Mut zum Protest für eine andere Universität
"Vorübergehend" ist die Krisenlosung von Hochschulen, deren Leistung von der Opferbereitschaft ihres Personals abhängt. Eine anders verstandene Wissenschaft braucht eine Lobby. Sie braucht uns als Lobby. Ein Gastbeitrag von Friedemann Vogel.

Friedemann Vogel ist Professor für Sozio- und Diskurslinguistik an der Universität Siegen.
DER TEILCAMPUS und das Gebäude, auf dem ich mein Büro habe, sollte für meinen eigenen Fachbereich – einen der größten der Universität – nur eine vorübergehende Bleibe bieten. Wir haben aber inzwischen gelernt, und wie könnte es anders sein, dass "vorübergehend" ein sehr dehnbarer Begriff ist und auch mal schnell über ein Jahrzehnt vergehen könnte. Etwas, das nur vorübergehend genutzt werden soll, wird natürlich nur so weit instandgehalten, wie es unbedingt nötig ist: Eine Cafeteria oder Gemeinschaftsräume gibt es nicht, dafür sterile Krankenhausoptik ohne jede akademische Anregung. Parken im maroden Parkhaus ist verboten, der Nahverkehr ist unzuverlässig.
Immerhin, wir haben Strom, Licht und fließend Wasser. Aber weil das ein bisschen wenig ist und die Gebäude derzeit auch empfindlich abkühlen, bleiben viele – sei es Personal oder auch Studierende – oft nur so lange, wie es sein muss. Das wiederum dient zur Legitimation weiterer Sparmaßnahmen: wenn doch ohnehin niemand da ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Kommentare
#1 - Danke für die treffende Beschreibung. Mein Eindruck ist,…
#2 - Ich bin Professor an einer Universität in einem MINT Fach.…
Ich bin Professor an einer Universität in einem MINT Fach. Und ist stimme dem Artikel in ungefähr nichts zu. Um mich herum sind viele zufriedene Doktorand*innen, für PostDoc Stellen finden wir kaum qualifiziertes Personal, mit der Verwaltung schlagen sich praktisch nur die Profs rum (da ist sich der Mittelbau viel zu fein für), und alle können im wesentlichen forschen, was sie wollen (wobei der Umfang vom Erfolg in der Drittmitteleinwerbung abhängt).
Es gibt offensichtlich viele parallele Universen.
#3 - @Verblüffend: "Um mich herum sind viele zufriedene…
Diese Schilderung zeigt doch bereits, dass vermutlich auch bei Ihnen am Fachbereich nicht alles so rosig ist, wie Sie es wahrnehmen. Wäre die Doktorand*innen so hoch zufrieden mit den Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbereich, müsste es doch ein leichtes sein, entsprechend viele von ihnen auch für die nächste Phase im Wissenschaftsbetrieb, die Postdoc-Phase, gewinnen zu können ...
#4 - @Josef: In vielen Bereichen ist die Nachfrage nach gut…
#5 - @Josef: Ich verstehe ihr Model für Universitäten nicht.…
Warum wollen jetzt nur noch so wenige bleiben, dass wir PostDoc-Stellen kaum besetzt bekommen? Nun ... Industrie zahlt ...
Neuen Kommentar hinzufügen