine Verlängerung, und wenn eine der Universitäten mit Exzellenzförderung entweder keine zwei Clusters bekommt oder die Begutachtung nicht postitiv ist, verliert sie ihre Exzellenzfördreung, und dann wird ein Platz frei für eine Bewerbung um Exzellenzförderung für Universitäten mit zwei Clusters ohne Exzellenzförderung?

Das ist ein ...

#11 -

Jan-Martin | Do., 28.04.2016 - 17:49
@Laubeiter: So verstehe ich das. Insgesamt halte ich das für ein faires Verfahren, weil ich mir auch ziemlich sicher bin, dass 2026 nicht alle Exzellenzunis wieder zwei Cluster (oder mehr, falls es Standorte sind) erzielen werden.
Herzliche Grüße,
Ihr Jan-Martin Wiarda

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