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Was gute Schule mit Schulpolitik zu tun hat – oder gerade eben nicht

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Artikelbild: Was gute Schule mit Schulpolitik zu tun hat – oder gerade eben nicht

Wie viele Reformen von oben braucht die Schule? Wie viele Reformen verträgt die Schule? Vor einigen Tagen hatte ich in einer Analyse des IQB-Ländervergleichs davor gewarnt, den Begriff "Reform" zu einem Schimpfwort zu machen. Der Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers hingegen glaubt, das Hauptproblem der Schulen liege in unserer Rhetorik mit ihrem starken Hang zur Übertreibung. Ein Gastbeitrag aus aktuellem Anlass


Zwischen Untergangs- und Rettungsphantasien



Von Jürgen Oelkers

Gute Schule ist machbar - Aber weiß das auch die Öffentlichkeit? Von außen gesehen sind deutsche Debatten über Bildungspolitik merkwürdige Erscheinungen. Das Wort „Bildung“ hat eine so herausgehobene Bedeutung (und Betonung) wie in keinem anderen Land, entsprechend hoch sind die Erwartungen und entsprechend niedrig sind die Stufen der öffentlichen Alarmierung.

Kennzeichnend für den Diskurs sind eine Rhetorik mit starker Neigung zur Übertreibung, martialische Schlagwörter, häufig auch dramatische Untergangs- und Rettungsphantasien, die direkt mit dem Nirgendwo verbunden sind. Lobbys wie die der Lehrer oder der Eltern scheinen nicht Interessen, sondern höhere Werte zu vertreten und vom Staat wird erwartet, dass jedes Anliegen unmittelbar zu erfüllen ist.

Die profane Wirklichkeit kommt selten in den Blick oder wird so idealisiert, dass man sie nicht wiedererkennt. Wer deutsche Schulen besucht, könnte meinen, dass sie bewusst übersehen werden sollen. Was sie ausmacht, ist nicht das, worüber diskutiert wird und dass sie einfach gut sein können, ist ein Thema bei Preisverleihungen, etwa wenn die Lokalzeitungen berichten.

Es handelt sich nicht um „Realitätsverlust“, weil das bedeuten würde, die Realität schon einmal besessen zu haben. 1964 war von der „Deutschen Bildungskatastrophe“ die Rede, 2001 wurde der „PISA-Schock“ erfunden und vor wenigen Jahren geriet das „Turboabitur“ in die Schlagzeilen. Auch der „Erziehungsnotstand“ wird regelmäßig ausgerufen und die Zukunft der Kinder muss ohnehin immer gerettet werden. Die entsprechenden Titelgeschichten sind erwartbar.

Irgendwie hat das System: Als vor 90 Jahren die Grundschule eingeführt wurde, ist von den Elternverbänden der Vorwurf erhoben worden, dass dadurch die Begabten am schnelleren Vorankommen gehindert werden. Heute wird die Ganztagsschule bekämpft, weil sie mit drei Stunden mehr pro Tag und Mittagessen „die Kinder um ihr Leben ...

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