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Das ist richtig cool

Haben Sie sich in den von Corona dominierten Wochen auch manchmal gefragt, was aus all den Plänen und Vorhaben geworden ist, die eben noch die Debatten in der Bildungs- und Forschungspolitik bestimmten? Zeit für eine kleine Serie. Teil 2: "Die Bundesagentur für Sprunginnovationen". Ein Anruf bei SPRIND-Chef Rafael Laguna.

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Artikelbild: Das ist richtig cool

Rafael Laguna de la Vera, Jahrgang 1964, ist Software-Unternehmer und wurde im Juli 2019 zum Direktor von SPRIND berufen. Einen ausführlichen Artikel über ihn finden Sie hier . Fotos: SPRIND GmbH.

Herr Laguna, im Juli 2019 wurden Sie zum Gründungsdirektor der neuen Bundesagentur für Sprunginnovationen, kurz SPRIND, ernannt. Dann gab es erstmal ziemlich lange Streit um den Sitz der Agentur und ihre Governance. Im Oktober wurde die SPRIND GmbH offiziell gegründet und ging, wie von Ihnen gewollt, nach Leipzig. Geld gab’s aber erst von Januar an – woraufhin Sie im Februar die Agenturwebsite online brachten und endlich richtig Tempo machen wollten. Und dann kam der Shutdown.

Wir hatten eine ganze Kette öffentlicher Veranstaltungen für März, April und Mai geplant und mussten sie allesamt absagen. Wir sind dann erstmal ganz bewusst abgetaucht, weil wir dachten: Okay, wenn die Leute sich jetzt ohnehin nur für das Coronavirus interessieren, dann nutzen wir die Zeit, um die Agentur aufzubauen und unsere eigentliche Arbeit aufzunehmen.

Und die bestand worin?

Weil wir seit vergangenem Sommer so viel in den Medien waren, sind uns die Vorschläge und Bewerbungen nur so zugeflogen. Insgesamt dürften das so 200 Leute gewesen sein, die gern für uns arbeiten wollen, und 140 Innovatoren, die uns ihre Ideen und Projekte geschickt haben und mit uns zusammenarbeiten wollen. Die Projektvorschläge haben wir jetzt erstmal alle gesichtet, und wir haben die ersten drei Innovationsmanager eingestellt, die zusammen mit unserem ebenfalls neuen Expertenkreis die besten Projekte auswählen und auf dem Weg zur Sprunginnovation begleiten werden.

Was sind das für Leute, diese Innovation Manager?

Also der Prototyp ist für mich der Karl Schlagenhauf: Schon Anfang 70, kommt aus der Forschung, hat mal eine Professur abgelehnt, um sich lieber selbständig zu machen. Karl ist ein richtiger "High Potential"; einer, der in seinem Leben immer ...

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Kommentare

#1 -

Liberaler | Mi., 20.05.2020 - 16:12
"Weil wir seit vergangenem Sommer so viel in den Medien waren, sind uns die Vorschläge und Bewerbungen nur so zugeflogen."



Das ist genau die falsche Einstellung. Er hätte sich aktiv auf die Suche machen müssen, sowohl nach Personen als auch nach Projekten. Mit dieser passiven Haltung wird seine Agentur zur Reste-Rampe für Leute, die sonst niemand einstellen will; und für Erfindungen, die sonst niemanden interessieren. Natürlich können Zufallsfunde darunter sein; aber das wären eben solche -- Zufallsfunde. Man merkt, dass Laguna mit dieser Art von Innovation keine Erfahrung hat. Auch mit der entsprechenden Innovationsfinanzierung nicht, denn sonst hätte er längst ...

#2 -

Klaus Diepold | Mi., 20.05.2020 - 22:19
Mmh, da muss ich mich an mehrern Stellen wundern. Exemplarisch möchte ich nur das Statement herausgreifen, dass jetzt keine Zeit sei auf den Proporz zu achten. Das legt die sehr rückständige Einstellung zum Thema Diversität/Vielfalt offen. Dabei geht es nicht um politische Korrektheit sondern um Innovation, die von einem divers zusammengesetzten Team profitiert. Insgesamt ist mir das alles zu passiv und viel zu altbacken. Ich bin ich wenig begeistert.

#3 -

tmg | Do., 21.05.2020 - 23:16
Ich bin im Moment noch gespannt, was bei diesen Wettbewerben herauskommt. Ich vermute aber, grandios wird es nicht werden und die Agentur wird nach einigen Jahren des Dahindümpelns in der Bedeutungslosigkeit verschwinden und schließlich abgewickelt werden.



Immerhin hat Herr Laguna erkannt, und traut sich auch, es auszusprechen, dass Innovation mit Diversität nichts zu tun hat:

''aber an dieser Stelle über Proporz nachzudenken, ergibt keinen Sinn. Wir müssen über die Inhalte gehen.''

Genau! Zu Inhalten zurückzukehren täte auch vielen Kollegen an den Universitäten gut.

#5 -

Klaus Diepold | So., 24.05.2020 - 22:35
Innovation hat sehr wohl etwas mit Diversität zu tun.

https://hbr.org/2016/11/why-diverse-teams-are-smarter

Diese Erkenntnis fängt auch an sich in den Innovationshochburgen ausserhalb Deutschlands herumzusprechen.

#6 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 25.05.2020 - 10:08
Liebe Leserinnen und Leser,
ich muss mal wieder vermehrt um Einhaltung des wertschätzenden Tons hier im Blog bitten. Kritik, auch harte Kritik an Akteuren: gern. Aber bitte nicht ins Persönlich-Menschliche gehend. Sonst kann ich Beiträge nicht freischalten.
Gleichzeitig danke ich allen, die hier mit Kommentaren zur Debatte beitragen und das in einer mit anderen trotzdem respektvollen Weise tun.

Viele Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

#7 -

tmg | Mo., 25.05.2020 - 14:33
@Klaus Diepold

''Innovation hat sehr wohl etwas mit Diversität zu tun.''



Na klar, die Relativitätstheorie wäre vermutlich wesentlich innovativer ausgefallen, wenn Einstein das nicht alleine, sondern in einer diversen Gruppe durchgeführt hätte.



In großen Datenhaufen lassen sich jede Menge von Korrelationen finden, die nichts aber auch gar nichts mit

kausalen Effekten zu tun haben. Dieser Sachverhalt gehört

zu den Grundvoraussetzungen für das Betreiben von Wissenschaft, scheint sich aber noch nicht überall herumgesprochen zu haben.

#8 -

Klaus Diepold | Mo., 25.05.2020 - 17:52
"Je größer die Zahl der unabhängigen Köpfe ist, die sich um die Lösung eines Problems Gedanken machen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gutes Ergebnis resultiert."



"Wenn alle das selbe denken, dann insgesamt wenig gedacht."



Das sind umgangssprachliche Formulierungen, die in Einklang stehen mit dem (publizierten) wissenschaftlichen Befund über die verbesserte Innovationsfähigkeit diverser Teams. Nachdem dies auch immer eine statistische Aussage ist, steht das nicht im Widerspruch zu Albert Einstein, genauso wenig, wie sein Fall die allgemeine Aussage widerlegt.



#9 -

Liberaler | Mo., 25.05.2020 - 19:35
@tmg @ Klaus Diepold



Wenn Sie gestatten: Sie scheinen mir hier an einander vorbei zu schreiben.



Die Art von Innovation, die man im HBR findet, ist fast immer Schrittinnovation. Wenn es darum geht, etwas Vorhandenes besser zu machen, können gemischte Teams hilfreich sein, auch bekannte Techniken wie Brainstorming oder Design Thinking. @ Klaus Diepold hat zu Recht darauf hingewiesen. Freilich kommt es dabei entscheidend auf die Vielfalt im Denken an -- und die korreliert nur teilweise mit stereotypen Kategorien wie z.B. Gender.



@ tmg hingegen denkt an ausgesprochene Sprunginnovationen wie z.B. die Relativitätstheorie. Wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, gehen solche Sprünge ...

#10 -

tmg | Mo., 25.05.2020 - 19:58
@Liberaler: vielen Dank für Ihren erhellenden Beitrag.



Ich denke allerdings, aktuelles Thema in diesem Blogteil waren tatsächlich Sprunginnovationen (ungeachtet der Frage, ob Herr Laguna geeignet ist oder nicht).



Sprunginnovationen sind übrigens auch genau das, was für Universitäten relevant ist, wenn etwa von Exzellenz die Rede ist. Und auch hier gilt dann wieder: Diversität ist irrelevant in diesem Zusammenhang.



Die Argumentation pro Diversität im Hochschulbereich ist inzwischen auf einem für Wissenschaftler erschreckend niedrigem Niveau angelangt, das man fast schon mit dem Niveau der ''Argumente'' von Homöopathiebefürwortern vergleichen muss, wenn diese etwa vom Molekülgedächtnis sprechen. Bar jeder Logik. Eine Art von Glaubensbekenntnis, ...

#11 -

Liberaler | Mo., 25.05.2020 - 20:20
"Ich denke allerdings, aktuelles Thema in diesem Blogteil waren tatsächlich Sprunginnovationen."



So hätte es sein sollen, ja. Aber Laguna behandelt leider Sprunginnovationen wie Schrittinnovationen in seinem Interview oben. Er läßt sich als "Chefinnovator der Bundesregierung" feiern (in anderen Presseartikeln), obwohl er diesen fundamentalen Unterschied nicht begriffen hat. Deshalb war der Beitrag von @ Klaus Diepold nicht unmotiviert.



Auch an Universitäten werden beide Innovationstypen ständig vermengt, vor allem von Wissenschaftsfunktionären und deren PR-Abteilungen. Echte Sprunginnovationen sind sehr selten, vor allem in Deutschland. Die politisch gefördertern "Exzellenzcluster" zeichnen sich gerade dadurch aus, daß sie mit dem Hauptstrom des Zeitgeistes schwimmen: Politiker und ...

#12 -

Unicat | Di., 26.05.2020 - 22:23
Das andauernde Laguna-Bashing sollte mal hinterfragt werden. Wer sich nur an den klar sichtbaren Fakten orientiert wird wohl weniger optimistisch sein, geht aber wohl implizit davon aus dass Herr Laguna in seinem Job sehr viel Freiheit hat. Ob dem wirklich so ist ?



Wer versucht zwischen den Zeilen zu lesen kann durchaus zum Schluß kommen, dass der Vielgescholtene sich ordentlich verbiegen und jede Menge Kompromisse eingehen muss. Genialität und Ministerialbürokratie haben eben nur eine extrem geringe Schnittmenge, und die gespielte Musik wird nun mal ganz vorwiegend vom bezahlenden Sponsor bestimmt.



SprinD ist ein sehr interessantes Experiment, vor drei Jahren hätte ...

#13 -

Liberaler | Mi., 27.05.2020 - 11:28
Ich glaube kaum, dass das BMBF Laguna vorschreibt, einen Ü70-jährigen zum "Prototypen" seiner eigenen Einstellungspraxis zu erklären. Oder keine Strategie zu entwickeln, sondern einfach abzuwarten, wer sich bei ihm meldet, und sich darüber ganz begeistert zu äußern in diesem Interview. Oder potentielle Sprunginnovationen mit einem standardisierten Fragebogen zu filtern. Diese und andere Dinge muss er schon auf seine eigene Kappe nehmen.



Aber nehmen wir einmal an, kontrafaktisch, Sie hätten Recht. Es geht hier immerhin um 1 Mrd. Euro an Steuergeldern. Die für Sprunginnovationen ausgegeben werden sollten; denn Schrittinnovationen gibt es in Deutschland schon mehr als genug (die finanziert der Markt ...

#14 -

Duss | Di., 02.06.2020 - 11:23
Dass Deutschland für Sprunginnovationen bereit ist 1 Milliarde Steuergelder auszugeben finde ich großartig. Wenn man dem gegenüber die Militärausgaben von 51 Milliarden Dollar jährlich stellt, steht das sowieso in keinem Verhältnis. Und hat da Vinci seine Ideen in nicht mal einem Jahr entwickelt? Wie lange hat es gebraucht, bis das erste Auto auf dem Markt war? Die Glühbirne erfunden wurde? Die Kernspaltung nachgewiesen wurde? Es braucht innovative, begeisterungsfähige, verbissene, hochintelligente und kreative Köpfe in dem Bereich und ich traue Laguna durchaus zu, dass er das erkennt. Gut Ding muss Weil haben.

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