Direkt zum Inhalt

Unis in der Pflicht

Lehrerbildung muss Chefsache werden. Nur durch Mehrarbeit sind die Zehntausenden fehlenden Lehrer nicht zu kompensieren. Der Zugang und das Lehramtsstudium selbst müssen sich grundlegend ändern.

Bild
Artikelbild: Unis in der Pflicht

Stühle hoch, Unterricht fällt aus? Ideen gegen den Lehrkräftemangel braucht das Land. Foto: Pixabay, CCO.

DIE WISSENSCHAFTLICHEN BERATER der Kultusministerkonferenz haben mit ihren Empfehlungen zum Umgang mit dem akuten Lehrkräftemangel einen akuten Empörungssturm ausgelöst . Im Kern, sagen die Experten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK), sei der Misere kurz- und mittelfristig nur mit Mehrarbeit beizukommen . Im Kern, halten die Lehrerverbände dagegen, werde dies den Lehrerberuf nur unattraktiver machen und das Personalproblem noch vergrößern. Aber was könnten tragfähige Alternativen sein? Allen mehr Geld zu zahlen, sicher nicht: Die deutschen Lehrergehälter liegen international schon mit an der Spitze. Eine Frage der Fairness wäre es indes, alle Lehrer wie ihre Kollegen am Gymnasium zu bezahlen. Eine kurzfristige Studienbewerberflut wird das aber auch nicht auslösen. Und selbst wenn – sie kämen erst langfristig in den Schulen an, wenn überhaupt.

Also noch mehr Quer- und Seiteneinsteiger angesichts von knapp 60.000, möglicherweise auch über 80.000 fehlenden Lehrkräften bis 2030 ? Bitte nicht, sagen viele Kollegien, die mit deren Anlernen und Betreuung schon jetzt an Grenzen ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Karla K. | Mo., 13.02.2023 - 09:54
"Darum müssen die Hochschulleitungen die Lehrerbildung zur Chefsache machen. [...]"



Mh, was waren noch gleich die zentralen Aspekte der millionenschweren "Qualitätsoffensive Lehrerbildung"?



Ein weiteres Indiz, dass es gerade nicht ausreichend ist, viel Geld zu geben und darauf zu vertrauen, dass die Hochschulen das schon richtig machen werden. Wann entwickelt sich endlich ein politischer Wille, ernsthaft die Umsetzung von exzellenter Antragslyrik und die Zielerreichung zu überprüfen? Statt sich von Ergebniserzählungen in Hochglanzbroschüren blenden zu lassen? Wie viele Gelder, die über die "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" in eine Hochschule geflossen sind, sind der Lehramtsausbildung an anderer Stelle durch Dekanate und Hochschulleitung entzogen worden?



Wie ...

#2 -

anonym | Mo., 13.02.2023 - 12:12
Mit dem Blick aus der hochschulischen Praxis. Wo sollen wir anfangen?

1. Zum Status des Lehramts an den Hochschulen: In den Fächern an den Hochschulen begegnet man dem Lehramtsstudium häufig mit gerümpfter Nase. Eine Ausbildung, die nicht auf eine wissenschaftliche Exzellenz ausgerichtet ist, sorgt nicht für viel Begeisterung und Interesse bei den Professor:innen, deren Leistung nach Drittmittelquote und Veröffentlichungsleistung gemessen wird.

2. Zu dem Ziel mehr Studierende (mit Fach-Bachelor) zu gewinnen: Woher sollen diese Studierenden kommen? Es gibt in vielen Bereichen freie Kapazitäten um mehr Studierende auszubilden. Aber das Interesse ist kaum da. Bspw. im technischen Bereich werden in der ...

#3 -

McFischer | Mo., 13.02.2023 - 16:14
@anonym: Zu erstem Punkt - dem Status der Lehrämter an den Unis - kann ich beipflichten. Habe selbst an der Uni unterrichtet, da waren immer einige Lehrämtler drunter, der Rest Bachelor bzw. Masterstudierende. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie ich auf die Lehramtsstudis eingehen sollte, da fehlte mir Anleitung und Unterstützung.

Sehr abstrus habe ich aber auch wiederum die Bildungswissenschaften in Erinnerung. Da gab es in den Abschlussprüfungen (wo dann Fach und Lehramt gemeinsam geprüft wurde), Pädagogik-Profs, die behauptet haben, man hätte empirisch bewiesen, dass Schüler mit gleicher Kompetenz aus dem Gymnasium rausgingen, als sie reingegangen sind. Also quasi die ...

#4 -

Ich bin eine L… | Mo., 13.02.2023 - 16:19
Ich bin promovierte Wiss. Mitarbeiterin an einer Universität in der Lehramtsausbildung/Grundschule.

Wenn die Universität die Besten für die Lehramtsausbildung gewinnen will, also Lehramtsabsolvent:innen mit Referendariat und Praxiserfahrung, dann müsste sie mind. vergleichbare Arbeitsbedingungen bieten, wie sie Lehrer:innen haben: unbefristete, verbeamtete A13-Stellen. - Stattdessen haben meine Kolleg:innen und ich meist auf 2 Jahre befristete, E13-Angestelltenstellen, d.h. ein Einstiegsgehalt von ca. 1000 € Netto weniger. Hier besteht ein Personalgewinnungsproblem. Bei uns am Institut arbeiten kaum ausgebildeten Lehrkräfte, sondern meist Fachwissenschaftler:innen, oft ohne schulpädagogische Ausbildung, was nicht gerade ideal ist, wenn es um den Praxisbezug der Lehre oder die Betreuung in Schulpraktika geht.

#5 -

Django | Mo., 13.02.2023 - 17:33
Es ist mir zu billig, einfach auf die Universitäten zu schimpfen. Die Studien- und Prüfungsordnungen und damit die Studienverläufe sind in hohem Maße von der Zustimmung der Senatsverwaltung abhängig. Hier wurde in Berlin mit greoßer Freude am Detail den Universitäten vorgegeben, welche Kompetenzen den Studierenden zu vermitteln seien. Ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne mit der Aussage, dass die Berliner Universitäten ein "dualeres" Studium mittragen würden. Aber schon die Umsetzung des jetzigen "Praxissemesters" (3. Sem. im M.Ed.) stößt bei den Schulen nicht auf ungeteilte Gegenliebe.

Und ja, insbesondere in den Naturwissenschaften sind Lehramtsstudierende nicht ...

#6 -

Ruth Himmelreich | Di., 14.02.2023 - 10:26
Ich finde nicht, dass vor allem die Unis hier in der Pflicht sind. Wenn der Lehrer*innenberuf (nicht das entsprechende Studium!) sehr attraktiv wäre, würden auch ein paar potentiell langweilige Veranstaltungen zu Bildungswissenschaften die Studis nicht abschrecken. (Das hört man öfter, wenn man Lehramtsstudierende nach ihrem Studium fragt - sie finden es gut, aber die bildungswissenschaftlichen Inhalte zu abgehoben und sie erkennen deren praktischen Nutzen nicht.)



Dass dieser Beruf - vor allem außerhalb der Gymnasien - unattraktiv ist, liegt nicht an den Gehältern (die auch bei den schlechter bezahlten Nichtgymnasiallehrer*innen noch gut sind), sondern an den, vor allem an den Schulen ...

#7 -

D. Orie | Sa., 11.03.2023 - 13:33
Vielen Dank, dass Sie sich immer so kompetent des wichtigen Themas annehmen. Hier noch ein (schrecklicher und trauriger) Blick auf die Lehrkräfteausbildung an den Unis, Beispiel der Uni Siegen. Hier ist kürzlich zum dritten Mal (!) die Besetzung der wichtigen und einzigen Professur in Germanistik (Bereich Sprachdidaktik, Schwerpunkt Rechtschreiberwerb) abgebrochen worden! Nun wird die Stelle, die vorher so namhafte Forscher wie Gerhard Augst und Wolfgang Steinig, innehatten irgendwann wieder ausgeschrieben. Bei der letzten Ausschreibung hatte sich u. a. eine hochqualifizierte Bewerberin beworben (mit höchster Forschungs- und Lehrreputation, genau zum Thema Rechtschreiberwerb), wurde aber nicht berücksichtigt. Warum? Hier kann man nur ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

200-Euro-Pauschale: KMK-Präsidium will bundesweiten Auszahlungsstart Mitte März

Damit wird der Start der zwei Geschwindigkeiten unwahrscheinlicher – deutliche Kritik am Vorgehen des Bundesbildungsministeriums.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Das 200-Euro-Drama

Die Antragsplattform ist fast fertig, doch geht der Ärger um die Energiepauschale für 3,5 Millionen Studierende und Fachschüler weiter. Droht eine Auszahlung der zwei Geschwindigkeiten?


  • Artikelbild: Da müssen wir gegenhalten

Da müssen wir gegenhalten

Deutschland steckt in der Modernisierungskrise. Was hat das mit seinen Ingenieurwissenschaften und Technischen Universitäten zu tun? Die TU9-Präsidentinnen Tanja Brühl und Angela Ittel über die Suche nach einem neuen Selbstverständnis, die Macht der alten Zirkel und ihre Erwartungen an die Wissenschaftspolitik.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

200-Euro-Hilfe soll ab 15. März für alle starten – wenn der Testlauf klappt

Anfang März öffnet die Antragsplattform für Studierende und Fachschüler voraussichtlich nur für wenige Hochschulen in wenigen Bundesländern. Der Großteil der Berechtigten erhielte das Geld  damit erst im Frühling.


  • Artikelbild: 800 Euro weniger

800 Euro weniger

Wie groß ist der Gehaltsunterschied zwischen Professorinnen und Professoren? Zwei Berliner Universitäten haben ihren Gender Pay Gap jetzt systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse sind wenig überraschend, aber dramatisch. Ein Gespräch mit TU-Präsidentin Geraldine Rauch über die Suche nach den Ursachen.


  • Artikelbild: Urteil zum Gender Pay Gap: Gerät jetzt die W-Besoldung unter Druck?

Urteil zum Gender Pay Gap: Gerät jetzt die W-Besoldung unter Druck?

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Ein angeblich besseres Verhandlungsgeschick rechtfertigt keine Besserstellung beim Gehalt. Was bedeutet das für die verhandlungsabhängigen Leistungsbezüge von Professorinnen und Professoren?