Brauchen wir mehr Medizinstudierende?
Um einen Ärztemangel zu verhindern, darf in Italien neuerdings jede und jeder ein Medizinstudium beginnen. Sind solch drastische Änderungen auch in Deutschland notwendig?

Bild: upklyak / freepik.
SEIT DIESEM JAHR darf in Italien jede und jeder mit Hochschulzugangsberechtigung ein Medizinstudium beginnen – ganz ohne Zulassungsbeschränkungen. Erst nach einem "semestre aperto", einem "offenen Semester", entscheidet ein nationaler Test, wer weitermachen darf. Wissenschaftsministerin Anna Maria Bernini sprach im April von einem "Durchbruch", als die neue Regelung bekannt wurde. Anders sah das der Ärzteverband Anaao-Assomed. Dessen Generalsekretär Pierino Di Silverio kritisierte damals laut Euractiv ein "populistisches, demagogisches Manöver, das am Ende nicht nur den Politikern, sondern auch tausenden Familien schaden wird".
Kritik hatte es in Italien allerdings zuvor auch an den hohen Eingangshürden für Studienanfänger gegeben – und das in Zeiten eines Ärztemangels. Eine Debatte, die an Deutschland erinnert, wo der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einst mit der Forderung nach 5.000 Studienplätze Furore machte, anders werde man die Versorgung der Babyboomer-Generation in naher Zukunft nicht mehr gewährleisten können. Lässt sich da womöglich doch etwas von Italien abgucken?
Hierzulande ist der Zugang zum Medizinstudium weiter streng reguliert. Die Zulassung erfolgt hauptsächlich über drei Quoten: 30 Prozent der Plätze gehen an die Abiturbesten, zehn Prozent laufen über die sogenannte "zusätzliche Eignungsquote", bei der die Schulnoten keine Rolle spielen – und die übrigen 60 ...
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Kommentare
#1 - Offene Türen...
Das italienische Modell ist jetzt nicht so furchtbar neu, so etwas gibt es in Frankreich schon lange. Jede/r darf ein Medizinstudium beginnen, muss aber nach dem ersten Theoriejahr eine sehr harte Prüfung schaffen, die 80 Prozent nicht bestehen. Ich würde davon ausgehen, dass die erfolgreichen Kandidat/innen zum ganz großen Teil die Abiturbesten sind (oder "Hochschulzugangsprüfungbesten"). Auf die hiesigen Verhältnisse übertragen, würde ich mal wild vermuten, dass eine solche Prüfung ungefähr die bestehen würden, die jetzt mit der Kombination "sehr gutes Abitur plus sehr gute Medizinertestergebnisse" einen Studienplatz an einer staatlichen deutschen Universität erhalten. De facto würde sich nicht viel ändern, ...
#2 - Keine neue Idee
Es ist sehr interessant, das Italien jetzt auch diesen Weg geht, neu ist die Idee keinesfalls. Unter dem Namen PACES gibt es das System in Frankreich seit 2010 (auch davor hatte Frankreich für Medizin ein ähnliches System, das PACES umfasst jetzt auch Zahnmedizin, Geburtsheilkunde und Pharmazie). Vor- und Nachteile haben sich in Frankreich gut etabliert und werden auch durchaus kontrovers diskutiert. Mir sind auch Menschen bekannt, die als Deutsche mit einem Deutsch-Französischen Doppelabitur das PACES gewagt haben, weil es einfacher war, überhaupt erst ins Studium zu kommen als in Deutschland.
#3 - Österreich
Interessant ist der alternative Weg in Österreich. Die Abschlussnote der Matura spielt hier keine Rolle, ein NC ist unbekannt. In Medizin ist aber der MedAT zu absolvieren. 2025 haben fast 13.000 Personen für 1.900 Studienplätze teilgenommen. Es gibt dabei zwei Phänomene: die Zahl deutscher Studierender ist hoch, es gibt eine Quote von max 20% für EU-Ausländer, die in Österreich Medizin studierenden wollen, sie müssen jedenfalls auch den MedAT machen. Das andere Phänomen: wie in Deutschland nimmt die Zahl privater, kostenpflichtiger (ca 150.000 € für Bachelor + Master) Medizinhochschulen zu, aktuell sind es ca 600 Studienplätze bei diesen pro Jahr.
Und ...
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