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Das überflüssige Gerede vom Kulturwandel

Angesichts der neuen Hightech-Strategie verlangt ein führender CSU-Politiker eine Neuausrichtung der Forschung. Die mangelnde Differenzierung solcher Forderungen ist atemberaubend.

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Artikelbild: Das überflüssige Gerede vom Kulturwandel
Screenshot von der BMBF-Website.

ALLMÄHLICH IST ES dann auch genug. Dass Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) anlässlich der Verabschiedung der Hightech-Strategie 2025 diese Woche als "zentrales Anliegen" nannte, dass die Forschung bei den Bürgern ankomme, geht noch in Ordnung. Wir haben es in den vergangenen Monaten oft von ihr gehört, manche sagen mittlerweile: oft genug, aber es stimmt ja auch. Nur dank der Wissenschaft besteht die Hoffnung, im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs Fortschritte zu erzielen. Ob Elektromobilität, Künstliche Intelligenz oder Strategien gegen den Klimawandel: Alle großen Durchbrüche und Innovationen werden auch künftig zu allererst aus der Leistung von Wissenschaftlern entstehen.

Eine Grenze ist erreicht, sobald aus der Betonung dieses Zusammenhangs ein impliziter Vorwurf wird. Nach dem Motto: Allzu viele Forscher hätten immer noch nicht kapiert, für wen sie eigentlich arbeiten. Sie befänden sich in einem Elfenbeinturm, und die Gesellschaft, die sie (zu einem großen Teil über Steuergelder) finanziert, interessiere sie nicht die Bohne.

Anders kann man nicht verstehen, was der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht, als Reaktion auf den Kabinettsbeschluss zu Papier ...

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Kommentare

#1 -

Zukunftsmusiker | Fr., 07.09.2018 - 14:04
Rupprecht hat im Kern Recht: Forschung verläuft heute ganz überwiegend karriereorientiert, nicht mehr sachorientiert. Das hemmt Innovationen, verhindert auch Durchbrüche innerhalb der Grundlagenforschung. Forscher, die kreativ und sachorientiert arbeiten, dienen der Gesellschaft. Forscher, die Papierberge ohne frische Ideen produzieren, weil das innerhalb der bestehenden Strukturen den eigenen Karrieren förderlicher ist, dienen der Gesellschaft per Saldo eher nicht. Das ist ein großes Problem. Am besten würde man dieses Problem natürlich innerhalb der Wissenschaft lösen. Aber wenn das nicht geschieht, sondern sich die Fehlentwicklungen laufend verstärken, greift die Politik ein. Das ist grundsätzlich richtig.

#2 -

tmg | Fr., 07.09.2018 - 14:40
'Transfer als Geschäftsgrundlage von Forschung'



Als Wissenschaftler im MINT-Bereich ist man fassungslos über solch einen Unfug, für den allerdings durch die ''Lieschen Müller''-Vorstellung von Frau Karliczek zu dem, was Wissenschaft ist/sein sollte, derzeit heftig der Boden bereitet wird.



Empfehlenswerte Lektüre zur Bedeutung von 'nutzloser' Grundlagenforschung: das schmale Heft ''The usefulness of useless knowledge'' über das Princeton Institute of Advanced Studies, gemeinsam geschrieben vom Gründer und vom derzeitigen Leiter dieses Instituts.



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