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Wer das Problem Lehrermangel lösen will, muss das Problem Lehramtsstudium lösen

Fast die Hälfte der Lehramtsstudenten geht in der Ausbildung an den Universitäten verloren, zeigt eine Analyse. Woraus folgt: Es braucht nicht nur mehr, es braucht vor allem bessere Studienplätze für Lehrer.

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Artikelbild: Wer das Problem Lehrermangel lösen will, muss das Problem Lehramtsstudium lösen

Foto: Martin Kraft , CC BY-SA 3.0 .

DIE AHNUNGSLOSIGKEIT vieler Universitäten ist atemberaubend. Inmitten des größten Lehrermangels seit Jahrzehnten können sie oft nicht sagen, wie viele ihrer Lehramt-Studienanfänger bis zum Abschluss kommen – geschweige denn, warum sie zu welchem Zeitpunkt entscheiden, doch nicht Lehrer zu werden.

Der Stifterverband spricht von einer "großen Forschungs- und Datenlücke", die es zu füllen gelte, "denn nur auf Basis belastbarer Befunde können bildungspolitische Maßnahmen ergriffen werden, die letztendlich einen Bildungsnotstand verhindern."

Vielleicht wollen viele Verantwortliche in Hochschulen und Politik es auch gar nicht so genau wissen, denn die wenigen bekannten Zahlen sind atemberaubend. In so seltener wie beispielhafter Transparenz haben Bildungsforscher der Universität Rostock im Auftrag der Landesregierung ermittelt , dass je nach Schulform, Schulfach und Uni zwischen 20 und 83 Prozent der Lehramtsstudierenden in Mecklenburg-Vorpommern zwischendrin verloren gingen – besonders groß sei die Schwundquote ausgerechnet in den MINT-Fächern.

Der Stifterverband zeigt nun mit seinem erstmals recherchierten " Lehrkräftetrichter ", dass ...

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Kommentare

#1 -

Andreas Tomiak | Mo., 10.07.2023 - 13:50
Die Zahl erscheint hoch, aber wie ist der Vergleich mit anderen Studienfächern? Wandern die Studenten der Lehrämter nicht auch in andere Fächer ab? So etwas habe ich vor 45 Jahren schon beim Studium beobachtet. Die Abbrecherquote war bei der Chemie deutlich höher.

#2 -

Richard Wharfinger | Mo., 10.07.2023 - 16:22
Viel ist derzeit davon die Rede, die Menge derjenigen zu erhöhen, die ein Lehramtsstudium erfolgreich abschließen -- dadurch, heißt es sinngemäß auch hier, sei der Lehrermangel im Wesentlichen gelöst. Das Problem: dieses »Argument« beruht auf der nicht so ganz kleinen Prämisse, dass (1) alle, die das Studium abschließen, auch wirklich in den Schuldienst gehen, und nicht etwa Schulbuchautoren, Kultusbeamte oder Bildungsblogger werden, und v.a. dass (2) es auch weiterhin langfristig ausreichend Leute gibt, die sich oben in den Trichter hineinlocken lassen.



Gerade letzter Punkt dürfte jeden, der in den letzten Jahren Schulen von innen erlebt hat, doch skeptisch stimmen. Denn ...

#3 -

Doris Hoene | Mo., 10.07.2023 - 19:42
Noch mehr für die Beratung und Betreuung der Studierenden an der Uni tun? Noch mehr "Begleitung"? Sorry, aber jeder Insider weiß, dass in den letzten 15 Jahren an den lehrerbildenden Unis eine absurd große Infrastruktur für das Assessment, die Beratung, die neuen Praxisphasen usw usf aufgebaut wurde anstatt in die eigentliche Lehre in den Disziplinen zu investieren. Das LA-Studium ist als Studium total schrecklich, überreguliert mit Zertifikaten und Beratungssessions; mit zwei U-Fächern und EW produziert das einen ECTS-Punktesammel-Horror in total engen ("überschneidungsfreien") Programmen, wo einem absolut kein mündiges Studium mit interessanten Schwerpunkten ermöglicht wird. Es ist Schule 2, es ist ...

#4 -

Eine Lehramtshanna | Mo., 10.07.2023 - 23:23
Im Lehramt gilt das WissZVG genauso wie in allen anderen Studiengängen auch.



Die Folgen:

i) Befristetes Personal (80-90% der Wiss. Mitarbeiter sind befristet). - Gute Lehre braucht aber gute Arbeitsbedingungen.

ii) Trotz Befristung lehren die meisten WiMis in der Lehramtsausbildung auf Hochdeputatsstellen (bei uns 11 LVS pro Semester). - Gute Lehre braucht aber gute Betreuungsrelationen.

iii) Das Lehrpersonal besteht fast ausschließlich aus Berufsanfängern. (Docs&Postdocs): Denn wer nach max. 6+6 Jahren keine Professur bekommt, fliegt aufgrund des WissZVG (und in Ermangelung alternativer Karrierewege zur Professur) raus. - Gute Lehre braucht aber erfahrenes Personal.

iv) Für eine erfolgreiche Bewerbung auf eine Professur ...

#6 -

Lilit Soghoyan | Di., 11.07.2023 - 16:16
Leider ist Lehrer/in Beruf sinnlos, weil große Teil Respektlos gegenüber sind, durch Chaotischen Bildungssystem erreichen die Lehrer am besten ihr Minimum, viele Lehrer arbeiten als Lehrer , weil keine andere Möglichkeit haben , wer har, der verlies die Schule und Bildungssystem. 99% Schule kommen zu Untericht um eine Note bekommen, keine Interessiert eigene Wissen . Die Schule verlassen die Abiturienten ohne Wissen, daher ist es kein Zufall, dass die Hochschule große Probleme mit diesen Studenten haben. Das ist Hochschulrealität.

#7 -

Lehrerkind | Mi., 12.07.2023 - 11:43
@Doris Hoene: ich sehe das mit dem ganzen Assessment und der Beratung genau so. Das Problem ist, dass massiv in Assessment und Beratung investiert wurde, sich an der eigentlichen Lehre für das Lehramt aber nichts geändert hat. Böse Zungen behaupten gar, dass Assessment und Beratung nur eingeführt wurden, damit die Professor*innen ihre lehramtsungeeignete Lehre weiterhin anbieten können und nichts änder müssen. Es ist weithin bekannt, dass Lehramtskandidat*inne, vor allem in den MINT-Fächern, oft als Studierende zweiter Klasse angesehen werden, da sie ja auch pädagogische Studienanteile haben und dadurch wertvolle ECTS-Punkte für die Fachausbildung "verschwendet" werden. Das ging an unserer Universität ...

#8 -

Hanna | Mi., 12.07.2023 - 20:09
Zu den Abbrecherquoten: Das Lehramtsstudium ist meiner Meinung nach ein typisches Einsteigerstudium für Erststudierende. Kinder aus Nichtakademikerhaushalten können sich aufgrund mangelnder Vorbilder und Informationen aus erster Hand oft schlicht nicht vorstellen, wie sich die Studieninhalte, Berufsfelder und Karrierewege von Soziolog:innen, Jurist:innen, Astrophysiker:innen, Sprachwissenschaftler:innen, Molekularbiolog:innen, Geograph:innen etc. gestalten. Daher studiert man oft das, was man aus eigener Erfahrung kennt: Lehramt. Der Wechsel erfolgt dann, wenn man an der Uni mit spannenderen Feldern erstmals in Kontakt gekommen ist. Die Gymnasien müssten im Abschlussjahr viel umfangreichere Orientierungsmaßnahmen für Beruf und Studium vornehmen. Und Universitäten sollten ein gemeinsames erstes Studienjahr (Studium generale) für alle ...

#9 -

Janine | Sa., 15.07.2023 - 02:00
Mein Lehramtsstudium war gut (GHR+Sonderpädagogik). Das Referendariat hingegen war die Hölle und meine Ausbildungsschule unterirdisch. Deshalb habe ich nach 9 Monaten gekündigt. Nach ein paar Jahren Pause fing ich an einer Förderschule in freier Trägerschaft als Klassenlehrerin an. Dort habe ich die letzten 2 Jahre sehr gerne gearbeitet und wollte nun mein Feststellungsverfahren machen um die unbefristete Unterrichtsgenehmigung für Schulen in freier Trägerschaft zu erhalten.

Die Bezirksregierung meinte aber nun,dass ihr ein Fehler unterlaufen sei,als sie mir die befristete Unterrichtsgenehmigung erteilten,weil ich ja damalig meinen Vorbereitungsdienst gekündigt habe.



Fazit: Am Montag beginne ich als studierte Sonderpädagogin mit Masterabschluss einen neuen ...

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